Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl
Leitartikel

Krisen bewältigt dieses Land gut, die Normalität ist unser Problem

Outbreak of the coronavirus disease (COVID-19) in Vienna
REUTERS
  • Drucken
  • Kommentieren

Als die Maskenpflicht fiel und wir uns als Musterschüler Europas im Eigenlob sonnten, schalteten viele wieder auf „Normalbetrieb“. Das Ergebnis ist bekannt.

Am Anfang war es eine Erfolgsgeschichte. Während im Nachbarland Italien die Krankenhäuser und Rettungsorganisationen völlig überfordert waren, zeigte das österreichische Gesundheitssystem seine Krisenresistenz. Die Spitäler kamen nie auch nur annähernd an ihre Kapazitätsgrenzen heran. Mit einer fast schon überheblichen Lässigkeit schauten wir auf unsere Nachbarn herab. So wird das gemacht! Und mit „wir“ sind vor allem auch die politischen Würdenträger gemeint.

Tatsächlich sorgten das kompromisslose und schnelle Vorgehen der Regierung, ein verhältnismäßig rascher Lockdown und die traditionell weitverbreitete Obrigkeitshörigkeit dafür, dass die Infektionen schnell sanken und spätestens Ende Mai für die meisten in diesem Land klar schien, dass der Spuk ein Ende hat und wir wieder in der Normalität angekommen sind. Und genau das war – besser gesagt, ist – unser Problem. Österreich funktioniert offenbar in Ausnahmesituationen besser als in der Normalität. Wir brauchen eine größere Portion Leidensdruck, um das Beste von uns zum Vorschein zu bringen.