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Weltjournal

Welcome to Londongrad

One Hyde Park ist eine der teuersten Adressen Londons: 2014 wurde ein unmöbliertes Apartment um damals umgerechnet etwa 175 Millionen Euro verkauft.
One Hyde Park ist eine der teuersten Adressen Londons: 2014 wurde ein unmöbliertes Apartment um damals umgerechnet etwa 175 Millionen Euro verkauft.Reuters
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Spielplatz der Oligarchen, Gangster, Dissidenten, Spione und mitunter Attentäter: wie die wachsende reiche russische Exilgemeinde London seit Jahren ihren Stempel aufdrückt.

Treffen einander zwei alte Russen im Londoner Nobelbezirk Knightsbridge auf der Straße. Sie plaudern über Gott und die Welt, da kommt die Sprache auf die letzten Dinge. Igor fragt: „Hast du schon Vorkehrungen für deinen Tod getroffen?“ Sergej antwortet: „Ich möchte nicht in Moskau begraben werden, sondern bei Harrods. Da habe ich wenigstens die Sicherheit, dass meine Frau mein Grab mindestens einmal in der Woche besuchen kommt.“

Unter den mehr als drei Millionen Einwanderern, die Großbritannien in den vergangenen 15 Jahren aufgenommen hat, ragt wohl keine Gruppe so hervor wie die Russen. Polnische Handwerker arbeiten wie Ameisen, Bulgaren machen sich in der Landwirtschaft die Rücken krumm, ohne rumänische Pfleger wäre das Gesundheitswesen zusammengebrochen. Vor dem Beginn grausam früher Morgenschichten trifft man in der U-Bahn auf dem Weg vom armen Londoner Osten in den noblen Westen jene Menschen, die das Leben in der Metropole am Laufen halten.

Hackeln? Russen sicher nicht! Russen sind da nicht dabei. Von den mindestens 150.000 Russen, die in London leben, ist kaum einer da, um sich mit niedriger Tätigkeit bescheidenes Geld zu verdienen. „Russen in London müssen reich sein, denn allein die Einreise ist extrem teuer“, sagt der Autor Misha Glenny. „Allein das Visum für eine Geschäftsreise kostet 950 Pfund, das ist für die Mehrheit unerschwinglich.“
Stattdessen hat Großbritannien seit dem Ende der UdSSR auf die neue Klasse reicher Russen gesetzt. Sie kommen zum Shoppen oder um zu bleiben. 1994 wurde ein „goldenes Visum“ eingeführt, mit dem Zuwanderer für eine Million Pfund eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung kaufen konnten – ohne Fragen und ohne Steuerpflicht für im Ausland verdientes Einkommen.

Als das Finanzzentrum London in der Finanzkrise 2008 wankte, wurde der Preis auf zwei Millionen erhöht. Die Konditionen blieben unverändert. Dass man damit alle Arten dunkler Gestalten anzog, nahmen die Briten in Kauf, solange russisches Geld ihre Wirtschaft ölte. Aus London wurde „Londongrad“. Dabei schien es einen Wettkampf der Oligarchen um die teuersten Immobilien zu geben. 2011 erwarb der Milliardär Roman Abramowitsch ein Haus beim Kensington Palace um den damaligen Rekordpreis von 90 Millionen Pfund (damals etwa 105 Millionen Euro). Das nach dem Buckingham Palace zweitgrößte Haus Londons mit 25 Schlafzimmern, Ballsaal und Pool gehört Andrej Gurjew, laut „Forbes“ ist er der 28-reichste Mann Russlands.

Drogengeld? No Problem, Sir! Allzu viele Fragen werden beim Erwerb der Immobilien nicht gestellt. Korruptionsbekämpfer Roman Borisowitsch hielt mit versteckter Kamera fest, wie er sich bei Immobilienbüros als Investor ausgab: Selbst der Hinweis, dass es sich um Geld aus Drogen- oder Waffenhandel handeln könne, war kein Problem. „Sobald ich sagte, dass ich bar zahlen würde, öffnete man mir das Hinterzimmer, wo man mir genaue Anlagepläne unterbreitete“, berichtet Borisowitsch.

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