Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Pandemie

Wiener Kinderpsychiater bringen Gefährdungsanzeige ein

Die Pandemie verschärft Belastungen.
Die Pandemie verschärft Belastungen.(c) APA/AFP/Belga/JAMES ARTHUR GEKIERE (JAMES ARTHUR GEKIERE)
  • Drucken

Der Personalmangel sei nicht mehr tragbar, kritisieren elf Ärzte der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Klinik Hietzing. Der Gesundheitsverbund kennt das Problem - in ganz Österreich.

Elf Ärzte der Kinder- und Jugendpsychiatrie in der Klinik Hietzing schlagen aufgrund der Überlastung - verschärft durch die Pandemie - Alarm. Die Medizinerinnen und Mediziner haben eine Gefährdungsanzeige eingebracht, um auf die Situation aufmerksam zu machen. Der Gesundheitsverbund bestätigte einen entsprechenden Bericht des „Kurier" vom Mittwoch. Man sei sich dieser Problematik bewusst. Erst im vergangenen Jahr wurden zusätzliche Posten gestellt.

Eine Überlastungs-, Strukturmängel- oder Gefahrdungsanzeige ist eine detaillierte Sachverhaltsdarstellung, mit der Vorgesetzte auf Probleme aufmerksam gemacht werden können. Diese sollte immer dann gemacht werden, wenn absehbar ist, dass die Arbeit aus eigener Kraft nicht mehr so geleistet werden kann, dass Schaden - wie im konkreten Fall auf Kosten der Gesundheit der Patientinnen und Patienten - bzw. arbeits- oder andere vertragliche Verletzungen ausgeschlossen werden können. So eine Anzeige haben nun aufgrund des Personalmangels und des massiv erhöhten Patientenaufkommens die elf Psychiaterinnen und Psychiater der Klinik am Areal des Rosenhügels erstattet.

„Situationen, die für alle Beteiligten fahrlässig sind"

Die Medizinerinnen und Medizinier weisen laut "Kurier" darauf hin, dass die Situation mit den bestehenden Ressourcen nicht mehr bewältigbar sei. "Wir wollen uns nicht länger in Situationen bringen lassen, die letztendlich für alle Beteiligten fahrlässig sind", zitierte die Zeitung aus der Anzeige. Man habe schon im Sommer auf die Engpässe hingewiesen, es sei jedoch keine Verbesserung erfolgt. Die Anzeigerinnen und Anzeiger fordern vom Management mehr Personal, sollte dies nicht möglich sein, wurde um Priorisierung ihrer Aufgaben - etwa bei der Akutversorgung - gebeten.

Der Gesundheitsverbund sei sich des Fachärztemangels auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendpsychiatrie bewusst. Das sei nicht nur in Wien so, sondern in ganz Österreich, hieß es. Erst am Montag legte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) eine Novelle der Ärzte-Ausbildungsordnung vor, mit der der Ausbildungsschlüssel geändert wird. Damit sollen die in der Pandemie sichtbar gewordenen Mangel an psychiatrischen und psychotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche begegnet und mehr Ärzte in diesem Bereich ausgebildet werden.

2021 zusätzliche Posten geschaffen

Bereits vor der Überlastungsanzeige wurden im vergangenen Jahr zur Entlastung an der Klinik "zusätzliche Dienstposten für die Fächer Pädiatrie, Allgemeinmedizin und den Bereich der klinischen Psychologie zur Verfügung gestellt", hieß es vonseiten des Gesundheitsverbundes. Zudem erfolgte im Vorfeld in den versorgungsrelevanten Berufsgruppen der Ärzteschaft, der Pflege bzw. des multiprofessionellen Teams, wie z.B. Psychologinnen und Psychologen oder Pädagoginnen und Pädagogen eine Aufstockung der Planstellen. Alle vorhandenen Ausbildungsstellen seien laut Gesundheitsverbund besetzt worden.

Um die Ärzteschaft in der Klinik Hietzing zu entlasten, wurde mit Juli 2021 eine zusätzliche Abteilung für Transitionspsychiatrie in der Klinik Floridsdorf mit 14 Betten für Jugendliche und junge Erwachsene geschaffen, hielt der Gesundheitsverbund fest. Allerdings ist dort die Lage scheinbar nicht besser. Dort sind auf der kinder-und jugendpsychiatrische Abteilung laut "Kurier" auch nicht alle Facharztstellen besetzt.

"Die Stadt Wien muss eine adäquate kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung endlich sicherstellen. Die Kapazitäten müssen ausgebaut und die Personalressourcen erhöht werden. Wie viele Hilferufe braucht es noch, bis man hier endlich tätig wird", meinte die ÖVP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec. Seit weit über zehn Jahren mahne die Wiener ÖVP entsprechende Reformen in diesem Zusammenhang ein. Nachhaltige Maßnahmen seien jedoch unterlassen worden.