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Das Rennen der Ex-Premiers um die Präsidentschaft

Alain Juppé und Francois Fillon kämpfen um die Präsidentschaftskandidatur bei den "Republicains".
Alain Juppé und Francois Fillon kämpfen um die Präsidentschaftskandidatur bei den Republicains.APA/AFP/LOIC VENANCE/JEAN-FRANCO
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Die französischen Konservativen suchen den idealen Kandidaten um gegen Front-National-Chefin Marine Le Pen zu reüssieren. Ex-Premier Francois Fillon hat die besten Karten.

Im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der französischen Konservativen hat Ex-Regierungschef Francois Fillon überraschend die Nase vorn. Fillon gewann am Sonntag die Vorwahl vor dem favorisierten Ex-Premier Alain Juppé und warf auch Ex-Präsident Nicolas Sarkozy aus dem Rennen. Dieser sprach sich umgehend für Fillon aus.

Nach vorläufigen Ergebnissen kam Fillon, der von 2007 bis 2012 unter Sarkozy Premierminister war, auf mehr als 44 Prozent der Stimmen. Der lange Zeit als haushoher Favorit gehandelte Juppé kam auf knapp 29 Prozent. Nur knapp 21 Prozent der Stimmen entfielen auf Sarkozy. Die übrigen vier konservativen Präsidentschaftsanwärter erhielten jeweils weniger als drei Prozent.

Sozialisten küren Kandidaten im Jänner

Bei der Wahl des Präsidenten im Mai läuft es nun auf ein Duell zwischen Fillon und der Chefin des rechtsextremen Partei Front National, Marine Le Pen, hinaus. Die zerstrittenen Sozialisten, die mit Francois Hollande zurzeit den Staatschef stellen, dürften Umfragen zufolge in der ersten Runde im April aus dem Rennen um den Elysee-Palast ausscheiden. Sie halten im Jänner ihre Vorwahlen ab. Amtsinhaber Francois Hollande wird voraussichtlich im Dezember bekanntgeben, ob er seinen Hut wieder in den Ring werfen will.

Fillon konnte die Wähler mit einem ehrgeizigen liberalen Reformkonzept überzeugen. Der 62-Jährige will eine halbe Million Stellen im öffentlichen Dienst streichen und sich an die 35-Stunden-Woche und eine Erhöhung des Pensionsalters heranwagen.

Der Ex-Premier sprach nach seinem Wahlsieg von einer "mächtigen Dynamik". Er wolle Frankreich wieder aufrichten und den Bürgern "neue Hoffnung" geben. Er machte deutlich, dass er die Bevölkerung bei Reformen hinter sich wähnt: "Meine französischen Landsleute haben mir das allerorten gesagt: Sie wollen mit einem bürokratischen System brechen, das ihnen Energie raubt."

Sarkozy macht Werbung für Fillon

Sarkozy räumte seine Niederlage noch am Sonntagabend ein. "Ich habe es nicht geschafft, die Mehrheit der Wähler zu überzeugen." Er deutete zudem einen Rückzug aus der Politik an. "Für mich ist jetzt die Zeit gekommen, ein Leben mit mehr privater Leidenschaft und weniger politischer Leidenschaft zu beginnen", sagte er. Sarkozy stellte sich klar hinter seinen Ex-Premier. Er halte viel von Juppe, fühle sich aber den Ansichten Fillons näher und werde daher in der Stichwahl am Sonntag für ihn stimmen.

Rund vier Millionen Franzosen beteiligten sich an der Vorwahl. Diese hohe Beteiligung kam zustande, weil offenbar auch viele Linkswähler sich an dem offenen Urnengang beteiligten, um den unbeliebten Ex-Präsidenten Sarkozy aus dem Rennen zu werfen. Einer Umfrage des TV-Senders BFMTV waren 15 Prozent der Wähler in der ersten Runde Anhänger der Linken.

Nach einer Umfrage des Instituts Opinionway zieht Fillon als Favorit in die Stichwahl mit Juppé. Der Bewunderer der früheren britischen Premierministerin Margaret Thatcher kann demnach auf 56 Prozent der Stimmen hoffen. Allerdings werden ihm bei der Präsidentschaftswahl nicht so gute Chancen wie Juppé eingeräumt. Dieser hätte Umfragen zufolge gegen die Rechtsextremistin Le Pen leichtes Spiel, weil er sich der Stimmen linker Wähler sicherer sein könnte als Fillon.

Bei der Wahl im Frühjahr wird auch der frühere Wirtschaftsminister Emmanuel Macron antreten, der im Kabinett des sozialistischen Präsidenten Hollande saß. Er geht als unabhängiger Kandidat ins Rennen, gilt als beliebt, hat aber keinen großen Parteiapparat hinter sich. Die Frage wird sein, welchen Partein Macron am ehesten Stimmen wegnehmen wird.

(APA/Reuters/dpa)