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Familie Zogaj ist ausgereist: Legale Rückkehr möglich

Zogajs Ausreise konnte nicht
(c) EPA (BARBARA GINDL)
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In Salzburg gestartet, in Wien umgestiegen: Arigona Zogaj ist mit zwei Geschwistern und ihrer Mutter in den Kosovo geflogen. Die Medienhatz vor der Abreise war "abscheulich", sagt die Volkshilfe.

LINZ. Von Salzburg über Schwechat nach Pristina: Um 19.40 Uhr hob eine AUA-Maschine mit den Zogajs an Bord in Richtung Kosovo ab. Damit endet vorerst Österreichs wohl bekanntester Asylfall. Bis zuletzt wurde versucht, Arigona, ihre minderjährigen Geschwister Albin (11) und Albona (10) und ihre Mutter Nurie vor der medialen Öffentlichkeit abzuschirmen. Vergeblich: weder der Tag, noch die genauen Flugzeiten der Ausreise blieben geheim.

Die vier sowie ein Begleiter der Volkshilfe wurden in Pristina bereits am Flughafen von den Behörden erwartet. Diese geleiteten sie in einen Extra-Raum, wo abgeschirmt von den übrigen Passagieren die Einreiseformalitäten erledigt wurden. Anschließend konnte die Familie über einen Hinterausgang zu einem bereitstehenden Bus gehen und mit diesem das Flughafengelände verlassen. Sie fuhren zu einem kurzfristig organisierten Quartier.

Medienhatz "abscheulich"

In den vergangenen Tagen hätten Fernsehteams und Paparazzi am Wohnort der Zogajs in Frankenburg Tag und Nacht gelauert, schildert Walter Deil von der Volkshilfe Oberösterreich der „Presse“: „Was da passiert ist, ist wirklich einfach nur abscheulich.“ Als die Ausreise immer näher rückte, sei die Medienhatz immer aggressiver verlaufen: „Mitschülern von Arigona wurde Geld für ein Interview angeboten“, sagt Deil. Auch Fotos im Paparazzi-Stil tauchten auf: auf einem war Arigona im Bikini auf einem privaten Badeplatz am Attersee zu sehen.



Auf dem Salzburger Flughafen verabschiedeten sich schließlich Betreuer der Volkshilfe und Freunde der Familie, darunter auch der aus Traun stammende Freund Arigonas und dessen Eltern. Von dort ging es nach Wien-Schwechat, wo die Zogajs schließlich in einen Direktflug nach Pristina umstiegen.

Mit nicht mehr als je einem Koffer in der Hand beginnen die vier Familienmitglieder nun ein Leben in einer Heimat, die sie 2002 bei ihrer illegalen Einreise nach Österreich verlassen hat. Begleitet werden sie von einer Vertrauensperson, die Albanisch spricht – die Muttersprache, die die Kinder nur noch bruchstückhaft beherrschen: sie alle sprechen oberösterreichischen Dialekt.

Medienrummel am Salzburger Flughafen(c) APA/BARBARA GINDL

Wohnort wird geheim gehalten

Details zu Begleitern oder dem Ort der vorläufigen Wohnung in Pristina werden zurückgehalten: man wolle weiter versuchen, die Familie zu schützen, erklärt Deil. Was allerdings schwierig werden dürfte: „Auch in Pristina warten Fernsehteams und Journalisten.“

Im Hintergrund wird allerdings bereits an der Wiedereinreise mit Schülervisa (Arigona, Albin, Albona) und als Saisonarbeitskraft (Nurie Zogaj) gearbeitet. Bürgen, die für die Lebenserhaltungskosten garantieren, wurden jedenfalls schon gefunden, sagt Pfarrer Josef Friedl, der die Familie seit 2007 betreut: „Sie werden, falls sie zurückkommen dürfen, dem Staat nicht zur Last fallen.“ Die bisherige Wohnung der Zogajs in Frankenburg werde vom Besitzer weiter kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) kündigte jedenfalls an, dass die Zogajs im Fall eines Visumsantrags auf die Unterstützung der österreichischen Botschaften hoffen dürften. Das gelte für diesen Fall wie für alle anderen Fälle auch.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16. 7. 2010)