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Rudy Giuliani – der Kettenhund des Präsidenten

New Yorks legendärer Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani, ein Fan des Baseballklubs New York Yankees, wirft sich mit Feuereifer für Donald Trump in die Bresche.
New Yorks legendärer Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani, ein Fan des Baseballklubs New York Yankees, wirft sich mit Feuereifer für Donald Trump in die Bresche.(c) USA TODAY Sports (Adam Hunger)
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New Yorks legendärer Ex-Bürgermeister steht als Sprachrohr und Cheferklärer Donald Trumps im Dienst des Weißen Hauses – von der Russland-Causa bis zu Nordkorea. Sein möglicher Lohn: ein Job als Justizminister.

Wien/Washington. Rudy Giuliani war als Sprachrohr und Schwadroneur Donald Trumps wieder einmal in seinem Element. Nordkoreas Diktator Kim Jong-un habe „auf Händen und Knien“ um den Gipfel gebettelt, plauderte der New Yorker Ex-Bürgermeister neulich bei einer Konferenz in Tel Aviv aus der Schule. „Das ist genau dort, wo wir ihn haben wollen“, höhnte der 74-Jährige, der im Trump-Team als Rechtsberater agiert, seine Rolle aber als Mann für alle Fälle interpretiert und in den Talk-Shows als Cheferklärer der US-Politik auftritt.

In Pjöngjang, am Hofe Kims, wird die Bemerkung Giulianis kaum Wohlgefallen gefunden haben. Das Kim-Regime reagiert gewohnheitsmäßig pikiert auf Kritik aus Washington. Nachdem Sicherheitsberater John Bolton, einer der Falken im Weißen Haus, das „libysche Modell“ heraufbeschwor und damit auf den Sturz Muammar al-Gaddafis anspielte, wäre der Gipfel zwischen dem US-Präsidenten und dem nordkoreanischen Machthaber in Singapur beinahe geplatzt.

Für Vertreter der US-Regierung und des Weißen Hauses ist es also stets eine heikle Übung, sich in der Causa Nordkorea zu äußern – ein diplomatischer Hochseilakt. Als Diplomat eignet sich Rudy Giuliani nun wirklich nicht, eher als Kettenhund Donald Trumps. „Rudy ist großartig“, kommentierte der Präsident die Berufung seines Freundes zum Rechtsbeistand. Mehrere Anwälte hatten zuvor ihre Jobs als Hausjuristen Trumps entnervt hingeschmissen. Ihr Chef hatte sie ein ums andere Mal düpiert.

Giuliani ist nun in der Öffentlichkeit stets zur Stelle, wo es um die Russland-Connection geht, um den Sonderermittler Robert Mueller, den er jovial „Bobby“ nennt, und die Pornodarstellerin Stormy Daniels. Mitunter plappert der redselige Ex-Staatsanwalt dabei mehr aus, als dem Präsidenten lieb ist, und könnte ihm so noch mehr Schaden zufügen. So gestand er ein, dass Trump seinem Anwalt Michael Cohen die Kosten für das Schweigegeld an Stormy Daniels – 130.000 Dollar – erstattet habe, obwohl der Präsident dies zuvor kategorisch bestritten hatte.

In seiner Verteidigung schießt Giuliani regelmäßig übers Ziel hinaus. Die Ermittlungen Muellers bezeichnete er als „illegitim“: „Die Untersuchungen hätten nie beginnen dürfen.“ Er riet den Präsidenten überdies von einer Befragung durch den Ex-CIA-Chef ab. Dies könnte Trump in Teufels Küche bringen. Im Fall einer Verurteilung sei der Präsident jedenfalls befugt, sich selbst zu begnadigen – was Trump prompt bekräftigte.

Als Präsidentschaftskandidat der Republikaner war Rudy Giuliani 2008 grandios gescheitert. Schon früh sprach sich „Amerikas Bürgermeister“, wie Oprah Winfrey den New Yorker Bürgermeister unter dem Schock des 9/11-Terrors apostrophiert hatte, indessen für den Immobilien-Tycoon als Präsidenten aus – und er versprach sich einen Job in seiner Regierung. Als Anwärter aufs Außenministerium, sein Lieblingsamt, stieß er wegen seiner Geschäftsinteressen auf Widerstand. Als Justizminister wäre er der logische Favorit für die Nachfolge des ungeliebten Jeff Sessions.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.06.2018)