Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

ORF: Stiftungsrat kürt Wrabetz' "Wunsch-Team"

Stiftungsrat kuert Wrabetz WunschTeam
Die ORF-Führungsriege: Amon, Zechner, Wrabetz, Grasl und Götzhaber(c) APA/ROBERT JAEGER (ROBERT JAEGER)
  • Drucken

Die vier zentralen Direktoren und neun Landeschefs wurden bestellt. Ausgerechnet die Stiftungsrats-Vorsitzende hat sich bei der Abstimmung über die Landesdirektoren der Stimme enthalten.

Die Entscheidung, wer den ORF unter Generaldirektor Alexander Wrabetz künftig führen wird, ist gefallen: Der Stiftungsrat hat auf Vorschlag von Wrabetz vier zentrale Direktoren und neun Landesdirektoren bestellt. Neben den bisherigen Direktoren für Hörfunk und Finanzen, Karl Amon und Richard Grasl, wurden Vereinigte Bühnen-Intendantin Kathi Zechner als neue starke Fernsehdirektorin sowie ORF-Zentralbetriebsrat Michael Götzhaber als Technischer Direktor bestellt. Mit Thomas Prantner soll es darüber hinaus in der Technischen Direktion einen Vizedirektor für Online und neue Medien geben. Im Vorfeld gab es etliche Kritik an politischen Absprachen rund um die Postenbesetzungen.

Kulovits-Rupp enthält sich der Stimme

Die Stiftungsratssitzung begann um 10 Uhr, kurz vor 13 wurde gewählt. Bei der Abstimmung über die zentralen Direktoren gab es eine breite Zustimmung: 34 Räte stimmten für Wrabetz' Vorschlag, allein Stiftungsrat Alexander Hartig hat sich enthalten. "Das ist das Team, das ich mir gewünscht habe", freute sich der Generaldirektor.

Eine Überraschung gab es hingegen bei der Abstimmung über die Landesdirektoren: Ausgerechet Stiftungsrats-Vorsitzende Brigitte Kulovits-Rupp hat sich - wie auch der Grüne Rat Wilfried Embacher sowie die beiden Zentralbetriebsräte Gerhard Moser und Christiana Jankovics - der Stimme enthalten. Kulovits-Rupp wurden Ambitionen auf den Direktorenposten im Burgenland nachgesagt.

Neue Gesichter für die Länder

Die Direktorenposten in den Bundesländern Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Oberösterreich und Kärnten wurden neu besetzt. Besonders die Bestellungen in Kärnten und Tirol wurden als politischer Postenschacher kritisiert: Im Süden wird Karin Bernhard, "Kärnten heute"-Chefin vom Dienst, Direktorin. Für eine schiefe Optik sorgte der Kärntner Landeshauptmann Gerhard Dörfler: Bereits am Dienstag hatte Dörfler die Bestellung Bernhards stolz verkündet. Sie gilt als BZÖ-Wunsch. Die FPK hätte Programmdirektor Martin Weberhofer favorisiert.

Widerstand gab es auch an der Bestellung von Helmut Krieghofer als Landesdirektor in Tirol. Der bisherige Stiftungsrat war früher ÖVP-Landesgeschäftsführer. Die Bestellung habe eine "fatale öffentliche Wirkung", so der Redakteursrat.

Auch Kritik an Wrabetz' Überraschungskandidat

Beim Grünen Stiftungsrat Embacher sorgte im Vorfeld nicht nur die Bestellung Krieghofers für Bauchweh. Embacher bezweifelte auch die Eignung von Radio-Moderator Markus Klement, der als Landesdirektor für Vorarlberg vorgesehen ist und laut Embacher weder über journalistische noch Personalführungs-Erfahrung verfüge. Klement ist mit seinen 36 Jahren der Jüngste in der Riege der Landesdirektoren.

Weniger umstritten sind die restlichen Wechsel: Salzburg übernimmt der aus Oberösterreich kommende ORF-Betriebsrat Roland Brunhofer, in Oberösterreich wurde der bisherige Tiroler Landesdirektor Kurt Rammerstorfer fixiert.

>>> Landkarte: Wer wo Direktor wird

Drei Landesdirektoren bleiben: Brigitte Wolf in Wien, Norbert Gollinger in Niederösterreich und Gerhard Draxler in der Steiermark.

Die neue ORF-Geschäftsführung tritt ihr Amt offiziell mit 1. Jänner 2012 an, die Funktionsperiode beträgt fünf Jahre.

Zechner: "Lust, einmal richtig Gas zu geben"

"Es ist ein sehr spannendes Heimkommen", sagte die designierte Fernsehdirektorin Zechner im Anschluss an die Sitzung. "Mit 48 habe ich Lust, einmal richtig Gas zu geben." Sie will im Öffentlich-Rechtlichen Quoten und Qualität bieten. "Das ist kein Widerspruch", so Zechner. Vielmehr sei die Quote Bedingung für Qualität. Für den fiktionalen Bereich will sie "mehr Geld", das habe sie mit Generaldirektor Wrabetz sowie dem Kaufmännischen Direktor Grasl, der künftig für die Programmausgaben zuständig sein wird, bereits vor ihrer Bestellung vereinbart.

"Es wird weiter gelten, ein Sparprogramm zu fahren. Aber ein differenziertes", kündigte Grasl seinerseits an. Er plant, in seiner Amtszeit neue Erlösquellen für den ORF zu finden. Technik-Direktor Götzhaber will einen Ausbau der TVthek und die Umsetzung einer Radiothek forcieren. Bei der Standortfrage, die ebenfalls in seinen Bereich fällt, wollte er sich nicht festlegen. Ob der ORF absiedeln werde oder am Küniglberg bleibe, müsse erst wirtschaftlich geprüft werden.

DIE NEUE FÜHRUNGSRIEGE DES ORF

  • Generaldirektor: Alexander Wrabetz (51), wie bisher

DIE ZENTRALEN DIREKTOREN

  • Fernsehdirektorin: Kathrin Zechner (48), bisher Vereinigte Bühnen Wien
  • Hörfunkdirektor: Karl Amon (61), wie bisher
  • Kaufmännischer Direktor: Richard Grasl (38), wie bisher
  • Technischer Direktor: Michael Götzhaber (45), bisher Technik, Betriebsrat, ORF-Stiftungsrat

LANDESDIREKTOREN

  • Landesdirektorin Wien: Brigitte Wolf (54), wie bisher
  • Landesdirektor Niederösterreich: Norbert Gollinger (54), wie bisher
  • Landesdirektor Burgenland: Karlheinz Papst (54), wie bisher
  • Landesdirektor Oberösterreich: Kurt Rammerstorfer (57), bisher Landesdirektor Tirol
  • Landesdirektor Steiermark: Gerhard Draxler (58), wie bisher
  • Landesdirektorin Kärnten: Karin Bernhard (49), bisher Chefin vom Dienst "Kärnten heute"
  • Landesdirektor Salzburg: Roland Brunhofer (44), bisher Betriebsratsvorsitzender ORF OÖ
  • Landesdirektor Tirol: Helmut Krieghofer (59), bisher Uniqa-Tirol, ORF-Stiftungsrat
  • Landesdirektor Vorarlberg: Markus Klement (36), bisher Radiomoderator ORF Vorarlberg

(APA/her)