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Wohngeschichten: Schnörkelfreier Stubengeist

Alpin ist die Anmutung, international der Einsatzbereich. Die Wiener Designer von stuben21 transferieren den Chalet-Gedanken in Londons beste Lage.

Mit einer guten Stube rechnet der gelernte Österreicher in den Alpen, vielleicht noch in Wien, sicher aber nicht mitten in London. Das heißt: mit maßgefertigten Vertäfelungen, raumteilenden Einbauten, einem robusten Tisch mit Fußleisten, eingekreist von Sitzbänken und Schemeln mit gegrätschten Beinen und einer massiven Küche. Vielleicht noch in Nussholz und von österreichischen Handwerkern gefertigt, ganz so, als gälte es, die moderne Version eines Bauernhauses auszustatten und nicht einen Wohnkomplex aus der späten Moderne der Dreißigerjahre.

Doch demnächst soll diese urbane Chalet-Idee in ein Londoner Apartment einziehen. Gerade haben Nicole Horn und Peter Daniel, die Designer der Wiener Möbelmanufaktur und Ideenwerkstatt „stuben21“, die Pläne zur Wohnung des britischen Bauherrn bekommen. Schon das Gebäude ist interessant, in dem dieses Urban Chalet Platz nehmen soll: Oslo Court wurde 1937 vom britischen Architekten Robert Atkinson geplant und befindet sich in nobler Lage, in St. John's Wood mit Blick auf den Regent's Park und Gastronomie im Haus.

„St. John's Wood hat durchaus etwas Rurales, London besteht ja aus einzelnen Villages. Wir bringen die Chalet-Idee in die Stadt“, sagt Daniel. Und meint nicht bloß die alpin anmutende Optik, sondern die Verbindung von Funktionalität und Behaglichkeit in einem offenen Raumkonzept. „Das Apartment wird ein Prototyp“, erzählt er, der sich vor allem auf kleinere Einheiten übertragen ließe. In einer Stadt, in der es viele Single-Bedroom-Apartments gibt und in einer Gesellschaft, die immer mehr Wohnraum für Alleinlebende nachfragt, sind kompakte Lösungen gefragt, um Raum zu gewinnen. Freilich: In einer klassischen Wiener Altbauwohnung im Gründerzeithaus braucht nicht jeder Zentimeter genutzt zu werden. Aber in einer 50-Quadratmeter-Immobilie? Diese gesamtheitlich zu planen – von der Wand bis zur Polsterung – steht in der Tradition der Wiener Moderne oder des Bauhaus.

 

Rurales in der Stadt

Lange beschäftigten sich Horn und Daniel mit dem Wesen der Stube: „Es zeigt sich, dass die Verquerung von Stadt und Land, von Regionalem und Internationalem stärker wird.“ Vielfach ist das Bild der Stube mit dem einfachen Landleben verbunden. „Doch eigentlich ist sie aristokratischen Ursprungs.“ Erst später fand sie Eingang in den bäuerlichen Hausgebrauch. „Stuben in Vorarlberg sind anders als in Tirol, in Südtirol anders als in Bayern. Wir haben versucht, die Essenz aus verschiedensten herauszudestillieren. Von der Idee her kommt die Stube aus dem Alpinen, doch wir haben sie abstrahiert.“

So abstrahiert, dass der Kontext, aus dem sie stammt, in einem anderen Kulturkreis gar nicht so relevant ist. Als sie im Vorjahr in London bei der Ausstellung „Homegrown – Handmade“ (im Rahmen der 100 % Design) ihre schnörkellosen Möbel zeigten, interessierten sich die Besucher vor allem für Material, Handwerk, Funktionalität. Der Hang der Briten zu Arts & Crafts bietet guten Boden: Zuletzt haben stuben21 gemeinsam mit dem Bauunternehmer Steve Mills ein Showhouse in Surrey konzipiert: draußen hölzerne Fassade, drinnen der gute Geist der Stube.

STUBE UND CHALET

Stube: einst ein adeliger Wohnraum, beheizt und Zentrum des Hauses. Chalet: ursprünglich ein traditionelles Holzhaus in den Schweizer Alpen. Designer: Seit 2003 arbeiten Nicole Horn und Peter Daniel (stuben21) an Stubenmöbeln und an Gesamtkonzepten von Urban Chalets. U. a. Gestaltung des Kitzbühel Country Club.

Veranstaltung:stuben21:gespräch zum Thema Genuss, 18. 2. in der Miele-Galerie in Wien. www.stuben21.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.02.2014)

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