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Metaller: Reden ohne Milde

METALLER-KV - WARNSTREIK DER METALLTECHNISCHEN INDUSTRIE: KUNDGEBUNG BEI FIRMA COLLINI
APA/ROBERT JAEGER
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Nach drei Tagen mit Warnstreiks treffen die Sozialpartner heute nachmittag zur sechsten Gesprächsrunde zusammen. Beide Seiten zeigen sich unnachgiebig - die Gewerkschaften drohen ab Montag mit "echten" Streiks.

Drei Tage wurden in 240 Betrieben Warnstreiks durchgezogen - jetzt wird wieder geredet: Aber das heutige Treffen der Sozialpartner bei den Metallern steht unter keinem guten Stern. Denn beide Seiten zeigen sich unnachgiebig. Womit nicht auszuschließen ist, dass auch die sechste Verhandlungsrunde - so wie die fünf Treffen zuvor - ohne Ergebnis verlaufen könnte.

In den vergangenen Jahren kam es zwar auch wiederholt zu harten Auseinandersetzungen. Aber bevor die Streikdrohungen in die Tat umgesetzt worden sind, kam es dann doch zu einer Einigung. Heuer ist die Situation allerdings anders - auch wenn die Gewerkschaften Pro-GE und GPA-djp wiederholt betonen, ihre harte Haltung richte sich in Wahrheit nicht gegen die türkis-blaue Regierung und das von ihr beschlossene Arbeitszeitgesetz, mit dem die tägliche Arbeitszeit auf bis zu zwölf Stunden ausgeweitet wird. Und dennoch haben die Arbeitnehmervertreter die neuen Arbeitszeitregeln in die Tarifrunde getragen. Sie fordern nämlich nicht nur fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt für die insgesamt 192.000 Beschäftigten der sechs Metaller-Branchen, sondern auch umfangreiche Kompensationen für die Mehrarbeit.

Dagegen stemmen sich die Unternehmen, die zuletzt 2,7 Prozent geboten haben. Inklusive einiger Rahmenvereinbarungen sei das Paket ohnedies drei Prozent wert, argumentierte Christian Knill, Obmann der größten Branche, der metalltechnischen Industrie, wiederholt.

Drei Tage lang haben die Gewerkschaften den Unternehmen mit Warnstreiks einen Vorgeschmack darauf gegeben, was ihnen droht, falls sie nicht nachgeben - dann drohen die Arbeitnehmervertreter Rainer Wimmer (Pro-GE) und Karl Dürtscher (GPA-djp) ab Montag mit einem  "echten" Streik. Das bedeutet eine Arbeitsniederlegung für eine ganze Acht-Stunden-Schicht. Das grüne Licht für Kampfmaßnahmen hat der ÖGB längst gegeben.

Für die Gewerkschaften ist ein "Dreier vor dem Komma" das Minimum, auch wenn sie das offiziell nicht sagen wollen. Sie argumentieren mit der heuer sehr gut laufenden Konjunktur. Die Arbeitgeber indes verweisen auf die Gefährdung der Wettbewerbsfähigkeit der extrem exportorientierten Branche und den sich bereits abzeichnenden Abschwung - alle Wirtschaftsexperten hätten zuletzt ihre Prognosen für 2019 zurückgenommen.

Nicht gerade positiv reagiert die Arbeitnehmerseite auch auf die Empfehlung von Knill, die 1200 Unternehmen sollten ihren Mitarbeitern freiwillig rückwirkend per 1. November die Löhne und Gehälter um 2,7 Prozent erhöhen, sollten die Kampfmaßnahmen anhalten. Der Aufschrei kam prompt: "Die Arbeitgeber wollen die Belegschaft spalten", tobte Dürtscher.

Ein Streiktag kostet bis zu 50 Mio. Euro

Ein Dorn im Auge ist den Gewerkschaftern auch der Umstand, dass es seit sechs Jahren keine "Metaller-Runde" mehr gibt. Die Kollektivverträge der sechs Branchen mit insgesamt 192.000 Beschäftigten werden getrennt verhandelt.  Allerdings blieb die metalltechnische Industrie als größte Sparte Vorreiter und gibt auch die Höhe der Abschlüsse vor. Für die anderen (Fahrzeugindustrie, Bergbau-Stahl, Gießereiindustrie, Nichteisen-Metallindustrie, Gas- und Wärmeversorgung) wurden vorerst die Gespräche fortgesetzt, inzwischen aber auch unterbrochen.  Die Gewerkschaften wollen den Druck auch dort erhöhen.

Zuletzt wurde 2011 in 200 Betrieben gestreikt. Es gab ein Lohnplus von 4,2 Prozent - einer der höchsten Abschlüsse der letzten Jahre. Über drei bzw. drei Prozent gab es 2011, 2013 und eben im Vorjahr. Ein Streiktag kostet die Industrie laut Knill 30 bis 50 Millionen Euro.