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Epidemie

Oberösterreich führt Maskenpflicht wieder ein

Kellnerin mit Mund- und Nasenschutzmaske bedient G�ste am Tisch im Au�enbereich eines Caf� s in der Innenstadt von W�rzb
In Oberösterreich müssen auch Angestellte in der Gastronomie wieder Masken tragen.(c) imago images/Ralph Peters (Ralph Peters via www.imago-images.de)
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Nach dem jüngsten Anstieg der Corona-Infektionen hat Landeshauptmann Thomas Stelzer die allgemeine Maskenpflicht in Geschäften und Restaurants wieder eingeführt.

427 Covid-Infizierte, 3033 Personen in Quarantäne und eine Reproduktionsrate von 2: Die zuletzt stark steigenden Covid-19-Fallzahlen haben das Land Oberösterreich dazu bewogen, erstmals wieder einen Schritt zurück zu machen. Die allgemeine Maskenpflicht in Geschäften und Lokalen wird wieder eingeführt, verkündete Landeshauptmann Thomas Stelzer Dienstagmittag bei einer Pressekonferenz am Dienstag. Die Verordnung, einen Mund-Nasen-Schutz in öffentlichen Räumen zu tragen, tritt ab Donnerstag in Kraft und ist vorerst zeitlich unbegrenzt.

Stelzer sah keine Alternative zu dem Schritt: „Die Maske ist immer noch ungewohnt. Ich weiß auch, dass es nicht angenehm ist, sie zu tragen.“ Es sei jedoch notwendig, um einen erneuten Lockdown nach Möglichkeit zu verhindern. „Am Tisch sitzt Corona immer mit dabei“, so Stelzer. Der Landeschef konnte auch weitere Verschärfungen nicht ausschließen. Derzeit seien aber keine geplant. Auch Grenzschließungen zu anderen Bundesländern schloss er aus.

Die Masken müssen in allen öffentlich zugänglichen Räumen getragen werden. Das gilt in Geschäften für Kunden sowie Angestellte, in Restaurants kehrt man ebenfalls zu alten Regeln zurück. So muss die Maske bis Erreichen des Tisches getragen werden. Am Tisch, wo bis zu zehn Personen sitzen dürfen, ist das nicht obligatorisch. Das Personal selbst ist zu permanentem Mund-Nasen-Schutz verpflichtet. Kann der gebotene Abstand bei Veranstaltungen im Freien nicht eingehalten werden, so ist auch dort eine Maske vorgeschrieben.

Aus dem Nachbarland Bayern holt man sich Anstoß für eine weitere Schutzmaßnahme, den „freiwilligen Registriersystemen". Gäste werden also dazu angehalten, sich mit Kontaktdaten in einer Liste einzutragen. Bayern habe damit gute Erfahrungen gemacht, sagte Stelzer.

In Schulen und Kindergärten sowie in Betreuungseinrichtungen kehrt das Land auch zu den "alten, bekannten Regeln zurück", ergänzte Landeshauptmannstellvertreterin Christine Haberlander (ÖVP). Das heißt, ab Donnerstag herrscht im Schulgebäude Maskenpflicht, der Schutz darf erst am Sitzplatz abgenommen werden. In Kindergärten gelte, dass beim Bringen und Holen des Kindes die jeweilige Person einen Schutz aufhaben muss.

 

Assistenzeinsatz und Testoffensive

Schon seit Dienstag muss man in Amtsgebäuden in Oberösterreich verpflichtend Mund-Nasen-Schutz tragen, das gleiche gilt für Justizanstalten. Schulen in fünf Bezirken wurden geschlossen. Vor allem rund um Glaubensgemeinschaften und Schlachthöfe waren Cluster entstanden. Am Montag forderte Stelzer einen Assistenzeinsatz des Bundesheers an, um Kontaktpersonen-Management effizienter betreiben zu können. Außerdem sollen zehn Millionen Euro für eine Testoffensive bereitgestellt werden.

So will man neben den aktuellen Clustern einen Schwerpunkt auf mobile Dienste legen und die Testaktivitäten in den Alten- und Pflegeheimen nochmals verstärken. Im Umfeld von Verdachtsfällen sollen nahe Kontaktpersonen künftig auch dann getestet werden, wenn sie asymptomatisch sind. Bei positiven Fällen an Schulen will man alle Mitschüler derselben Klasse zum Abstrich schicken.

