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Die Aufreger im Fernsehen

TV-Momente 2019: Grantige Männer, patscherte Inszenierungen, böse Drohungen

Einer der TV-Momente, die heuer einen bleibenden Eindruck hinterließen: Pamela Rendi-Wagner kurz nach Ibiza in einem spätabendlichen Interview.
Einer der TV-Momente, die heuer einen bleibenden Eindruck hinterließen: Pamela Rendi-Wagner kurz nach Ibiza in einem spätabendlichen Interview.
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Erst wurde noch über die Finanzierung des ORF debattiert, dann kam das Ibiza-Video - und eine Experten-Regierung, die anders antwortete als gewohnt: Das Fernsehjahr im Rückblick.

Die Inszenierung von Politik im Fernsehen war im nun zu Ende gehenden Jahr besonders facettenreich. Man sah geplante Aufreger, Patzer, Emotionales und ein Kräftemessen zwischen Journalisten und Parteien. In den ersten Monaten des Jahres etwa viel Kritik vonseiten der Regierungsparteien (vor allem von der FPÖ) am ORF. Höhepunkt war wohl die Diskussionen um ein Interview, das Armin Wolf im April mit dem FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky geführt hatte.

Der Stein des Anstoßes: Ein Bildervergleich von FPÖ-Poster und "Stürmer".(c) Screenshot ORF

In einer Zeit, in der die Umgestaltungspläne der FPÖ mit dem ORF bei solchen Interviews häufig spürbar waren, eskalierte ein Bildervergleich des von den Blauen besonders häufig kritisierten Journalisten. Vilimsky drohte schon in der Sendung mit „Folgen“, der FPÖ-Vorsitzende des ORF-Stiftungsrats legte Wolf eine Auszeit nahe.

Nicht der einzige Politiker, der in der in der „ZiB 2“ polterte. Das einstige Grünen-Urgestein Johannes Voggenhuber zeigte sich auch eher unversönlich.

>>> Voggenhubers Grant in der "ZiB 2": Politik und Moral, nicht verwechseln

Medial präsent war auch die Frage, ob und welche Denker oder Politiker, die sehr weit rechts stehen, zu Diskussionen eingeladen werden sollen. Servus TV beglückte etwa einen radikalen Denker der "Neuen Rechten": Götz Kubitschek.

>>> Der rechtsreaktionäre Verleger Götz Kubitschek gibt den maßvollen Konservativen

Doch bald stand der Ibiza-Skandal über allen Themen. Am 17. Mai sah man die Bilder, innerhalb von 24 Stunden war in der Innenpolitik nichts mehr so wie zuvor. Im Anschluss an den Skandal sorgten die TV-Auftritte von SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner für Erstaunen, weil sie ihre Chance, von dem Skandal zu profitieren, so gar nicht nutzte. Über längere Zeit wirkte sie völlig gehemmt, etwa in TV-Diskussionen wie „Im Zentrum am 19. Mai (Und da war noch Pamela Rendi-Wagner ...)

Der Höhepunkt schließlich in der „ZiB 2", 11 Tage nach der Veröffentlichung des Videos: Rendi-Wagner stolperte in einer skurrilen Szenerie um unangenehme Fragen herum. Und wurde von Moderator Wolf gar wegen ihrer Mimik zurecht gewiesen. So kann eine Inszenierung scheitern.

>>> Wolf weist Rendi-Wagner zurecht: „Ich weiß jetzt nicht genau, warum Sie lachen"

Nicht nur in Österreich diskutierte man heuer übrigens den Stil von Armin Wolf. Warum? Schon im Februar hatte er eine seltene Gelegenheit bekommen: Er konnte den russischen Präsidenten interviewen. Im russischen Fernsehen sorgte das Gespräch für Aufregung, weil Wolf Wladimir Putin elf Mal unterbrochen hatte. "Das Interview hat 54 Minuten gedauert, elf Mal unterbrechen mache ich normal in sieben Minuten", witzelte Wolf später in "Willkommen Österreich". Putin habe die kritischen Fragen übrigens "besser genommen als Erwin Pröll", sagte der "ZiB 2"-Moderator. Und der russische Staatschef rief "nachher nicht beim Chef an".

