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Klimawandel

IPCC-Bericht: „Risiken werden unterschätzt“

Der Regenwald ist eine der Weltgegenden, in denen sich der Verlauf des Klimageschehens entscheidet.
Der Regenwald ist eine der Weltgegenden, in denen sich der Verlauf des Klimageschehens entscheidet.(c) Day´s Edge Productions / WWF-US
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Europa kommt bei der Verringerung der Treibhausgas-Emissionen eine zentrale Rolle zu.

Die wesentlichen Weichenstellungen stehen noch bevor, obwohl längst bekannt ist, was geschehen müsse – diese Tatsache wird auch durch den dritten Bericht („Vermeidung des Klimawandels“) des „Intergovernmental Panel on Climate Change“ (IPCC) nicht im Geringsten abgeschwächt, sondern bestärkt. In einer Analyse der Ergebnisse, die das Climate Change Centre Austria (CCCA), erklärte Silvie Kreibiehl: „Die mit dem Klimawandel verbundenen Risiken werden noch immer untersachätzt.“ Kreibiehl, die auch jahrelang bei der Deutschen Bank tätig gewesen ist, hat für das Umweltprogrammn der Vereinten Nationen (Unep) am Collaborating Centre for Climate and Sustainable Energy Finance, am Kapitel 15 (Investment and Finance) als Coordinating Lead Author mitgearbeitet.

Es werde vielfach vergessen, dass selbst bei Erreichen des 1,5 Grad-Ziels Schäden auftreten werden. Das diesbezügliche Bewusstsein im Finanzsektor sei noch nicht dort, wo es sein sollte. Es stünde jetzt eine starke Umschichtung vor. In Europa müssten sich die Investitionen in klimafreundliche Maßnahmen „um den Faktor vier bis sechs erhöhen“, so Kreibiehl, noch immer fließt das meiste Geld in die Förderung von klimaschädlichen Investitionen. Kapital sei diesbezüglich kein Problem, „davon gibt es genug“. Außerdem zeigt sich auch deutlich, dass die Kosten für die Vermeidung von Treibhausgasen günstiger kommt, als bei althergebrachten Technologien zu bleiben und die Folgen zu sanieren. Entscheidend sei aber nicht nur Geld, sondern auch ein „klares und kräftiges Signal der Politik“.

Europa hat auch auf der internationalen Bühne eine zentrale Rolle – auch deshalb, weil es in den kommenden Jahren darum gehen wird, in den Ländern des globalen Südens klimaschonende Investitionen finanziell zu unterstützen. Zu bedenken sei dabei, dass „in diesen Regionen Kapital in weitaus geringerem Ausmaß verfügbar ist und außerdem diese Länder von den Flogen der Klimaänderung weitaus stärker betroffen ist.“ Das führe auch, so Kreibiehl abschließend, dazu, dass sich die Ratings der Staaten verschlechtern.

Keywann Riahi, Coordinating Lead Author im Kapitel 3 („Mitigation pathways compatible with long-term goals”) erläutert zur Gewichtung der unterschiedlichen Energie-Optionen, dass sich der Bericht auch mit der Atomkraft beschäftigt hat. Riahi, der am IIASA Programm-Director für Klima, Energie und Umwelt ist: „Die Klimaziele sind auch erreichbar ohne die Nuklearoption, allerdings zu höheren Kosten.“ Dabei ist anzumerken, dass das IPCC keine eigenen Studien anstellt, sondern sämtliches vorhandenes substantielles Material auswertet.

Deshalb musste – im Fall der Atomkraft – außer Acht gelassen werden, dass die nuklearen Folgekosten (Entsorgung, Unfälle) in den konkreten Betrieb eines solchen Kraftwerks nicht in vollem Umfang abgedeckt sind. Und Volker Krey, Lead Author im Kapitel 4 des IPCC-Berichts („Mitigation and development pathways in the near-to mid-term“), ergänzt: „Das IPCC gibt keinerlei Empfehlungen für eine konkrete Energieform ab. Das ist Sache der einzelnen Staaten.“

Forderungen an Bundesregierung

Unterdessen haben sich auch österreichische Umweltorganisationen zum Thema zu Wort gemeldet. Ihre Statements richten sich an die österreichische Bundesregierung. „Wir vermissen schmerzlich ein Energiewende-Paket der Bundesregierung, das uns von Öl und Gas befreit“, meint Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von Global 2000. „Bundeskanzler Karl Nehammer und die gesamte Bundesregierung sind aufgerufen, rasch das Erneuerbaren-Wärme-Gesetz zu beschließen, damit Öl- und Gasheizungen verbindlich auf klimafreundliche Heizungen ausgetauscht werden und die Energiewende hin zu Sonnen- und Windenergie und klimafreundlicher Wärmeversorgung an Fahrt aufnimmt.“ Weiters fordert Organisation die dauerhafte Absicherung von attraktiven Förderungen für Haushalte und Betriebe.

“Die österreichische Regierung hinkt ihren eigenen Klimaschutz-Ambitionen hinterher“, meint Jasmin Duregger, Klima- und Energiesprecherin bei Greenpeace in Österreich. Und weiter: “Der neue Bericht des Weltklimarats zeigt: Wir haben eine Chance, unseren Planeten zu retten - aber nur, wenn wir endgültig den fossilen Energieträgern den Rücken kehren. Kohle, Öl und Gas heizen unser Klima weiter an und befeuern kriegerische Konflikte, wie Putins Krieg in der Ukraine”, so Jasmin Duregger, Klima- und Energieexpertin bei Greenpeace in Österreich. Der Weltklimarat zeige ebenfalls die Lösungen auf, wie die Energiewende gelingen kann. Alleine das Ende klimaschädlicher Subventionen könnte die weltweiten Treibhausgase um bis zu zehn Prozent senken. In einer ersten Analyse der Ergebnisse weist Greenpeace darauf hin, dass ein Zehntel der Haushalte mit den höchsten Pro-Kopf-Emissionen 34 bis 45% von Treibhausgasen verursachen; zwei Drittel von ihnen leben in Industriestaaten. Auf das Konto der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung gehen lediglich 13 bis 15% der Treibhausgase.

Und Thomas Zehetner, Klimasprecher des World Wide Fund for Nature (WWF) Österreich, meint: „Ein Weiter-wie-bisher ist keine Option. Wir müssen die grenzenlose Zerstörung wertvoller Natur stoppen – denn sie sichert nicht nur unsere gemeinsamen Lebensgrundlagen, sondern ist auch unsere beste Verbündete im Kampf gegen die Klimakrise und das Artensterben“