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Russland

Berliner Charité holt Nawalny aus künstlichem Tiefschlaf

Archivbild von der Berliner Klinik Charité, wo Alexej Nawalny behandelt wird.
Archivbild von der Berliner Klinik Charité, wo Alexej Nawalny behandelt wird.REUTERS
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Laut der Klinik ist der russische Oppositionspolitiker ansprechbar. Der Kreml weist jegliche Vorwürfe zurück, die russische Regierung habe etwas mit Nawalnys Vergiftung zu tun.

Der Gesundheitszustand des russischen Regimekritikers Alexej Nawalny hat sich gebessert. "Das durch Medikamente aufrechterhaltene künstliche Koma des Patienten konnte beendet werden", teilte die Berliner Universitätsklinik Charité am Montag per Twitter mit.

Der vergiftete russische Oppositionspolitiker werde schrittweise von der maschinellen Beatmung entwöhnt und reagiere auf Ansprache. Langzeitfolgen der schweren Vergiftung seien jedoch weiterhin nicht auszuschließen, hieß es weiter.

Der Kreml hatte zuvor Vorwürfe gegen die russische Regierung im Zusammenhang mit der Vergiftung des Oppositionsführers Alexej Nawalny als "absurd" zurückgewiesen. "Versuche, Russland irgendwie damit in Verbindung zu bringen, sind für uns inakzeptabel, sie sind absurd", sagte der Sprecher von Präsident Wladimir Putin, Dmitri Peskow, am Montag vor Journalisten in Moskau.

Auch einer der russischen Ärzte hatte sich zu Wort gemeldet, der Nawalny in Omsk behandelt hatte. Nach Angaben von Alexander Sabajev im sibirischen Omsk zunächst wegen einer mutmaßlichen Nowitschok-Vergiftung behandelt worden. Laborergebnisse hätten dies dann aber nicht bestätigt.

Es habe bei Nawalny alles auf eine Stoffwechselstörung hingedeutet. Deshalb habe man die Behandlung mit Atropin abgebrochen. "Als Toxikologe bin ich mir sicher: Es war kein Nowitschok da", sagte Sabajew. Atropin wird bei einer mutmaßlichen Vergiftung mit dem Nervengift Nowitschok verabreicht.

Notlandung soll Nawalny das Leben gerettet haben

Die Berliner Charité, in der Nawalny seit dem 22. August behandelt wird, hatte vergangene Woche mitgeteilt, dass der 44-Jährige mit einem chemischen Kampfstoff der Nowitschok-Gruppe vergiftet wurde. Der Kampfstoff war zu Zeiten der Sowjetunion entwickelt worden. Die russische Regierung weist jede Mitverantwortung am Zustand Nawalnys zurück. In Medizinerkreisen in Omsk hieß es, die erste Behandlung in Sibirien habe Nawalny das Leben gerettet. Dies gelt auch für den Piloten, der das Flugzeug nach Nawalnys Zusammenbruch in Sibirien notlandete. "Wenn das Flugzeug nicht notgelandet wäre, hätte Nawalny nicht überlebt", sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person in Omsk.

Nawalny war am 20. August auf einem russischen Inlandsflug zusammengebrochen. Zunächst wurde er im sibirischen Omsk behandelt, bevor er nach Deutschland geflogen wurde. Russische Ärzte hatten erklärt, dass sie keine Hinweise auf eine Vergiftung gefunden hätten. Am 2. September teilten die deutschen Ärzte mit, dass der Kritiker von Präsident Wladimir Putin "zweifelsfrei" mit dem chemischen Nervenkampfstoff vergiftet wurde. Auch der russische Ex-Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter waren Anfang 2018 in Großbritannien mit einem chemischen Kampfstoff der Nowitschok-Gruppe vergiftet worden. Der Fall Nawalny sorgt außerdem wieder zu Diskussionen in Deutschland, ob das Gaspipeline-Projekt „North Stream 2“ tatsächlich fertig gestellt werden soll. Auch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel schließt Konsequenzen mittlerweile nicht mehr aus.

(APA/Reuters)