Führungsfehler

Der Freitags-Chef

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Kolumne. Er war ein vielbeschäftigter Mann. Genau gesagt beschäftigte ihn nur eines seiner beiden Geschäftsfelder. Das andere lief ohnehin wie am Schnürchen.

Trotzdem dachte er, ihm gelegentlich Aufmerksamkeit schenken zu müssen. Wenn alles andere getan war. Das war nur Freitagnachmittag der Fall, wenn überhaupt.

Dann verließ er sein Büro (das sich im Trakt des ersten Geschäftsfeldes, genannt „die Königsklasse“, befand) und schlenderte in den anderen Trakt. Ein wenig unnütz kam er sich hier vor. In den meisten Büros schliefen die Computer schon. „Wie machen das die Leute hier?“, fragte er sich. In der Königsklasse herrschte auch Freitagnachmittag hektisches Treiben.

Er war immer froh, wenn er ein bekanntes Gesicht traf. Dann fiel er in den vertrauten Chef-Modus, spendete ein paar gewichtige Worte und zog sich erleichtert in seinen Trakt zurück.

„Am Freitag ist hier ein Mann durchgegangen“, berichtete eines Montags ein Mitarbeiter seinem Chef. „Ich wollte ihn ansprechen, aber da war er schon weg.“ - „Das war unser Vorstand“, antwortete sein Chef. „Freitagnachmittag betreibt er manchmal 'Management by walking around'.“ 

„Wirklich?“, staunte der Mitarbeiter. „Ich bin jetzt fünf Jahre da – aber den habe ich hier noch nie gesehen!“

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Ähnlichkeiten mit realen Personen und Unternehmen sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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