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Metaller: Erst Streiks, dann „gutes Klima“

(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)
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Nach den Ausständen nahmen Gewerkschaft und Arbeitgeber am Montag wieder Gespräche über die Kollektivverträge der 165.000 Beschäftigen der Metallindustrie auf. Die Verhandlungen zogen sich über viele Stunden.

Wien/Juk/Hie. Mit Hochspannung wurden Montagnachmittag nicht nur das Ende, sondern bereits der Anfang der dritten Verhandlungsrunde um die Kollektivverträge der 165.000 Beschäftigen der Metallindustrie erwartet. Eine halbe Stunde später als angekündigt machten sich Vertreter von Gewerkschaft und Wirtschaftskammer zum Verhandlungssaal auf – umzingelt von Kamerateams und Journalisten.

Viel war passiert, nachdem die Verhandlungspartner vergangenen Mittwoch zum zweiten Mal ohne Ergebnis den Verhandlungstisch verließen. Zwei Tage Streiks, Interventionen von Gewerkschafts- und Wirtschaftskammer-Spitze und ein darauf folgendes geheimes „Sondierungsgespräch“ später liegen die Nerven einigermaßen blank.

"Wir haben die Streiks nur unterbrochen", betonte Metaller-Gewerkschaftschef Rainer Wimmer vor den Verhandlungen. Wenn es heute keine Einigung gebe, werde der Ausstand wieder aufgenommen. Dass dies nach einem neuerlichen Verhandlungsabbruch automatisch erfolge, wollte er jedoch nicht bestätigen.

"Toilettetascherl ist dabei"

Klar scheint nur: "Mit zwei Stunden werden wir heute nicht auskommen", sagte Wimmer am Montag. "Das Toilettetascherl haben wir immer dabei." Auch sein Pendant, Arbeitgebervertreter Christoph Hinteregger, rechnet damit, dass "wir nicht nur den Abend, sondern auch die Nachtstunden brauchen werden". Die Arbeitgeber – die zuletzt eine Erhöhung um 3,65 Prozent plus 200 Euro Einmalzahlung angeboten hatten – lobten das „konstruktive“ Klima bei den am Sonntag geführten Sondierungsgesprächen. Man werde sich in der dritten Runde „ganz klar“ um eine Einigung bemühen, sagte Hinteregger.

Insider hielten es zwar für wahrscheinlich, dass die Gespräche am Montag zu einer Einigung führen würden – auch in der Vergangenheit wurde in der dritten Verhandlungsrunde traditionell ein Kompromiss herbeigeführt.

Allerdings sind die Verhandlungen mit dem raschen Übergang zum Streik auch bisher von der Routine abgewichen. Die Verhandlungsparteien wollen sich vor den Kameras auf nichts festlegen. Die Gespräche könnten durchaus neuerlich ergebnislos verlaufen, hieß es unisono. Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe gab es noch kein Ergebnis.

Verhandlungen sind heuer härter

Die Gewerkschaft bekräftigte vor den Verhandlungen ihre Forderung nach 5,5 Prozent mehr Lohn. Diese hatte sie zu Beginn der Lohnrunde vor zwei Wochen postuliert und war bisher – zumindest öffentlich – keinen Zentimeter davon abgerückt. Die Arbeitgeber hatten ihr ursprüngliches Angebot von 3,1 Prozent Lohnerhöhung plus 200 Euro Einmalzahlung bereits nachgebessert.

Dass die Verhandler in der Metaller-Lohnrunde, die als richtungsweisend für die übrigen Branchen gilt, die Muskeln spielen lassen, ist nichts Neues. Heuer hat die Gewerkschaft allerdings zu wesentlich drastischeren Maßnahmen gegriffen als sonst: So blieben üblicherweise die zu verhandelnden Forderungen ein gut gehütetes Geheimnis. Heuer ging die Gewerkschaft mit konkreten Zahlen an die Öffentlichkeit. Noch vor Beginn der zweiten Verhandlungsrunde kündigte die Gewerkschaft an, sich provisorisch eine Streikgenehmigung zu sichern.

Um am Donnerstag nach dem zweiten Verhandlungsabbruch tatsächlich in einen Warnstreik einzutreten. Am Freitag wurden österreichweit rund 200 Betriebe bestreikt – die Gewerkschaft drohte mit einem unbefristeten Ausstand.

Doch nach Interventionen von Gewerkschaftspräsident Erich Foglar und Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl nahmen die Verhandler am Sonntag Sondierungsgespräche auf. Die für Montag geplanten Streiks wurden abgeblasen und die dritte Verhandlungsrunde von Donnerstag auf Montag vorgezogen.

Auf einen Blick

Eine neue Verhandlungsrunde eröffneten Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter in der Metallindustrie am Montagnachmittag. Die Gewerkschaft hatte in der Vorwoche gestreikt. Sie bleibt auch am Montag bei ihrer Forderung von 5,5 Prozent mehr Lohn. Die Verhandler erwarten Gespräche bis in die Nachtstunden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.10.2011)