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Die chinesische Tröpfchenmethode

China sagt, dass es den Yuan vom Dollar abkoppeln will. Glauben sollte man das erst, wenn es wirklich so weit ist.

In der Marktwirtschaft gibt es einen Grundsatz: Das bessere Produkt setzt sich gegen das schlechtere durch. Besser heißt dabei nicht zwangsläufig qualitativ hochwertiger. Besser heißt in vielen Fällen auch einfach billiger. Und wenn alle Marktteilnehmer fair spielen, bringt dieses System auch allen Vorteile.

Seit einiger Zeit herrscht in der Weltwirtschaft aber eine Schieflage. So hat China seine Währung fix an den US-Dollar gekoppelt. Dies hat zur Folge, dass der Yuan trotz der tollen wirtschaftlichen Entwicklung Chinas billig bleibt – und mit ihm die chinesischen Produkte. Ein Umstand, der vom Westen zu Recht beklagt wird. China hat nun zwar angekündigt, den Forderungen nachzugeben und die Bindung aufzuheben. Dabei könnte es sich aber um wirtschaftspolitisches Taktieren handeln. Ähnliche Ankündigungen gab es auch schon in den in den vergangenen Monaten.

Wie soll der Westen also auf diese wirtschaftspolitische „Abseitsstellung“ der Chinesen reagieren? Handelsbarrieren wären keine gute Idee. Diese treffen im Endeffekt immer auch den, der sie aufstellt. Neben politischem Druck auf die chinesische Führung sollte man lieber versuchen, die chinesische Zivilgesellschaft zu stärken. Diese meldet sich immer häufiger zu Wort. Und ihr wird zugunsten der nationalen Wettbewerbsfähigkeit durch den künstlich schwachen Yuan langfristig ja auch persönlicher Wohlstand weggenommen. (Bericht: S. 1)


jakob.zirm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.06.2010)