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Mitreden bei gewalttätigen Männern: Wo sind die Versäumnisse in Österreich?

Neun Frauen wurden in Österreich heuer schon von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. Es ist nur die Spitze des Eisbergs. Wie kann Gewalt gegen Frauen gestoppt werden? Diskutieren Sie mit!

Neun Frauen sind dieses Jahr in Österreich von ihren (Ex-)Partnern getötet worden. Jüngster Fall: Ein 42-jähriger erschoss seine ehemalige Lebensgefährtin in einem Gemeindebau in Wien. Die Tat erhielt unter anderem deshalb so viel Aufmerksamkeit, weil es sich beim Tatverdächtigen um den „Bierwirt“ handelt, der eine gerichtliche Auseinandersetzung mit der grünen Klubchefin Sigrid Maurer hatte. Viele stellen sich nun die Frage: Hätte die Bluttat verhindert werden können?

Fakt ist: Österreich hat ein Problem mit gewalttätigen Männern. Das zeigen nicht nur die Femizide. Bei körperlicher Gewalt an Frauen hat das Land eine der höchsten Raten in der EU, wie Daten der EU-Grundrechteagentur zeigen. Besonders betroffen sind junge Frauen. Warum?

Anklagen kommen unter anderem von den Autonomen Frauenhäusern: Erst wenn etwas sehr schlimmes passiere, werde gehandelt, kritisierte Geschäftsführerin Maria Rösslhumer. Gerade in letzter Zeit seien die Opferschutzeinrichtungen von politischer Seite "nicht gehört und nicht einbezogen worden". Diese fordern nicht nur mehr Geld, sondern auch eine Regierungskampagne, die sich auch gegen frauenverachtendes Verhalten richten müsse.

Die Gründe für Gewalt gegen Frauen sind vielschichtig. Psychiaterin Heidi Kastner meint im Gespräch mit Eva Walisch, Frauen würden mit Trennung und Zurückweisung kompetenter umgehen als Männer, hätten ein besseres Netzwerk.
Was in einem ersten Schritt helfen könnte, um sie vor Gewalt zu schützen? Die Stellen müssten besser miteinander vernetzt sein.

Das sieht auch Innenpolitik-Redakteurin Iris Bonavida in einem Leitartikel so. Doch die Problematik gehe noch viel tiefer, Frauen würden aus Angst vor den Folgen viele Angriffe gar nicht erst zur Anzeige bringen. Besitzergreifendes Denken, patriarchale Rollen seien oft tief in unserer Gesellschaft verankert, schreibt Bonavida - und „Gewalt schaukelt sich hoch, oft kündigt sie sich an.“ Daher müsse man auch auf die kleinen Warnzeichen achten, sie erst nehmen und nicht einfach beiseite wischen. Außerdem: „Viel zu lange hat sich die Debatte darauf fokussiert, worauf Frauen und Mädchen aufpassen sollen“ - nicht auf die Gewalt durch Männer.

Die Empörung darüber wurde zuletzt lauter, nicht nur in Österreich. In Großbritannien gingen etwa zahlreiche Menschen auf die Straße, nachdem eine Frau in der Nacht auf dem Heimweg getötet wurde. Sie protestierten auch deshalb, weil sie Fragen wie „Wieso bleibt sie denn solange aus, wenn es doch schon dunkel ist?“ nicht mehr hören können. Auch Außenpolitik-Redakteurin geht das Elisabeth Postl. Sie forderte in einem Kommentar: „Wir müssen über Männer reden“.

Und wie? Viel Nachholbedarf sieht hier der Universitätsprofessor Josef Christian Aigner. In einem Gastkommentar in der „Presse“ beklagte er Ende vergangenen Jahres die „sang- und klanglosen Verschwinden der 20 Jahre alten, unter Herbert Haupt (FPÖ) eingeführten Männerpolitischen Grundsatzabteilung im Sozialministerium“. Er sieht unter anderem ein Problem darin, dass „Gender“ zum größten Teil mit Frauenthemen assoziiert ist, während Männerprobleme (wie etwa der Rückstand von Burschen in der Bildung) oft marginalisiert werden. Aigner fragt sich: „Warum erweckt eine autonome Männerpolitik und -forschung, die ihre eigenen Theorien und Konzepte verfolgt, ohne andere zu verwerfen, von vornherein Misstrauen?"

(sk)

Diskutieren Sie mit: Was muss die Politik in Österreich tun, um Gewalt gegen Frauen zu verhindern? Welche Versäumnisse gibt es? Wie sollte eine moderne Frauen- und Männerpolitik aussehen?