Schnellauswahl

Brandstätter zu den Neos? „Fahrkarte kann man schnell kaufen“

„Ich würde klar versuchen, meine Werte zu leben. Und die haben sich seit der Studienzeit nicht verändert.“ Helmut Brandstätters Ziel als möglicher Politiker.
„Ich würde klar versuchen, meine Werte zu leben. Und die haben sich seit der Studienzeit nicht verändert.“ Helmut Brandstätters Ziel als möglicher Politiker.APA/ROBERT JAEGER
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Die Zeichen stehen darauf, dass der Journalist im Herbst für den Nationalrat kandidiert.

Wien. „Man könnte den Kalauer von der geschredderten Demokratie verwenden“, meint Helmut Brandstätter. Doch wäre dies trotz der aktuellen Ereignisse rund um zerstörte Festplatten falsch, wie der Journalist betont. Nicht innerhalb von Sekunden oder Minuten würden demokratische Institutionen in Gefahr kommen. Dafür brauche es schon Jahre. „Aber es wird immer dunkler“, konstatiert der bisherige „Kurier“-Herausgeber. „Es hat eine Veränderung stattgefunden, die mir Sorge macht.“

Seine Kritik gilt der früheren türkis-blauen Regierung Und seine Sorgen hat Brandstätter in dem Buch „Kurz & Kickl. Ihr Spiel mit Macht und Angst“ festgehalten, das er am Mittwoch vorgestellt hat. Überlagert war die Buchpräsentation im Wiener Café Landtmann freilich von einer zentralen Frage. Dockt Brandstätter bei den Neos an und kandidiert er bei den Nationalratswahlen?

„Ich habe noch keine Karte nach Salzburg gekauft“, sagte Brandstätter am Mittwoch. Und spielte damit auf die am Samstag in der Mozartstadt stattfindende Mitgliederversammlung der pinken Partei an. „Aber man kann Fahrkarten sehr schnell kaufen“, ergänzte er.

 

Präsentation schon am Donnerstag?

Und die Zeichen stehen darauf, dass Brandstätter die Herausforderung der Politik annimmt. Bereits am späteren Mittwochabend kam in Wien der erweiterte Vorstand der Neos zusammen. Dabei sollte zusammen mit Brandstätter ausgelotet werden, wie gut man zusammenpasst. Die Pinken sollen sich dabei einstimmig für eine „Wildcard" für den 64-Jährigen ausgesprochen haben, hieß es Donnerstag früh - offiziell ist das allerdings nicht. Sehr wohl offiziell dagegen: Die Neos hoben im Vorfeld positiv hervor, dass Brandstätter die Herausgeberschaft beim „Kurier“ zurückgelegt habe. Damit seien klare Verhältnisse geschaffen worden, sagte Neos-Generalsekretär Nick Donig der „Presse“.

Auf der Tagesordnung stand am Mittwochabend auch die Vergabe einer Wildcard. Sie ermöglicht es einem Quereinsteiger wie Brandstätter, auf einem wählbaren Platz zu kandidieren. Und zwar, ohne am bereits abgeschlossenen Wahlprozess der Neos teilgenommen zu haben. Findet man zu einer Einigung könnte Brandstetter bereits heute, Donnerstag, als Neos-Kandidat präsentiert werden. Die endgültige Entscheidung über die Wildcard fällt aber erst am Samstag die Mitgliederversammlung.

Wie würde Brandstätter als Abgeordneter auftreten, falls ihm nun eine Partei die Möglichkeit dazu gäbe? „Ich würde sehr klar versuchen, meine Werte zu leben. Und die haben sich seit der Studienzeit nicht verändert“, erklärte der heute 64-Jährige. Nur „das Land hat sich massiv verändert“, meinte der Journalist. In seiner Studienzeit war Brandstätter Vorsitzender der Hochschülerschaft an der Universität Wien. Er gehörte der Österreichischen Studentenunion an, einer Vorgängerin der heutigen ÖVP-nahen Studentenfraktion Aktionsgemeinschaft (AG).

„Ich fühle mich als Bürgerlicher mit christlich-sozialem Hintergrund“, bekräftigte der Journalist. Was ihn nicht daran hindert, ÖVP–Chef Sebastian Kurz zu kritisieren: Dieser habe aus Machtkalkül die FPÖ walten lassen, obwohl sie Österreich zu einem autoritären Staat umbauen wolle.

Demokratische Institutionen wie der Verfassungsgerichtshof seien heruntergemacht worden, das freie Mandat sei verkommen. „Da gibt es einen frei gewählten Abgeordneten, der Arzt ist, und der darf nicht einmal mehr sagen, dass Rauchen ungesund ist.“ Brandstätter meinte den inzwischen wieder aus dem Nationalrat ausgeschiedenen ÖVP-Mandatar Josef Smolle, der auf Geheiß der Partei keine Interviews gab. So, wie Kurz auch Medien durch „brutalen Druck und penetrante Interventionen“ auf Linie bringen wolle.

 

„Habe die Wahlen nicht ausgerufen“

Sprach hier schon der Politiker Brandstätter? Das Buch habe er als Journalist geschrieben, betonte er. „Und die Wahlen haben weder die Neos noch ich ausgerufen.“ Würde Brandstätter sein Zugticket nach Salzburg nun bei den ÖBB oder bei der von Neos-Mäzen Hans Peter Haselsteiner mitfinanzierten Westbahn kaufen? Dort, wo die Fahrt kürzer dauere, antwortete Brandstätter.

Falls er sich für die Politik entscheidet, soll die Reise dorthin also schnell gehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.07.2019)