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„Wir wissen, welchen Job wir machen“

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(c) APA/HANS KLAUS TECHT (HANS KLAUS TECHT)
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Klaus Kröll, der Sieger von Wengen und jahrelang Zimmerkollege von Hans Grugger, ist sich der Gefahr voll bewusst, die der Beruf des Abfahrers in sich birgt. Vor allem die gefürchtete Streif verzeiht keinen Fehler.

Die Presse: Nach dem Sieg in Wengen gelten Sie als einer der Topfavoriten für die klassische Hahnenkamm-Abfahrt. Wie schwierig ist es, sich nach dem schweren Sturz ihres Zimmerkollegen Hans Grugger auf so ein Rennen vorzubereiten?

Klaus Kröll: Es ist wirklich nicht einfach. Ich will damit mein Ausscheiden beim Super-G nicht entschuldigen, so etwas kann eben passieren. Aber es kommen einem natürlich so seine Gedanken. Wie wir diesen Tag erlebt haben? Beschissen war's, das muss man so sagen. Da stehen seine Sachen, die Taschen, das ganze Zeug im Zimmer, da ist es schon schwierig, dass man sich auf seine Aufgaben konzentriert. Aber irgendwie müssen wir auch mit solchen Situationen zurechtkommen. Wichtig war, dass es für uns in der Früh eine halbwegs positive Nachricht von Hans Grugger gegeben hat. Das haben wir alle gebraucht, das hat die Sache zumindest ein bisserl erleichtert. Wobei wir nur abwarten können. Wir sind genauso hilflos wie alle anderen.

 

Wurde in der Mannschaft das Thema Sicherheit erneut angesprochen?

Es bleibt dir als Rennläufer nichts anderes übrig, als diese bedauerlichen und schrecklichen Vorfälle auszublenden. Du musst dich dazu zwingen, dich auf die nächsten Rennen zu fokussieren. Wenn das nicht gelingt, dann stellt sich Verunsicherung ein. Wenn das passiert, dann ist es besser, du stößt dich gar nicht aus dem Starthaus ab. Didier Cuche wird recht haben, wenn er meint, die schnellste Fahrt ist immer die sicherste Fahrt. Die Streif wird immer die Streif bleiben, das heißt, sie wird immer gefährlich sein. Kitzbühel ist eben eine eigene Geschichte. Dieser Berg, diese Strecke, ein Mythos, etwas ganz Besonderes. Wir in der Mannschaft haben über Hans Gruggers Unfall nicht viel gesprochen, weil ohnedies alle an ihn denken. Wir waren doch alle sehr geschockt.

Sind das Momente, in denen man sich die Sinnfrage stellt?

Wir wissen, welchen Job wir machen und welches Risiko darin liegt. Aber man kann nicht in ein Rennen gehen und an Verletzungen denken. Du musst einfach voll da sein. Weil jeder kleinste Fehler brutal bestraft werden kann. Wir wissen, was alles passieren kann. Wir lernen in jedem Rennen, wir lernen bei jedem Sieg. Wenn ich einmal nicht bereit bin, etwas zu riskieren, dann kann ich nicht an den Start gehen.

Ihre Erinnerungen an Kitzbühel?

Meinen Sieg im Super-G werde ich nie vergessen. Diese Stimmung, die Siegerehrung – ein Wahnsinn. Das sind die Momente, warum wir uns quälen. Am nächsten Tag bin ich dann in der Abfahrt Dritter geworden. Trotz einer gebrochenen Hand. Emotional gesehen ist Kitzbühel das Größte – ist die Abfahrt das Größte.

 

Reicht das Selbstvertrauen für den Abfahrtssieg?

Es war immer schon ein Ziel von mir, einen Klassiker zu gewinnen. Wengen und Kitzbühel, das sind aber zwei völlig unterschiedliche Rennen. An Selbstvertrauen mangelt es nicht, ich bin gut in Form. Aber das sind andere auch. Wenn ich keinen Fehler mache, dann sollte ich ein Wörtchen um den Sieg mitplaudern. Aber in unserem Sport kann alles sehr schnell gehen. Wie schnell man ausscheidet, das habe ich selbst in Bormio erlebt. Dort wollte ich mit aller Gewalt gewinnen, das geht eben nicht. Mein WM-Ticket habe ich in der Tasche, ich kann eigentlich relativ ruhig an den Start gehen. Und im Zielraum werden meine Freundin und mein Sohn Tim stehen. Darauf freue ich mich schon gewaltig.

Zur Person

Klaus Kröll fährt seit zehn Jahren im Weltcup und hat drei Rennen gewonnen, zuletzt die Abfahrt in Wengen. Der 30-jährige Obersteirer ist der Zimmergenosse des am Donnerstag gestürzten Hans Grugger. [APA]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.01.2011)