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Vom Glück, gestalten zu können: Strache bei Puls 4

Neuerdings mit Lächeln bei TV-Interviews: Hein-Christian Strache.
Neuerdings mit Lächeln bei TV-Interviews: Heinz-Christian Strache.(c) Screenshot

TV-Notiz Paradigmenwechsel: Im Sommergespräch wird Vizekanzler Heinz-Christian Strache geglaubt, dass er die Distanzierung seiner Partei von rechtsextremen Personen oder Gedanken ernst meint.

"Es braucht bei manchen auch Zeit, dass sie das ehrliche Wollen erkennen und akzeptieren," sagt FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Aber es wirkt nicht verbittert wie früher manchmal, wenn er solche Sätze sagte, sondern wie eine Erkenntnis, mit der er seinen Frieden gemacht hat. In dem Sommergespräch am Montag Abend ging es durchaus auch lange um die Frage, wie er als Parteichef der FPÖ mit Mitgliedern am rechtsextremen Rand umgeht. Oder wie das Verhältnis zur AfD ist. 

Doch etwas ist anders geworden in den sechs Monaten, seit Strache in der Regierung sitzt. Er hört sich die Fragen an, manchmal fragt er selbst nach. Nur einmal wird er emotional, und das ist, als Milborn von einer Umfrage erzählt. Man habe Österreicher gefragt, wie glaubwürdig es ist, dass Strache "die FPÖ vom rechtsextremen Rand lösen" will. Und das ist der Punkt, den Strache nicht missverstanden wissen will: "Aufpassen, Frau Milborn, die FPÖ ist nicht am rechtsextremen Rand. Die FPÖ ist Bestandteil der zweiten Republik." Viele hätten kein Interesse daran "zur Kenntnis zu nehmen, dass diese Partei ganz klar am Boden der Verfassung steht und alle extremistischen Entwicklungen strikt ablehnt."

Puls 4-Infochefin Corinna Milborn führt das Gespräch mit ihm nicht so, als wolle sie etwas aufdecken, das ja doch tief in Strache schlummert, wie es oft getan wurde - sondern unter der Prämisse, dass er die Distanzierung der Partei von rechtsextremen Personen oder Gedanken ernst meint. Dass er sich stark verändert hat. Ein Paradigmenwechsel, mit dem sie auch versucht, die alten "Paintball"-Bilder aufzubringen - und Strache dazu bringen will, dass er zugibt, es sei eben kein Paintball gewesen, sondern - das liegt vermutlich zwischen ihren Worten - eine Verherrlichung der Nazi-Zeit. Was der Vizekanzler freilich verneint. Paintball war's, wenn es dafür auch wegen der Waffen andere Worte geben müsste.

Es ist nicht unspannend zu sehen, wie ruhig und locker Strache mittlerweile agiert, er fühlt sich offenbar sehr wohl in seiner Rolle als Vizekanzler. Und verweist, wenn es um nicht durchführbare Wahlversprechen geht, auf die Felder, in denen die FPÖ ihre Spuren hinterlässt. Hätte es wieder eine große Koalition gegeben, "wäre nichts gegangen mit Grenzschutz, mit Abschub von Illegalen".

Nun kann den FPÖ-Chef offenbar nicht einmal mehr das Wiener Rathaus locken. Er will bei der Wien-Wahl 2020 nicht antreten, sagt er. Sondern "die Verantwortung als Vizekanzler leben."

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