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Westbahn will Züge aus China kaufen

Die private Westbahn macht seit Ende 2011 den staatlichen ÖBB auf der Strecke Wien–Salzburg Konkurrenz.
Die private Westbahn macht seit Ende 2011 den staatlichen ÖBB auf der Strecke Wien–Salzburg Konkurrenz.(c) Clemens Fabry

Die private Westbahn stellt ihre Flotte zum Verkauf, ÖBB und Deutsche Bahn haben Interesse. Die Westbahn plant, neue Züge vom chinesischen Konzern CRRC zu kaufen.

Wien. Bei der Westbahn geht es rund. Gleich vorweg: Das private Bahnunternehmen, das seit 2011 auf der Strecke Wien–Salzburg fährt, soll weder eingestellt noch verkauft werden. „Natürlich wird es die Westbahn weiter geben“, sagt Miteigentümer Erhard Grossnigg zur „Presse“. Seine Augusta Holding hält 32,7 Prozent an der Westbahn-Mutter Rail Holding, Haupteigentümer ist Hans Peter Haselsteiner. Weder ein Verkauf der Westbahn noch eine Übernahme durch einen Konkurrenten sei geplant, so Grossnigg.

Warum also die Aufregung? Die ÖBB haben eine Ausschreibung lanciert, die heftige Spekulationen in der Branche ausgelöst hat. Demnach sucht die Staatsbahn neue Züge. Konkret geht es um die „Lieferung und Instandhaltung von 17 Stück (gebrauchten) doppelstöckigen Elektrotriebzügen an die ÖBB Personenverkehr AG“. Eine ähnliche Ausschreibung gibt es von der Deutschen Bahn. In der Branche wurde daraus rasch der Schluss gezogen, dass die Westbahn ihre Züge zum Verkauf stellt. Die Westbahnflotte zählt genau 17 Züge. Sie kommen vom Schweizer Hersteller Stadler, zehn davon sind erst seit 2017 in Betrieb.

Bei der Westbahn will man das so nicht bestätigen. Aber die schriftliche Stellungnahme geht in dieselbe Richtung: „Es ist ein neuer Markt für junge Gebrauchtzüge entstanden“, teilt das Unternehmen mit. Und: Die Westbahn plane, „mit dem am schnellsten lieferfähigen Qualitätslieferanten auf dem Weltmarkt ein noch weiter verbessertes Zugkonzept für Doppelstockzüge mit 200 km/h rasch umzusetzen und gleichzeitig damit dem Bahnverkehr die schnelle Bereitstellung von jungen Gebrauchtzügen zu ermöglichen“. Bei den ÖBB bestätigt man das Interesse an den Zügen: „Wenn es auf dem Markt die Möglichkeit gibt, weiteres Zugmaterial zu bekommen, dann sehen wir uns das an.“ Ein Sprecher ergänzt aber, dass die Gespräche noch ganz am Anfang stünden. Westbahn-Investor Grossnigg wollte die Ausschreibungen nicht kommentieren. Es soll aber am Mittwoch eine Aufsichtsratssitzung stattfinden.

 

Verhandlungen mit China

Nun sieht es so aus, als ob die Westbahn neue Züge von einem chinesischen Hersteller kaufen wollte. Wie „Die Presse“ aus informierten Quellen erfahren hat, laufen Verhandlungen der Westbahn mit der chinesischen CRRC Corporation Limited. Ob es zu einem Vertragsabschluss kommt, ist aber noch unklar. CRRC, das zu mehr als der Hälfte im Besitz des chinesischen Staates ist, ist der größte Schienenfahrzeughersteller der Welt. Seit 2016 hat der an der Shanghaier Börse gelistete Konzern eine Niederlassung im Wiener DC Tower und lenkt von hier aus seine Europa-Geschäfte. Schon vor drei Jahren zeigte CRRC Interesse an einer Kooperation mit Österreich – damals hoffte es auf den Zuschlag für eine Ausschreibung der ÖBB für 200 Güterlokomotiven.

Der chinesische Staatskonzern hat schon einige Aufträge von europäischen Bahnkonzernen eingeheimst. Als erstes EU-Land kaufte 2016 ein tschechisches Bahnunternehmen drei Schnellzüge von CRRC. Die Deutsche Bahn hat vier Loks in China geordert. Sollte die Westbahn 17 Züge bestellen, wäre das aber der mit Abstand größte Auftrag für ein chinesisches Bahnunternehmen in Europa. In der Branche kursiert das Gerücht, dass die Chinesen an einem Prototyp für einen doppelstöckigen Triebzug werken und für diesen eine Zulassung für den europäischen Markt anstreben. Experten zufolge würde sich das frühestens bis Mitte 2020 ausgehen.Die Westbahn fährt mit doppelstöckigen Zügen.Aber sie will sich dazu nicht äußern. Es heißt nur: Da die Westbahn das einzige Bahnunternehmen in Österreich ohne Subventionen mit Steuergeld sei, müsse man jede Opportunität nutzen, um die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens langfristig abzusichern. Das Unternehmen hat seit der Gründung fast nur Verluste geschrieben. Einzig 2016 ging sich ein kleines Plus beim Gewinn vor Steuern aus.

 

Fusion von der EU untersagt

Die Causa ist auch standortpolitisch relevant. Die EU-Kommission hat kürzlich die Fusion der Bahnsparten von Siemens und Alstom untersagt. Der neu gegründete Gigant wäre auf einen Schlag zum weltweit zweitgrößten Bahnkonzern nach Chinas CRRC aufgestiegen. Und es geht um Österreich: In Wien und Graz ist das Bahn-Kompetenzzentrum des deutschen Siemens-Konzerns angesiedelt.

AUF EINEN BLICK

Die Westbahn gehört über die Rail Holding zu 49,9 Prozent der Familienstiftung von Hans Peter Haselsteiner, zu 32,7 Prozent der Augusta Holding von Erhard Grossnigg und zu 17,4 Prozent der französischen Staatsbahn SNCF.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.03.2019)