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Die UniCredit und ihr Kettensägenmassaker

(c) APA/ROBERT JAEGER
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Dass der erzwungene Umbau der Bank Austria deren Chef keinen Spaß mehr macht, ist verständlich. Filialabbau steht aber auch bei der Konkurrenz an.

Eigentlich ist der überraschende Abschied von Bank-Austria-Chef Willibald Cernko keine so ungewöhnliche Sache: Ein italienischer Bankenkonzern steckt in ernsten Problemen, sein Vorstandschef macht zurzeit eine Figur wie ein Rodeoreiter knapp vor dem Abwurf, er muss also zur Rettung ein ziemlich heftiges Spar- und Kürzungsprogramm fahren. Das tut man normalerweise besonders intensiv bei Auslandstöchtern.

Im UniCredit-Konzern bietet sich dafür die konzernintern relativ gut dastehende Österreich-Tochter besonders an. Man entzieht ihr also (wenig überraschend) das immer noch recht profitable Ostgeschäft zur Gänze. Und man zwingt sie unter der Androhung, das Privatkundengeschäft komplett zu verkaufen, zu einem drastischen Sparprogramm, das gut 1000 Mitarbeiter den Job kostet und annähernd ein Drittel des Filialnetzes ausradiert. Aus der bisher größten österreichischen Bank mit starkem Osteuropa-Geschäft wird also binnen weniger Jahre ein schwer amputiertes regionales Institut.

Dass ein Bank-Austria-Vorstandschef über solche Pläne der Mutter nicht begeistert ist, lässt sich wohl leicht nachvollziehen. Cernko hat schon seit Wochen immer wieder durchklingen lassen, dass er diese Form des Radikalschnitts eigentlich nicht mitträgt. Das endgültige Zerwürfnis mit Mailand war also nur eine Frage der Zeit.

Spannender ist wohl die Frage, was das innerösterreichische Streichkonzert bei der Bank Austria für die gesamte Branche bedeutet. Die UniCredit-Tochter war hier ja ein Spezialfall, weil sie mit besonders vielen unkündbaren und teuren „Bankbeamten“ in Österreich einen besonders unförmigen Kostenrucksack mitschleppen musste. Aber im Prinzip steht das, was die Italiener mit ihrer Österreich-Tochter jetzt aufführen, anderen Instituten noch bevor.

Denn der jahrzehntealte Befund, dass Österreich krass „overbanked“, also mit viel zu vielen teuren Bankfilialen ausgestattet ist, gilt ja noch immer. Zwar werden die Filialnetze seit Jahren sukzessive ausgedünnt. Aber viel langsamer, als die rasante technische Entwicklung notwendig machen würde. Der Bankbereich ist ja einer der Sektoren, in denen die Digitalisierung zu besonders drastischen Personalreduktionen führt. Onlinebanking ist auch bei Privaten stark auf dem Vormarsch, und viele Kunden sehen ihre Filiale nur noch, wenn sie einen Kredit beantragen (wobei standardisierte Kredite auch immer häufiger online beantragt werden) oder wenn sie um das Weltspartagsgeschenk anstehen.

Man wird Filialreduktionen und Personalabbau also auch bei anderen noch sehen, und es wird auch noch zu größeren Strukturmaßnahmen kommen. Insider wären beispielsweise nicht überrascht, wenn am Ende des Strukturreformtages aus der dreistufig (Raiffeisenkassen, Landesbanken, Spitzeninstitut) aufgebauten Raiffeisen-Gruppe eine zweistufige geworden wäre.


Erzwingen wird das bei den anderen nicht ein in Schwierigkeiten geratener ausländischer Eigentümer, sondern der Markt. Denn dieser beschert den Instituten hierzulande in ihren Kernbereichen einiges Kopfzerbrechen. Das Privatkundengeschäft leidet praktisch überall unter zu langsam angepassten Filial- und Personalständen. Das bisher lukrative Geschäft mit größeren Firmen untergräbt der Finanzminister mit seiner Bankensteuer. Banker klagen jedenfalls zunehmend, dass die deutsche Konkurrenz den Steuervorteil, den sie daraus ziehe, für immer stärkeres Wildern im österreichischen Firmenkundenmarkt nutze.

Ihr harscher Eigentümer wird einer deutlich reduzierten Bank Austria mit seiner Kettensägenmassakerstrategie in diesem Marktumfeld wahrscheinlich sogar Vorteile verschaffen. Aber die frühere Bedeutung der Bank ist natürlich dahin, wenn von einer international renommierten Bank am Ende des Tages ein abgespecktes regionales Institut übrig bleibt. Jammern hilft nicht: Verkauft ist verkauft. Dass das alles Herrn Cernko keinen Spaß mehr macht, ist allerdings verständlich. Und dass die UniCredit aus dieser Verstimmung Vorstands-Konsequenzen zieht, wohl auch.

E-Mails an: josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.01.2016)