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Nachruf

Prinz Philip ist tot: Der Mann an der Seite der Queen geht seinen letzten Weg

Queen Elizabeth II And Prince Philip
Ihre silberne Hochzeit feierten die Queen und Prinz Philip mit einem Ausflug im Umland ihres schottischen Landsitzes, Balmoral.Popperfoto via Getty Images
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Er war Königin Elizabeths Fels in der Brandung: Großbritannien trauert um Prinz Philip. Am 10. Juni wäre er 100 Jahre alt geworden.

London. Unbeugsam bis zum Schluss. So, und nicht anders, wollte er in Erinnerung bleiben: Als Prinz Philip am 16. Februar wegen „Unwohlseins“ in das Londoner King-Edward-VII.-Krankenhaus eingewiesen wurde, ließ er die Öffentlichkeit wissen, er habe das Spital „ohne Hilfe“ in aufrechtem Gang betreten. Seinen letzten Weg tritt der Ehemann von Königin Elizabeth II. nun alleine an: Nur kurz vor seinem 100. Geburtstag ist Seine Königliche Hoheit, der Herzog von Edinburgh, nun am 9. April 2021 auf Schloss Windsor gestorben. Großbritannien trauert.

Für die Queen war Philip in 74-jähriger Ehe nicht nur „Royal Consort“, königlicher Gefährte, wie der offizielle Titel lautet, sondern ihr Wegbegleiter im wahrsten Sinne des Wortes: „Wenn man sich völlig und rückhaltlos verliebt, dann erscheinen nicht nur alle persönlichen, sondern sogar die Sorgen der Welt klein und unbedeutend“, versprach er ihr einst vor der Verlobung. Das hat er wahr gemacht. Elizabeth war für immer der Mittelpunkt seines Lebens, und er der sprichwörtliche Fels in der Brandung.

Krisen gab es in einem gemeinsamen Leben von mehr als sieben Jahrzehnten mehr als genug. Das Jahr 1992 ging als „Annus horribilis“ in die royalen Annalen ein, als die Ehen der Kinder Charles, Andrew und Anne in die Brüche gingen und ein Feuer Schloss Windsor schwer beschädigte. Der Unfalltod von Lady Diana Spencer, der Ex-Frau von Thronfolger Charles, am 31. August 1997 versetzte die sonst so kühlen Briten in einen kollektiven emotionalen Ausnahmezustand und brachte das Königshaus ernsthaft ins Wanken. Zuletzt sorgte Sohn Andrew mit seinen Verbindungen zu den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein für Empörung, während Enkelsohn Harry der „Firma“, wie sich die britischen Royals gerne nennen, die Gefolgschaft aufgekündigt hat und nun aus dem selbstgewählten Exil in den USA die Volksseele mit Fernsehinterviews zum Kochen bringt.

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Die britische Königsfamilie verbrachte den Winter irgendwo zwischen Familienstreit und Staatskrise, und wir alle schauten gebannt zu. Wieso faszinieren uns die Royals noch immer?

Philip wurde 1921 auf Korfu als jüngstes Kind von Prinz Andreas von Griechenland und Dänemark und Prinzessin Alice von Battenberg geboren. Er hatte vier ältere Schwestern, die in späteren Jahren nach Deutschland heiraten sollten. Philips Familie musste nach dem Sturz der Monarchie 1922 aus Griechenland fliehen, bei der Flucht wurde der kleine Prinz angeblich in einer Orangenkiste transportiert. Mit wenig Bezug zu seinen Eltern - sein Vater lebte in Monaco, seine Mutter wurde wegen gesundheitlicher Probleme von Philip getrennt und wurde später Nonne - wuchs Philip zunächst in Frankreich auf, ehe er in Großbritannien die Schule besuchte, wo er Verwandte hatte. Er trat 1939 in die Royal Navy ein und verbrachte den Zweiten Weltkrieg im Dienst in der Marine.

Seine künftige Frau leistete damals ihren Beitrag zum Sieg über Nazi-Deutschland, wo ein Teil der Familie Philips lebte, an der Heimatfront, und lernte unter anderem Lastkraftzeuge zu fahren und zu reparieren. Elizabeth und Philip, die Cousins dritten Grades waren, begegneten sich erstmals im Jahr 1939. Sie war 13 Jahre alt und verliebte sich sofort in den schmissigen jungen Kadetten. Ein jahrelanger Briefwechsel beginnt. Nach Philips Rückkehr aus dem Fernen Osten im Jänner 1946 bittet sie ihren Vater um Erlaubnis, ihn zu heiraten.

Wirbel um Schwestern mit Nazi-Verbindungen

Dafür sind einige Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Am Hof begegnet man dem jungen Mann mit offener Feindseligkeit. Er muss sich von allen Titeln seiner Familie lossagen. Seine Schwestern sind wegen Nazi-Verbindungen personae not gratae (nicht, dass die Windsors nicht ebenfalls welche gehabt hätten). So dauert es bis zum 20. November 1947, bis Philip und Elizabeth schließlich heiraten dürfen. Am Morgen erhält er von King George VI. den Titel eines Duke of Edinburgh verliehen. Elizabeth entscheidet sich später, zwar nicht das Herrscherinnenhaus, dafür aber die Familie nach Philip zu benennen: Mountbatten-Windsor ist der private Doppelname der Familie, nach der englischen Version von Battenberg.

