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Lufthansa fliegt auf die Air-Berlin-Tochter Niki

APA/HELMUT FOHRINGER
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Mit einer schnellen Entscheidung zu einem ersten Teilverkauf der Niki wurde nach dem ersten Gläubigerausschuss nicht mehr gerechnet. Aber die Zeit drängt, denn Niki habe von Air Berlin horrend teure Mietverträge für 14 Flugzeuge geerbt.

Bei der ersten Sitzung des Gläubigerausschusses von Air Berlin hat die Lufthansa ihr Angebot für Teile der insolventen Fluggesellschaft konkretisiert. Man biete für die österreichische Touristiktochter Niki und weitere Teile der Gesellschaft, nicht aber für das komplette Unternehmen, hieß es Mittwochmittag aus Lufthansa-Kreisen.

Mit einer schnellen Entscheidung zu einem ersten Teilverkauf der Niki wurde nicht mehr gerechnet.

Der Ausschuss hatte sich am Morgen in Berlin konstituiert. Bei dem Treffen ging es zunächst um Formalien, verlautete aus Teilnehmerkreisen. So müsse das Gremium der Fortsetzung des Flugbetriebs zustimmen. Zudem sollte ein Zeitplan für die nächsten Schritte festgelegt werden. "In keinem Fall" werde es Entscheidungen zur Käuferauswahl geben, meinte auch diese Quelle.

Zeit drängt

Die Lufthansa hatte am Dienstag vergangener Woche über Verhandlungen zu Teilen der insolventen Air Berlin berichtet. Als weitere Interessenten gelten Easyjet und die Thomas-Cook-Tochter Condor.

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" drängt die Zeit, und nicht nur für Air Berlin, sondern auch für Niki bleibe die Lage schwierig und bedrohlich, selbst wenn der Gläubigerausschuss einer Absichtserklärung zum Verkauf von Niki an die Lufthansa zustimmen sollte. Niki habe von ihrer Muttergesellschaft horrend teure Mietverträge für 14 Flugzeuge geerbt, die TUIfly für die Air-Berlin-Gruppe fliegt. Sollte TUIfly auf den Verträgen bestehen, droht Insidern zufolge auch Niki die Insolvenz, schreibt das Blatt am Mittwoch. Die Airline betreibt 17 eigene Jets und mietet 18 weitere - von TUIfly und dem Schweizer Air-Berlin-Ableger Belair. Insider rechnen allerdings damit, dass auch hier die Lufthansa helfen wird: Sie könnte zumindest einen Teil der TUIfly-Jets selbst mieten und so die Situation klären.

Die seit langem angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin hatte vor einer Woche Insolvenz beantragt, nachdem Großaktionär Etihad der Airline die finanzielle Unterstützung entzogen hatte. Der Flugbetrieb ist durch einen Kredit des deutschen Bundes über 150 Mio. Euro noch für etwa drei Monate gesichert.

Machnig wies erneut alle Spekulationen zurück, am Ende der Gespräche über Air Berlin könnte die Lufthansa als Monopolist den Luftverkehr in Deutschland beherrschen. Es gebe zehn Interessenten. Und es sei klar: "Es wird kein Monopol der Lufthansa geben, dafür sorgen auch die Kartellbehörden." Auch die deutsche Regierung habe kein Interesse daran, dass der Wettbewerb kleiner werde.

Als wenig wahrscheinlich gilt, dass der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl mit seinem Angebot zum Zuge kommt. Er will Air Berlin nur als Ganzes übernehmen. Die deutsche Regierung sieht das aber nicht als sinnvolle Lösung an, weil Air Berlin gerade durch seine heutige Struktur in die schwierige Lage geraten sei.

Die deutsche Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) und Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatten sich dafür ausgesprochen, dass Lufthansa einen großen Anteil von Air Berlin übernimmt.

 

Niki Lauda befürchtet höhere Flugpreise

Niki Lauda, Luftfahrtunternehmer und Gründer der Air Berlin-Tochter Niki, sagte im "Handelsblatt", er befürchte höhere Flugpreise, sollte die Lufthansa bei Air Berlin vorrangig zum Zuge kommen. Lauda kritisierte, die Lufthansa habe die Politik ins Boot geholt, um den Wettbewerb einzuschränken.

Bei Air Berlin könnten laut "SZ" trotz des Brückenkredits der deutschen Regierung bald die ersten Flüge ausfallen. Es gebe die Gefahr, dass die insolvente Fluglinie Teile ihres Flugbetriebs schon bald nicht mehr aufrechthalten könne, berichtete die Zeitung unter Berufung auf mit der Situation vertraute Insider. Der umstrittene Brückenkredit des Staats über 150 Millionen Euro soll eigentlich den Flugbetrieb für drei Monate sichern.

Auf dieses Geld habe Air Berlin zwar Zugriff, habe aber keinen Zugang auf Umsätze aus Vorausbuchungen für künftige Flüge. "Diese landen auf einem neutralen Konto, um sicherzustellen, dass Kunden ihr Geld zurückbekommen, falls Flüge gestrichen werden", hieß es in dem Bericht. Diese Regelung verschärfe offenbar die Geldknappheit des Unternehmens, das zwar im Augenblick einen Großteil der Löhne nicht mehr bezahlen und auch die Schulden nicht mehr bedienen muss.

Doch der Flugbetrieb kostet trotzdem viel Geld - zumal viele Lieferanten und Flughäfen inzwischen Vorkasse verlangen. Die drohenden Flugausfälle verschärfen dem SZ-Bericht zufolge das Tempo bei den Verhandlungen über die Aufteilung der Fluglinie - dieses ist ohnehin sehr hoch.

(APA/dpa/dpa-AFX)