Führungsfehler

New Yorker sind direkt

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wie es einer Europäerin in Amerika geht.

Die junge Deutsche hatte den Jackpot geknackt. Ein feiner Job, ein liebes Team, gute Aufgaben, nette Kunden. Was will man mehr?

Allerdings lief ihre US-Arbeitserlaubnis viel zu schnell ab. Um eine neue zu bekommen, musste sich ihr Arbeitgeber mit ihr bewerben, ein langwieriger und teurer Prozess. Ihre Chefin mochte sie und gab ihr Tipps, wie sie den Vorstand überzeugen sollte.

Sie bereitete eine kleine Präsentation vor und bat ihn um einen Termin. „Kein Problem“, antwortete er, „morgen ist Vorstandssitzung. Kommen Sie einfach ins Meeting.“

Müßig zu sagen, dass sie die ganze Nacht ihre Präsentation übte. Dass sie alle möglichen Reaktionen durchspielte, alle denkbaren Fragen antizipierte.

Mit zitternden Fingern klopfte sie am nächsten Morgen an die Vorstandstür. Man blickte sie fragend an. „Liebe Anwesende“, begann sie, „wie Sie wissen, arbeite ich sehr, sehr gerne für Ihre Firma. Ich würde gerne wissen, wie wahrscheinlich es ist, dass Sie sich mit mir für meine nächste Arbeitserlaubnis bewerben.“

Alles hatte sie erwartet.

Aber kein hämisches Gelächter. „Unwahrscheinlich“, ergriff der Chef das Wort, „Wenn Sie PhD wären oder Master… aber Sie sind nur Bachelor.“ Damit winkte er sie aus dem Raum.

Eine Weile verkroch sie sich im Badezimmer. Dann trocknete sie ihre Tränen und ging heim – Jobangebote recherchieren.

 

So geht es in New York zu. Dieser Führungsfehler stammt von unserer Amerika-Korrespondentin Cornelia Holzbauer.

 

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