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Die Drive-Ins des Roten Kreuzes werden von zwölf auf 16 aufgestockt, die mobilen Teams ebenfalls verstärkt. Im Bedarfsfall will man auch die Laborkapazitäten erhöhen. Die Zahl der täglich gemachten Tests in Oberösterreich lag zwischen 1. und 5. Juli zwischen 1.090 und 1.435, am Montag waren es 1.030. Bisher wurden in Oberösterreich 87.382 Coronatests durchgeführt.

20 neue Fälle in Oberösterreich

Österreichweit ging die Zahl der Ansteckungen am Dienstag wieder zurück - und setzte damit das Auf und Ab bei den Fallzahlen fort. Laut dem Innenministerium wurden 56 positive Virustests registriert. In den vergangenen Tagen waren es jeweils um die hundert gewesen. 21 davon entfielen auf Oberösterreich, 20 auf Wien - wo Bürgermeister Michael Ludwig strenge Maßnahmen derzeit nicht plant, wei er am Dienstag bestätigte.

Die Reproduktionszahl, die bundesweit bei 1,37 lag, betrug in Oberösterreich 2 - allerdings war man in der Vorwoche bereits bei 2,7 gewesen. Weiter ausgeweitet hat sich der "Freikirchen-Cluster“ - hier wuchs die Zahl von 157 am Dienstag auf 173 infizierte Personen. Da in dieser Gruppe Großfamilien dominieren und damit sehr viele Kinder betroffen sind, gehen Experten zwar davon aus, dass sie vergleichsweise wenige schwere Verläufe verursachen wird - bis Montag war keine einzige Person daraus im Spital - aber andererseits gab es in diesem Cluster immer wieder Quarantäneverstöße. Immer wieder gibt es auch Fälle durch Reiserückkehrer vom Westbalkan. Neue Fälle in Fleischbetrieben wurden vorerst nicht gemeldet.

Die Statistik des Landes wies zu Mittag 2.786 Infektionen seit Beginn der Pandemie aus, aktuell erkrankt waren 427. 19 Personen wurden im Spital behandelt.

Freibad und Spielplätze in Mauthausen geschlossen

Weitere Fälle gab es auch an oberösterreichischen Schulen und Kindergärten. So etwa in Mauthausen, wo nach der behördlichen Schließung des Kindergartens in Mauthausen auch das Freibad, Spielplätze sowie öffentliche Grünanlagen gesperrt wurden. Dienstagvormittag waren laut Amtsleitung aus dem Kindergarten acht Infektionen gemeldet.

In Linz wurden verstärkte Kontrollen in Öffis, Lokalen und im öffentlichen Raum durchgeführt. In Wels, das zwischenzeitlich bereits ohne Infektionen war und nun mit 27 Erkrankten und 69 unter Quarantäne stehenden Personen betroffenen ist, wurden vom Gesundheitsdienst der Stadt die FSME-Impfungen vorübergehend ausgesetzt.

Experte Popper besorgt

Auch dem Simulationsexperte Niki Popper bereiten die lokalen Herde in Oberösterreich und Salzburg Sorgen. Die nächsten Wochen seien "entscheidend" für den weiteren Verlauf der Corona-Epidemie in Österreich, sagte Popper. Die große Frage sei, wie gut und schnell Testen, Tracing und Containment funktioniere. "Wenn wir die lokalen Wiederanstiege nicht in den Griff bekommen, ist es nicht unwahrscheinlich, schon im Sommer ein Problem mit steigenden Fallzahlen zu bekommen."

Bereits Anfang Juni haben die Mathematiker zwar berechnet, dass man viele solcher Herde gut im Griff behalten kann, vorausgesetzt das Testen, das Tracing und die Isolierung funktionieren schnell und effektiv. "Dass Fälle wie in Oberösterreich gefunden werden, ist nicht negativ, sondern zeigt, dass getestet wird. Wir werden uns an solche Cluster gewöhnen müssen. Was wir aber nicht wissen ist, wie schnell und wie konsequent das Containment regional in den Bundesländern funktioniert, wir haben keine genauen Aufzeichnungen darüber", so Popper.

Ein täglicher Anstieg an Neuinfektionen im knapp dreistelligen Bereich sei grundsätzlich nicht so drastisch zu sehen. Wenn das so bliebe, würde es beweisen, dass das Containment funktioniere. Es stelle sich nun aber "die Frage, ob sich das Wachstum weiter beschleunigt". Ob man das jetzt "Zweite Welle" nenne oder wie die WHO als "Wiederaufflackern" sei sekundär.

 

(APA)