Führungsfehler

Den Raptor im Nacken

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Kolumne "Führungsfehler". Eine Grafikagentur. Der Chef kümmert sich um die Kunden, die Mitarbeiter um das Kreative.

Leider hat der Chef eine unangenehme Angewohnheit: Er fragt ständig nach, ob seine Leute schon das Logo, das Plakat oder die Corporate Identity fertig haben. Je öfter er fragt, desto weniger geht weiter.

Er fragt nicht nur. Er stellt sich hinter seine Leute und beugt sich herunter, so nah, dass sie seinen Atem im Nacken spüren. Ein – aus – ein –aus. Gänsehaut. Wie ein Velociraptor. Jetzt geht gar nichts mehr weiter.

Dann poltert der Chef und droht auch mal mit Rauswurf. Als Schuss vor den Bug nimmt er zwei freie Mitarbeiter auf. Die brauchen nur einmal den Atem im Nacken und sind weg.

Ein guter Freund, der öfter im Büro vorbeikommt, versteht das Leid der Kreativen. Nimm den Druck heraus, rät er dem Chef. Lass sie von der Leine. Lass sie auch mal Mittagspause machen. Und schieße nicht jedes Mal aus deinem Zimmer heraus, wenn du sie reden hörst.

Der Chef schluckt. Dann geht ja gar nichts mehr weiter!

Gib ihnen Deadlines, fährt der Freund fort. Solche, fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu, die eine Woche vor dem tatsächlichen Abgabetermin liegen.

Der Chef probiert es. Am Anfang gibt es einen Leistungseinbruch (die Kreativen müssen vieles nachholen), dann flutscht es. Auf einmal leisten sie mehr – ohne Kontrolle. Sie sind fröhlicher. Sie kommen manchmal freiwillig im Urlaub herein, weil ihnen ein Projekt am Herzen liegt.

Und der Chef? Der hat plötzlich wieder Zeit für seine Familie.

 

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Ähnlichkeiten mit realen Personen oder Unternehmen sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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