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Tirol

Mutations-Verdacht: Briten in keinem offiziellen Skikurs, Behörden ermitteln

CORONA: BRITISCHE VIRUS-MUTATION MOeGLICHERWEISE IN 17 FAeLLEN IN TIROL
Im Tiroler Ort Jochberg besteht bei 17 Fällen Verdacht auf die britische Mutationsvariante.APA/ROLAND MÜHLANGER
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Die Tiroler Behörden prüfen nun, warum die Briten, bei denen der Verdacht auf eine B.1.1.7.-Mutation besteht, trotz aufrechten Lockdowns nach Tirol reisen konnten.

In dem Tiroler Skiort Jochberg sind britische Staatsbürger möglicherweise mit der britischen B.1.1.7.-Mutation angesteckt. Während dies von den Gesundheitsbehörden überprüft wird, stellt sich nun die Frage, warum und unter welchen Umständen die Briten überhaupt im Land waren.

Am Dienstag hatte das Land Tirol erklärt, dass sich die Betroffenen zu beruflichen Zwecken in Tirol im Rahmen einer SkilehrerInnen-Aus-bzw. Weiterbildung in der Unterländer Gemeinde aufhielten.

Nun ermitteln auch die Behörden, ob alle Vorgaben bei dem Skiausbildungskurs, den die großteils britischen Staatsbürger absolviert hatten, eingehalten wurden. Dies gab Landesamtsdirektor Herbert Forster bei einer Pressekonferenz im Anschluss an die Regierungsklausur am Mittwoch bekannt.

Keine offizielle Ausbildung

Der Kurs sei über eine Skiakademie in Salzburg angeboten worden und habe nichts mit dem Tiroler Skischulgesetz zu tun, betonte Forster. Es habe sich also um keine offizielle Skilehrerausbildung gehandelt. Laut einem Bericht der "Tiroler Tageszeitung" (Mittwochausgabe) nahmen die Briten, die sich auch mit Hauptwohnsitz in Jochberg angemeldet haben sollen, hingegen an einem Vorbereitungskurs der "Ski Instructor Academy", einer privaten Firma mit Sitz im Salzburger Taxenbach, teil. Dort werde ein "legendäres Anwärter-Ski-Instructor-Programm" angeboten. Offenbar arbeite der Wiener Skilehrerverband eng mit dieser Akademie zusammen.

"Das ist ein Vorbereitungskurs, im wesentlichen ein Skikurs, um dann den nächsten Schritt in Richtung Ausbildung zu machen. Es handelt sich um ein nicht ganz hohes Niveau", meinte Tiroler Skilehrerverbands-Geschäftsführer Christian Abenthung über die private Konkurrenz. Der Tiroler Skilehrerverband habe jedenfalls eine Prüfung hinsichtlich der Berechtigung eingeleitet und werde seine Erkenntnisse bzw. seine Meinung der zuständigen Behörde übermitteln, so Abenthung.

Noch vor Landeverbot nach Österreich

Fakt ist, dass der letzte Brite am 18. Dezember über München nach Österreich eingereist war. Die Tiroler Behörden gingen also davon aus, dass sich die Briten rechtmäßig in Österreich aufhalten, zumal sie damals noch EU-Bürger waren. Auch das Landeverbot wurde erst später ausgesprochen und ein bestehendes Einreiseverbot habe es zu diesem Zeitpunkt noch nicht gegeben.

Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) zeigte sich wenig erfreut über die Umstände des Aufenthalts der großteils britischen Staatsbürger. "Es ist entbehrlich, dass solche angeblichen Ausbildungen derzeit stattfinden", sagte Platter. Zumal dies unter Umständen als Deckmantel für andere Aktivitäten genutzt wurde. Wenn die Abhaltung des Kurses rechtlich nicht in Ordnung war, sei "mit aller Schärfe" dagegen vorzugehen, betonte der Landeschef. Wenn es in Ordnung war, müsse man sich überlegen, an der Gesetzeslage etwas zu ändern.

Wo sich die 17 Personen angesteckt haben, konnte vorerst noch nicht geklärt werden. Es sei aber möglich, dass einer dieser Truppe bereits bei der Einreise infiziert war und diese Infektion dann an die restlichen Mitglieder der Gruppe weitergegeben hat, erklärte Infektiologe Günter Weiss.

Bisher nur negative Fälle in Jochberg

Das Gesundheitsministerium hatte nach Bekanntwerden der Verdachtsfälle kostenlose PCR-Tests für die gesamte Gemeinde zur Verfügung gestellt. Mit Stand Mittwochvormittag sind 191 Coronatests in der Gemeinde durchgeführt worden. Alle waren negativ, sagte der Leiter des Corona-Einsatzstabes des Landes, Elmar Rizzoli. Die möglicherweise von der Virus-Mutation Betroffenen seien zumindest noch bis Mittwochabend in Quarantäne, berichtete indes der Jochberger Bürgermeister Günter Resch (FPÖ).

Über eine mögliche Verlängerung sei er bisher nicht informiert worden. Die rege Testbereitschaft im Ort stimme ihn jedenfalls positiv. Über 80 Jochberger hätten sich am Mittwoch im örtlichen Kultursaal bereits testen lassen, sagte Resch am Vormittag.Die rund 1.500 Bewohner Jochbergs können sich seit Dienstag auf das Virus testen lassen.

„Empörung ist da"

"Es ist schon Empörung da, so etwas wünscht sich keiner", beschrieb Bürgermeister Resch die Stimmung im Ort: "All das kam äußerst überraschend.“ Kritik an der Causa kam jedenfalls auch von der SPÖ. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch sprach heute von einer "türkis-grünen Chaostruppe", die nichts aus den Vorfällen im Tiroler Ischgl gelernt habe. "Auch in der Causa Jochberg wurde beschwichtigt, es gibt viel mehr ungeklärte Fragen als Antworten", so Deutsch.

Landeverbot umgangen?

Er will zudem von der Bundesregierung wissen, ob es stimme, dass die österreichische Botschaft in London Tipps gegeben habe, wie das Landeverbot in Österreich umgangen werden könne. So hat die Botschaft in einer der APA vorliegenden Nachricht vom 8. Jänner an eine Österreicherin offenbar vorgeschlagen, eine Ausweichroute zu nehmen. Es sei zur Zeit möglich, "über Frankreich auszureisen, wenn ein neg. Covid-19-Test vorgewiesen wird und eine 'travel declaration' unterzeichnet wird", heißt es darin. Das Außenministerium distanzierte sich.

"Die zitierten Aussagen der Österreichischen Botschaft London sind nicht mit dem Außenministerium abgesprochen", betonte eine Sprecherin des Außenamts am Dienstag. "Es ist selbstverständlich nicht im Sinne des Landeverbots, dieses in irgendeiner Weise zu umgehen. Die Österreichische Botschaft London wurde ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, dies in ihrer konsularischen Unterstützungsarbeit für Österreicherinnen und Österreicher im Vereinigten Königreich auch künftig zu berücksichtigen.“ Für Österreicherinnen und Österreicher, die aus dem Vereinigten Königreich heimkehren wollten oder müssten, bestehe aber kein Einreiseverbot nach Österreich, betonte das Außenministerium weiter.

(APA)