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Millionengeschäft Streif muss über die Bühne gehen

(c) APA/ROBERT JAEGER (ROBERT JAEGER)
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Regen und Schneefall lassen Kitzbühel um den Abfahrtsklassiker bangen. Doch an eine Absage will noch niemand denken. Michael Walchhofers Start ist nach einem schwerem Unfall beim Super-G-Training indes fraglich.

Kitzbühel. Die 71. Hahnenkamm-Woche begann mit einer Absage. Bereits in den frühen Morgenstunden stand fest, dass am Mittwoch auf der Streif an ein Training nicht zu denken war. Im oberen Streckenteil gab es 15 Zentimeter Neuschnee, weiter unten weichte der Regen die Piste auf. Um den weiteren Programmablauf nicht zu gefährden, wurde die Streif wieder gesperrt, der Strecke wurde absolute Schonung verordnet.

Die Athleten nahmen die Absage gelassen, sie flüchteten nach Hinterreit zum Super-G-Training. Die Extraschicht wurde Michael Walchhofer zum Verhängnis. Der 35-jährige Salzburger, der heuer schon die Abfahrt in Lake Louise und Bormio sowie den Super-G von Gröden gewonnen hat, handelte sich gleich zwei Verletzungen ein. Walchhofer touchierte eine Stange, fädelte ein, krachte mit dem linken Knie dagegen. Die Stange verbog sich, schleuderte zurück – und traf den Kehlkopf mit voller Wucht.

Das Knie ist geschwollen, noch mehr Probleme macht der Hals. Michael Walchhofer hat Beschwerden beim Schlucken, tut sich beim Sprechen schwer. Der Einsatz des Ex-Weltmeisters in Kitzbühel ist fraglich, die ÖSV-Ärzte wollten keine Prognose wagen. Um den genauen Grad der Blessur diagnostizieren zu können, müsse man auf einen Rückgang der Schwellung warten.

 

6,5 Millionen Euro Budget

Am Ganslern tollten derweil Kinder, das Junior-Race bildet den traditionellen Auftakt der Gamsstadt-Festspiele. Die Kitzbüheler haben viel investiert in den vergangenen Jahren, schließlich muss das Spektakel weitergehen. Hätte man nicht ein zweites Wasserreservoir für die Beschneiung angelegt, womöglich hätte man nach dem Warmwettereinbruch die Weltcuprennen bereits absagen müssen. So aber präsentiert sich die Streif immer noch als weißes Band, Kunstschnee gibt es in Hülle und Fülle. Nur ist er weich und patzig, kurzum gefährlich. Da helfen dann auch die Schneekanonen, die trotz Nebelschwaden unschwer erkennbar sind, nicht. Vor 1993 hatte man nicht einmal das.

An eine Absage der klassischen Abfahrt will in Kitzbühel noch niemand denken. Das Budget der Hahnenkammrennen beträgt mittlerweile 6,5 Millionen Euro. Der Umsatz soll zwischen 35 und 40 Millionen betragen. „Aber die Basis der Veranstaltung“, betont Harti Weirather, der Vermarktungskünstler und Manager, „ist immer noch der Sport. Das muss auch so bleiben!“ Gegen höhere Gewalt sei man machtlos. Dagegen haben die Veranstalter eine Versicherung in Millionenhöhe abgeschlossen.

Allein das Investitionsvolumen der Bergbahn AG Kitzbühel hat im abgelaufenen Jahr rund 30 Millionen Euro betragen. Zwischen sechs und sieben Millionen stecken im Hahnenkamm-Bereich. „Denn wenn wir auf der Streif Schnupfen haben“, sagt Josef Burger, Vorstand der Bergbahn-AG, „dann haben wir im gesamten Bereich Lungenentzündung.“

Gefahr für junge Athleten

Die Wetterprognosen verheißen nichts allzu Gutes, aber immerhin sollen die Temperaturen weiter fallen. Das heutige Training wurde für 10.15 Uhr (ORF eins) festgelegt, das verschafft mehr Handlungsfreiheit und Flexibilität. Am Freitagtermin für den Super-G will man vorerst auch nicht rütteln. Ein Trainingslauf ist vor dem Rennen verpflichtend, für jüngere Fahrer wird das Abfahrtsabenteuer dann aber fast schon zum unberechenbaren Risiko. Vor allem, wenn sich über Nacht die Bedingungen ändern. Dann kann der Hahnenkamm zur halsbrecherischen Gefahr werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.01.2011)