Asyl

Die weiteren Abschiebe-Opfer

Der Asylbescheid wurde in letzter Instanz abgewiesen.
Der Asylbescheid wurde in letzter Instanz abgewiesen.APA/GEORG HOCHMUTH
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Der Vater war in Therapie, die Kinder kurz vor dem Schulabschluss und die Mutter hatte einen Arbeitsvorvertrag. Der Asylbescheid wurde in letzter Instanz abgewiesen.

Wien. Unter den drei Mädchen, die am Donnerstag abgeschoben wurden, war eine junge Armenierin, die demnächst die Matura hätte ablegen sollen. Ihr Bruder fürchtet wegen des drohenden Wehrdiensts um sein Leben.

„Gemeinsam mit der 20-jährigen Armenierin wurden auch die Eltern und der 16 Jahre alte Bruder der Schülerin außer Landes gebracht“, sagt Eva Velibeyoglu, die Anwältin der Familie. Der 16-Jährige befürchte nun, dass er in Armenien zum Wehrdienst eingezogen wird und damit sein Leben in Gefahr sei. Armenien war im Vorjahr mit dem Aserbaidschan in einen Krieg um die Region Berg-Karabach verwickelt, in dem mindestens 4700 Menschen starben.

Der Bursch war mit seinen Eltern im November 2013 als Zehnjähriger nach Österreich gekommen. Er absolvierte die Hauptschule und besuchte zuletzt die zweite Klasse einer Fachschule, die er im kommenden Jahr hätte abschließen sollen. Das Mädchen wurde im Mai 2016 als Minderjährige nach Österreich geholt und besuchte eine Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe. Die Schule hätte sie demnächst abschließen sollen, danach wollte sie Jus studieren. „Zu Armenien haben die Geschwister jegliche Kontakte verloren“, sagte die Anwältin Velibeyoglu am Freitag.

Am Montag festgenommen

Die Familie war auf Basis eines rechtskräftigen letztinstanzlichen Asylbescheids am vergangenen Montagabend in ihrer Wohnung in Wien Favoriten von der Fremdenpolizei festgenommen und ins Abschiebezentrum in der Zinnergasse gebracht worden. Eine Beschwerde gemäß Artikel 144 B-VG beim Verfassungsgerichtshof (VfGH) konnte die Abschiebung nicht verhindern: Donnerstagfrüh wurde die Familie nach Tiflis ausgeflogen. Der Vater soll sich zuletzt wegen einer Erkrankung in Therapie befunden haben, seine Frau hatte einen Arbeitsvorvertrag in der Tasche. (APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.01.2021)


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