Streamingtipps

Neu auf Amazon, Netflix und Co.: Filme, auf die wir gewartet haben

Flüchtiges Glück in „Cold War“: Zula (Joanna Kulig) und Wiktor (Tomasz Kot).Opus Film

Eben noch im Kino, jetzt schon im Netz: Wir empfehlen fünf Filme, die neu im Abo der Streamingdienste sind, von einer berückend schönen Schwarz-Weiß-Romanze zum düsteren Hexentanz.

Cold War

Von Pawel Pawlikowski
Zu sehen auf Netflix

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Es gibt Filme, die so schön sind, dass es wehtut. „Cold War“ – im Deutschen unter dem allzu elegischen Titel „Der Breitengrad der Liebe“ vermarktet – ist so einer. Er erzählt in berückenden Schwarz-Weiß-Bildern (verwitternde Fresken, eine zerfurchte Frau, die eine Volksweise singt) vom Dirigenten Wiktor und der jungen Sängerin Zula, die sich im Polen der Nachkriegszeit finden und nicht mehr voneinander lassen können: Ein kalter Krieg der Liebenden in Zeiten des Kalten Krieges, keiner ergibt sich, keiner lenkt ein – die kräftezehrende Flucht der beiden voreinander und zueinander führt sie über die Jahre von Polen nach Berlin, von Berlin nach Paris, nach Zagreb und wieder zurück. Das Glück? Ist flüchtig. Das Unglück? Wird hier leise geschildert, ohne große Gesten, ohne jedes Pathos. Ohne Erklärung.

Pawel Pawlikowski, der für „Cold War“ den Regie-Preis in Cannes gewonnen hat, versetzt diese Geschichte einer Amour fou mit Beobachtungen über das Leben und die Kunst in Ost und West. Die alten Volksweisen, die anfangs eine wichtige Rolle spielen: Hier wie dort werden sie verhunzt, im Osten geglättet für Propaganda, im Westen unsensibel auf Chanson gebürstet. Nicht nur die Liebenden, auch die Künstler leiden. (best)

 

Aufbruch zum Mond

Von Damien Chazelle
Zu sehen auf Sky

Für Porträts ehrgeiziger Musiker hat Damien Chazelle („Whiplash“, „La La Land“) ein Faible – eigentlich nicht überraschend also, dass er in seiner ersten richtigen Wuchtproduktion auch den ersten Mann am Mond als getriebenes Künstlergenie inszeniert: Statt auf Klaviaturen spielt Neil Armstrong (Ryan Gosling) virtuos auf Raketen-Armaturen. Er ist hier ein einsamer, trauriger Mann, traumatisiert seit dem Krebstod seiner zweijährigen Tochter, geplagt von existenziellen Ängsten. Fast wirkt es, als nehme er den Nervenkitzel der Raumfahrt (festgehalten in beeindruckenden, klaustrophobischen Szenen) nur auf sich, um den Zumutungen der Erde zu entfliehen: Im Vakuum des Mondkraters kann man endlich ungestört trauern. (and)

 

Suspiria

Von Luca Guadagnino
Zu sehen auf Amazon

Dario Argentos zügelloser Horrorklassiker von 1977 über einen Hexenzirkel in einer Tanzakademie gilt als Meilenstein des Kinoexpressionismus. Luca Guadagnino („Call Me by Your Name“) wagt in seinem Remake eine freie Neuinterpretation: Statt schillernden Farbenrausches gibt es hier gedämpfte Herbsttöne, statt triebhaften Horrors ein vielschichtiges, surreal umdüstertes Psychodrama über Radikalisierung und Feminismus im Berlin der 1970er. Mithilfe schwarzer Magie werden Körper buchstäblich kaputt getanzt – doch nicht alle Hexen hier sind böse. Tilda Swinton spielt die Ballettmeisterin, Dakota Johnson eine unbedarfte Studentin, Radiohead-Frontmann Thom Yorke lieferte einen betörenden Soundtrack. (and)

 

Mid90s

Von Jonah Hill

Die Skaterwelt der 90er Jahre in Kalifornien, konsequent aus der Sicht eines 13-jährigen Teenagers geschildert: Coole Tricks, flatternde Shirts, Kumpels, die zu den Klängen der Pixies die palmenumsäumten Straßen von L. A. entlangcruisen und denen es Stevie gleichtun will. Doch Jonah Hill, als Schauspieler bekannt, verklärt in seinem ersten abendfüllenden Spielfilm nichts: Er zeigt die unbändige Freude über einen gelungenen Trick oder ein Lob der Älteren genauso wie die Risiken, die Stevie auf sich nimmt, um dazuzugehören, den Bubenhimmel wie die Bubenhölle, beides mit einer Leichtigkeit, die zur südkalifornischen Sonne passt. (best)

 

Offenes Geheimnis

Von Asghar Farhadi
Zu sehen auf Amazon

Die Handlung kann täuschen: Ja, es geht hier um eine Kindesentführung, um Drohungen und Lösegeld. Ein Thriller ist „Offenes Geheimnis“ (englischer Titel: „Everybody knows“), der jüngste Film des zweifachen iranischen Oscargewinners Asghar Farhadi, der im Vorjahr das Filmfestival von Cannes eröffnete, aber nicht. Vielmehr ein langsam erzähltes, durch eindringliches Schauspiel und dicke Atmosphäre bestimmtes Melodram. Farhadi („A Separation“, „The Salesman“) ist ein Spezialist für komplexe Familiengeschichten, in denen alte Rechnungen, Eifersucht, Gewalt und Missverständnisse eine Rolle spielen. Die Vergangenheit holt alle ein. Auch hier: Laura (Penélope Cruz) ist für eine Hochzeit mit ihren Kindern auf Heimatbesuch in einem spanischen Dorf. Hier betreibt ihre Jugendliebe Paco (Javier Bardem) auf Land, das sie ihm einst in der Not billig verkauft hat, ein erfolgreiches Weingut. Die frohe ausgelassene Feier endet in Verzweiflung: Lauras Tochter ist weg. Entführt. Der Film erforscht emotionale Extremzustände, brüchige familiäre Bande und die zerstörerische Kraft des Unausgesprochenen: Das titelgebende offene Geheimnis, das ans Licht kommt – wer wusste davon, wer nicht? (kanu)

 

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