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Statt Wandern darf es auch Fliegen sein

Fliegen im Windkanal
(c) Windobona

Ausflüge lassen sich auch thematisch ausrichten. Für Freunde des Fliegens gibt es einige spannende Möglichkeiten – vom aktiven Flugerlebnis bis zum Planespotting an mehr oder weniger ungewöhnlichen Orten.

Eine Wanderung am Wochenende hat im Herbst eine gewisse Tradition. Doch wer es nicht so erdig mag, kann die Ausflugsplanung auch luftig gestalten. Drei Tipps zum Ausprobieren und Nachmachen.

 

Fliegen im Windkanal

„Draußen hört dich keiner schreien“, hat Pieter, der Fallschirmspringer gesagt. Nicht, dass ich schreien wollte, und wenn, dann nur aus Vergnügen. In dem Moment nämlich, als Pieter meine Hand zum ersten Mal loslässt und ich allein schwebe, gebettet auf einen Luftstrom in der Stärke von 200 km/h. Leicht schwankend probiere ich aus, was passiert, wenn ich meine Körperhaltung ändere: Ich winkle leicht die Beine an und sinke sofort ab, bis mein Bauch fast das Netz am Boden berührt. Mit zwei Fingern signalisiert mir Pieter, mich wieder auszustrecken. Schnell hebe ich ab, einen, fast zwei Meter, Pieter hängt sich an mich, um mich wieder hinunterzuziehen. Ich muss grinsen. Ich fliege! Dabei geht es im Windkanal eigentlich nicht um das Fliegen, sondern um das Fallen: Professionelle Fallschirmspringer wie der Belgier Pieter Vanderhaeghen trainieren hier für ihre Sprünge. Im Windkanal zu schweben sei wie ein freier Fall aus 4000 Metern Höhe. Im Wiener Prater hat nun der erste Windkanal für Indoor Skydiving (www.windobona.at) eröffnet, Journalisten durften es ausprobieren. Wir bekamen Anzüge, Schutzbrillen, einen Helm und Ohrstöpsel – Luft kann laut sein. Zuvor gab es eine kurze Einschulung. Alles langsam machen, hat Pieter gesagt, symmetrisch bleiben– und ja nicht die Hände zurückziehen und an den Körper legen. Dann saust man nämlich kopfüber nach unten. Das sei beim freien Fall zwar praktisch, wenn man – wie in „Point Break“ – ohne Fallschirm einen Bösewicht einholen will, der zuvor mit dem letzten Fallschirm aus dem Flugzeug gesprungen ist, im Windkanal aber weniger zu empfehlen.

Sonst sei das Schweben für Anfänger nicht gefährlich. Und auch, wenn man nicht lange allein und vor allem nicht hoch hinaus gelassen wird: Es hat etwas. Es gibt einem ein erhebendes Gefühl der Kontrolle, im scheinbaren Nichts zu liegen und mit wenigen Bewegungen auf Flughöhe und -richtung einwirken zu können. Auch wenn der Wind noch lang nicht tut, was ich will. Bis dahin dauere es lang, sagt Pieter. „Es ist wirklich nicht leicht.“

 

Gleitschirmfliegen in Seckau

Das erhoffte Adrenalin bleibt erst einmal aus. Gut, die ersten Schritte nach dem Startsignal den Hang hinunterzulaufen, mit einem aufgeblähten Gleitschirm im Nacken, ist schon irgendwie aufregend. Vor allem, als sich der Wind ein bisschen dreht, mich und den erfahrenen Piloten hinter mir nach rechts zieht und wir im Anlauf fast die Schwiegermutter über den Haufen rennen, die sich mit der Kamera in der Hand am Hang positioniert hat. Sie kann noch ausweichen und hat jetzt wenigstens ein gutes Foto. Als sie sich aufrichtet, sind wir schon in der Luft: Einen, zwei, fünf, zehn, zwanzig, unzählige Meter zieht es uns in die Höhe. So schweben wir dahin und genießen die Aussicht – ich und mein Pilot. Mein erster Tandemflug. Eine gemütliche Sache.

Gleitschirmfliegen – allein oder eben mit erfahrenen Fliegern – kann man überall in Österreich, wo es Hügel gibt. Für die Piloten ist es ein Sport, für Passagiere sind ruhige Flüge (ohne akrobatische Manöver oder thermische Pannen) vor allem ein Panorama-Erlebnis. Man sitzt entspannt im Gurtzeug und schaut auf die Landschaft hinunter. Auf der Hochalm im steirischen Seckau, das wir uns ausgesucht haben, ist sie besonders grün. Gute zehn Minuten lang gleiten wir über Wiesen, Wälder, einen See. Und ja, es stimmt anfangs ein wenig mulmig, dass da zwei ausgewachsene Menschen an nicht mehr als einem leichten Nylonschirm hängen. Aber der Pilot, die Ruhe in Person, scheint die Sache im Griff zu haben. Manchmal fliegt er fünf Stunden am Stück durch die Gegend, erzählt er. Und jausnet dann auch zwischendurch – in der Luft.

Hin und wieder zieht er an einer der Leinen, dann fliegen wir eine Kurve, aber stets langsam und in großem Bogen; das Kettenkarussell im Prater verursacht deutlich mehr Unbehagen in der Magengegend. Hier genieße ich es einfach, über den Hügeln zu thronen und die Füße baumeln zu lassen. Ein bisschen wie im Sessellift, nur viel höher, ohne Ruckeln und mit mehr Beinfreiheit. Schade, dass Seckau mit seinem Stift, dem beschaulichen Dorfplatz und dem Fußballplatz immer näher kommt. Wir landen gesäßlings auf einem Acker. Nein, ein Adrenalinkick war der Flug nicht. Aber die Aussicht, die war es wert.

 

Flugzeugen zuschauen

Man muss nicht unbedingt selbst fliegen, um fliegen zu mögen. Es gibt auch Menschen, für die das Zuschauen das wahre Gaudium ist. Kurz nach der Wiener Stadtgrenze finden Planespotter – so nennt man diese Spezies – gar nicht so schlechte Bedingungen vor, um Flugzeuge zu beobachten. Immerhin hat der Flughafen in Schwechat eine hübsche Aussichtsterrasse, auf der man aus 21 Metern Höhe das Rollfeld überblicken kann. Kleiner Schönheitsfehler – der Eintritt kostet vier Euro, eine Saisonkarte 85 Euro. Gar nicht so wenig also, um einfach nur Flugzeugen bei Start und Landung zuzuschauen. Macht aber nichts, denn Luftfahrtfreunde können alternativ auch einen anderen spektakulären Ort ansteuern – der Spotterhügel östlich des Flughafens liegt parallel zum Runway 16/34, ist etwa zehn Meter hoch – und man überblickt das Vorfeld, den Runway und den Skylink-Terminal. Es darf aber ruhig noch ein Stückchen weiter und edler sein – der wahre Aficionado setzt sich in die Badner Bahn und besucht den Flughafen Bad Vöslau-Kottingbrunn – genau, das ist der Flugplatz, auf dem Julius Raab 1955 nach der Rückkehr von den Staatsvertragsverhandlungen in Moskau erstmals über den Verhandlungserfolg sprach. Der Kenner empfiehlt einen Sundowner auf der Terrasse des Flugplatzrestaurants – und einen Besuch unterhalb der Terrasse. Dort finden sich die wohl einzigen Ziegen Österreichs, die auf einem Flugfeld nächtigen. Ein Mini-Streichelzoo für all jene, die sich nicht so für die Luftfahrt interessieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.09.2015)