Völlig anders dann - und das dürfte vielen gefallen haben - die TV-Präsenz der Regierung Bierlein. Selten sah man ein Regierungsmitglied mit weniger Mitteilungsbedürfnis. In ihrem ersten Interview zeigte Kanzlerin Brigitte Bierlein, dass sie kurze Sätze mag. 

Nach zehn Tagen im Amt gab Brigitte Bierlein ihr erses Interview.
Nach zehn Tagen im Amt gab Brigitte Bierlein ihr erses Interview.(c) Screenshot

Eher schockierend war ja die Tatsache, wie schnell der Inhalt des Ibiza-Videos in Vergessenheit zu geraten schien. Wie vehement er klein geredet wurde. Manch ein FPÖler dürfte sich nun allerdings wünschen, Strache nicht so sehr verteidigt zu haben.

>>>Vilimsky und die moralischen Unschuld des Heinz-Christian Strache

Bitter waren auch die (späteren) Auftritte von Heinz-Christian Strache, man sah ihn in grotesk-tragischer Haltung. Etwa bei Wolfgang Fellner, der nach eigener Aussage „ein bissl einfühlsam“ mit Strache sprach, etwa über das Thema „Schneebrunzer“.

(c) Screenshot

Fellner sorgte naturgemäß noch für viele weitere peinliche TV-Momente, rund um Ibiza entwickelte er eine ganz eigene Art von Humor. Ein Höhepunkt war in diesem Kontext sein Gespräch mit einem "Sicherheitsexperten der Unterwelt". Niemand fasst zusammen wie Wolfgang Fellner, der sein jeweiliges Gegenüber oft nur nach der Bestätigung (und damit nimmt er es auch nicht so genau) dessen fragt, was er meint.

>>> Ibiza: Fellners "Sicherheitsexperte der Unterwelt" nennt die Drahtzieher

Übrigens traf Armin Wolf in der "ZiB 2" auch einmal auf einen Politiker, der ihm völlig ungerührt seine Grenzen aufzeigte. Es war das erste Fernsehinterview von Innenminister Wolfgang Peschorn. Dieser gab dem Moderator im Interview sogar Nachhilfe in Verfassungsrecht.

>>> Peschorn schulmeistert Wolf: "Sie wissen jedenfalls zu wenig"

Mit der erweiterten Krise in der FPÖ und der in der SPÖ sah man viele Analysten in den Sendungen. Besonders oft Peter Filzmaier, jenen Mann, der eine Sonderstellung in der Medienlandschaft einnimmt, was Sprachgeschwindigkeit und -richtigkeit betrifft und dabei auch seine Pointen nie vergisst. Und der sich offenbar einen Schlafplatz am Küniglberg erarbeitet hat.

Seit langem keine Parteifreunde mehr: Mölzer und Stadler saßen nicht lange nebeneinander.
Seit langem keine Parteifreunde mehr: Mölzer und Stadler saßen nicht lange nebeneinander.(c) Screenshot

Zu einem Eklat kam es bei der Frage der Parteikrise im Oktober live auf Puls 4. Andreas Mölzer verließ nach nur sieben Minuten mit Ewald Stadler das Puls Studio. Mit den Worten "Ewald, du bist ein Trottel. Das muss ich dir ehrlich sagen."

>>> Von Trotteln und Richtungslosen: Eine TV-Diskussion implodiert

Etwas ungläubig sah man auch, wie FPÖ-Politikerin Ursula Stenzel in diesem Jahr medial verunglückte. Zuletzt ließ sie mit ihrer Messung des CO2-Ausstoß in Gigabyte aufhorchen. Der Interviewer blieb dabei übrigens ganz leise.