Moskau wirft USA Zerstörung der russischen Wirtschaft vor

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Moskau kritisiert die neuen US-Strafmaßnahmen wegen des Attentats auf den britisch-russischen Doppelagenten Skripal als drakonisch. Die Sanktionen sollen Ende August in Kraft treten.

Russland hat die neuen US-Sanktionen im Fall Skripal als drakonisch und ungerechtfertigt kritisiert. Die Begründung für neue Strafmaßnahmen sei "an den Haare herbeigezogen", hieß es in einer am Donnerstag verbreiteten Erklärung der russischen Botschaft in Washington. Die Botschaft bekräftigte frühere Forderungen nach "einer offenen und transparenten" Untersuchung des Giftanschlags auf den früheren Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter Julia.

Washington sei und bleibe ein unzuverlässiges Gegenüber in der internationalen Politik, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Die Sanktionen seien ein Verstoß gegen internationales Recht. Der Vorsitzende des Außenausschusses im Föderationsrat Konstantin Kossatschow sagte, die USA führten sich wie ein Polizeistaat auf.

Auch Fjodor Lukjanow, Chefredakteur der Zeitschrift "Russia in Global Affairs", fand scharfe Worte: Die kommenden Strafen zielten auf eine Zerstörung der russischen Wirtschaft. Nach dem Gipfeltreffen der Präsidenten Donald Trump und Wladimir Putin in Helsinki müsse die US-Führung offenbar beweisen, dass sie hart gegen Russland sei, sagte er der Agentur Interfax zufolge. Trump war nach dem Treffen schwer kritisiert worden, weil er sich Putins Dementi einer russischen Einmischung in die US-Wahlen zueigen gemacht hatte.

USA werfen Russland Verstoß gegen Menschenrechte vor

Die US-Regierung hatte am Mittwoch neue Sanktionen gegen Russland wegen des Anschlags auf Skripal angekündigt. Die USA seien sicher, dass Russland bei dem Attentat in Großbritannien Nervengift eingesetzt habe, sagte eine Sprecherin des US-Außenministeriums. Damit habe Russland gegen das Völkerrecht verstoßen. Die Sanktionen würden um den 22. August herum in Kraft treten. Einzelheiten zu den Strafmaßnahmen wurden nicht genannt. Es handele sich aber um Sanktionen, die sensible Güter der nationalen Sicherheit beträfen, hieß es im Außenministerium in Washington.

An der Moskauer Börse schickte allein die Aussicht auf neue US-Sanktionen die Kurse großer Staatsunternehmen in den Keller. So gab die Aktie der Fluggesellschaft Aeroflot um 12 Prozent nach. Stark betroffen waren auch die Großbanken Sberbank und VTB. Der Rubel brach auf ein Rekordtief ein.

Der Ex-Agent Skripal und seine Tochter Julia hatten im März in England eine Vergiftung mit dem in der Sowjetunion entwickelten Kampfstoff Nowitschok nur knapp überlebt. Großbritannien hatte nach den Anschlag auf die Skripals erklärt, es gebe keine andere plausible Erklärung als die Täterschaft Russlands und wies mehrere russische Diplomaten aus. Viele Staaten schlossen sich dem an. Beweise legte die britische Regierung bislang nicht vor. Russland bestreitet, etwas mit dem Anschlag zu tun zu haben.