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Ratingagentur: Der tapfere Chinese

Ratingagentur tapfere Chinese
(c) EPA (MARK)

Ratingagentur Dagong mahnt nach USA auch China: Die Kreditratings für die Anleihen, mit denen die Kommunen ihre massiven Infrastrukturprojekte finanzieren, wären viel zu optimistisch, irreführend und gefährlich.

Wien (mac). Der Aufschrei war groß, als den USA zu Beginn des Monats erstmals eine Ratingagentur die Bestnote verweigert hatte. Statt dem gewohnten „AAA“ würden Staatsfinanzen und Wirtschaftsprognose lediglich ein „AA“ rechtfertigen, erklärte die chinesische Ratingagentur Dagong.

Die Replik kam postwendend: Die chinesische Firma handle offenbar als „Propaganda-Arm“ Pekings, hieß es trotzig. Zumal China laut Dagongs Berechnungen weiterhin mit einem „AAA“ glänzen durfte. Firmenchef Guan Jianzhong drehte in Interviews mit westlichen Medien den Spieß einfach um: Gerade westliche Ratingagenturen wie Standard & Poor's, Moody's und Fitch seien „politisiert hochgradig ideologisiert“. Ihre mangelhaften Bewertungen hätten beinahe zum Kollaps des US-Finanzsystems geführt.

Den Vorwurf, ein linientreuer Gefolgsmann Pekings zu sein, konnte er so wohl nicht entkräften. Und das, obwohl das seit 1994 bestehende Unternehmen in privatem Besitz steht.

 

USA verweigern Zulassung

Am Dienstag hat Firmenchef Guan aber ein unerwartetes Ziel ins Visier genommen. In einem Fernsehinterview kritisierte er die chinesischen Provinzen und Städte scharf: Die Kreditratings für die Anleihen, mit denen die Kommunen ihre massiven Infrastrukturprojekte finanzieren, wären viel zu optimistisch, irreführend und gefährlich. Guan trifft damit einen wunden Punkt Chinas. Schließlich vermuten Beobachter längst, dass die Regierung die Kontrolle über die Kreditvergabe verloren habe. Im Vorjahr pumpten die Banken die Rekordsumme von 9,6Bio. Yuan an Krediten in den Markt.

Die USA beeindruckte der überraschende Ausfall des asiatischen Newcomers nicht. Sie lehnten einen Antrag von Dagong auf Zulassung in den USA eben ab.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.07.2010)