Das junge Paar zieht nach Malta, wo Philip ein Marinekommando übernimmt. Alles ändert sich mit dem frühzeitigen Tod des Königs, wodurch Elizabeth als Nachfolgerin in die Pflicht genommen wird. Fortan schreitet der stolze Korvettenkommandant ehrerbietig hinter seiner Frau hinterher, die ab nun in erster Linie Königin ist. Alles andere hat zurückzutreten.

Oct. 31, 1972 - Balmoral, England, U.K. - The elder daughter of King George VI and Queen Elizabeth, ELIZABETH WINDSOR (
Der ersten Generation der Mountbatten-Windsors wird nachgesagt, aus einem kühlen Elternhaus zu kommen. V. l.: Prinz Philip, Königin Elizabeth, Prinz Andrew (hinten), Prinz Edward, Prinzessin Anne und Prinz Charles auf dem Landsitz Balmoral in Schottlandimago images/ZUMA/Keystone

Patron von mehr als 800 Wohltätigkeitsorganisationen

Obwohl das Paar vier Kinder - Charles (*1948), Anne (*1950), Andrew (*1960) und Edward (*1964) - hat, wird das Elternhaus als kalt und unbarmherzig beschrieben. Frühzeitig werden die Nachfahren für ihre künftigen Aufgaben gedrillt. Insbesondere Thronfolger Charles kommt damit nicht zurecht. Philip reagiert, indem er das Regime verschärft. Dass Charles später öffentlich klagte, sich als Kind „nicht geliebt“ gefühlt zu haben, soll ihm Philip lange nicht verziehen haben. Ein Weichei zu sein, ist schlimm genug. Aber auch noch öffentlich zu klagen, ist für einen Royal ganz und gar ungebührlich.

Im Gegensatz dazu wird Philip ein enges Verhältnis mit den Enkelkindern nachgesagt. Erst im Februar und im März 2021 wurden er und Königin Elizabeth neuerlich Urgroßeltern, beide Urenkel wurden nach dem Prinzen benannt.

Ob Philip seinerseits mit dem Leben im goldenen Käfig immer glücklich war, darüber ist stets viel spekuliert worden. Nachdem er seine Marinekarriere auf den Nagel hängen hatte müssen, vertrieb er sich die Zeit unter anderem damit, dass er sich zum Piloten ausbilden ließ (wofür die Zustimmung der Regierung eingeholt werden musste), dass er leidenschaftlich zahlreichen Sportarten nachging und dass er in mehr als 800 Wohltätigkeitsorganisationen die Patronage übernahm.

„Er bringt sie zum Lachen“ 

Der Historiker Gyles Brandreth, der Elizabeth und Philip über 40 Jahren begleitet hat, sieht das Paar als perfekte Ergänzung zueinander. Er sei extrovertiert, sie sei zurückhaltend. Was sie am meisten an ihm schätzte? „Er ist ein Pragmatiker. Und er bringt sie zum Lachen.“ Das gelang Philip über Jahrzehnte auch im Umgang mit der Öffentlichkeit. Er war berüchtigt dafür, keinem Fettnäpfchen ausweichen zu können, ob er nun Studenten in China davor warnte, „Schlitzaugen zu bekommen“, einen Fahrschullehrer in Schottland fragte, wie er seine Schüler „lange genug vom Alkohol fernhält“, oder afrikanische Kunst mit dem „Gekritzel meiner Tochter“ verglich – lange bevor man über „political correctness“ sprach, brach Prinz Philip alle Regeln. Das Satiremagazin „Private Eye“ verzichtete darauf, ihn zu parodieren - mit der Begründung: Nichts könne die Wirklichkeit überbieten.

Mit fortschreitendem Alter sah Philip immer mehr aus, wie sein Charakter wohl war: knorrig, verwittert, gebeugt. Und auch unbeugsam und unveränderlich. Immer wieder musste er in den vergangenen Jahren wegen gesundheitlicher Beschwerden ins Krankenhaus, jedes Mal erholte er sich. Nachdem er auf dem königlichen Anwesen Sandringham in der Grafschaft Norfolk einen Autounfall verursacht hatte, bei dem wie durch ein Wunder niemand verletzt wurde, gab er mit 97 Jahren „freiwillig“ seinen Führerschein zurück. Ein Jahr zuvor - 2017, mit 96 - war Philip offiziell in Pension gegangen; er hatte seit 1952 allein 22.192 Solo-Termine absolviert. Seitdem lebte der Herzog von Edinburgh zurückgezogen in seinem Haus auf Gut Sandringham. Sei letzter öffentlicher Auftritt war im Mai 2019 bei einer Hochzeit in Windsor.

Öffentliche Zeichen der Zuneigung zwischen der Queen und dem Herzog von Edinburgh hat man nie gesehen. „Nicht in dieser Generation“, sagt Brandreth. Da war es fast schon eine intime Liebeserklärung, als die Queen zum 65. Hochzeitstag sagte: „Jeder weiß, dass Prinz Philip jede Art an Kompliment zurückweist. Aber während meiner ganzen Regentschaft war er eine ständige Quelle der Stärke und der Orientierung für mich.“ Nun muss Elizabeth in den letzten Tagen ihres eigenen Lebens ohne dieses Licht auskommen.