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Wiens berüchtigster Sprayer gefasst

Die Presse
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„Puber“ verunstaltete halb Wien mit seinem Schriftzug. Seit fast einem Jahr wurde er von der Polizei gesucht. Selbst in der Graffiti-Szene galt der 30-jährige Schweizer als schwarzes Schaf.

Was haben sie nicht über ihn geflucht. Jene Wiener, die vom fast schon stadtbekannten Sprayer Puber betroffen waren. In schon krankhaftem Ausmaß hat der Sprayer sein Zeichen (in seinem Fall seinen Namenszug) auf Häusern in der ganzen Stadt verteilt, bevorzugt in und um den siebten Bezirk. Mal auf Hauswänden, mal auf Türen, mal größer, mal kleiner, und so unüberschaubar oft, dass sogar Zeitungen über sein Treiben berichteten. Kein Wunder, hielt sich Puber doch auch nicht an die gängigen „Regeln“, die es in der Graffiti-Szene gibt. Eine davon: Man sprüht nicht über die Kunstwerke von anderen. Puber hat das freilich wenig interessiert. Unter anderem hat er über das Werk von Roa, einem bekannten Street-Artist, in der Schadekgasse gesprüht, um nur einen Fall zu nennen.

Aggressiv und unberechenbar

In der Graffiti-Szene hatte er schon länger einen schlechten Ruf. Aggressiv und unberechenbar solle er sein, hieß es. Einer, der gerne mit Fäusten spricht. Die wenigsten wollte mit ihm zu tun haben – galt der gebürtige Schweizer doch als äußerst rachsüchtig. Das durfte nicht nur die Szene bemerken.
Als etwa Thomas Blimlinger, Bezirksvorsteher von Neubau, öffentlich das Treiben des Sprayers verurteilte (Puber hatte davor die Graffitis von Kindergartenkindern übersprüht), wurde flugs das Schild des Bezirksvorstehers beschmiert. Und als das Wiener Magazin „The Gap“ über sein „pubertäres“ Treiben berichtete, wurde das Redaktionsbüro verunstaltet. Ex-Stadtschulratspräsident und „Presse“-Kolumnist Kurt Scholz drehte den Spieß wiederum um: Er veröffentlichte in der „Presse“ einen offenen Brief an den Sprayer („Ich verachte Sie“). Der Sprayer hatte davor die Fassade seines Wohnhauses beschmiert.

Seit dem Sommer 2013 war Puber in Wien unterwegs, aber er konnte nicht gefasst werden. Dabei wurde sogar ein eigener Polizeibeamter zur Fahndung abgestellt. Bei ihm sollten alle Puber-Vorfälle zusammenlaufen.
Nun dürfte die Polizei endlich fündig geworden sein. Am Donnerstagvormittag, 10.30 Uhr, konnten die Beamten einen Mann im 15. Bezirk festnehmen, der verdächtigt wird, der gesuchte Sprayer zu sein. Wie das Magazin „Vice“ berichtet hatte, war die Polizei einem anonymen Hinweis auf den Verbleib des Sprayers gefolgt. Er sollte in einer WG im 15. Bezirk hausen. Als die Polizei am Donnerstag dort eintraf, erklärten die Mitbewohner, dass der Gesuchte nicht zuhause sei. Wenig später entdeckten die Polizisten ihn, als er sich auf dem Vordach des Hauses versteckte. Der 30-Jährige mit Schweizer Pass ließ sich widerstandslos festnehmen.

Kurz darauf fand die Polizei auch die Spray-Utensilien des Verdächtigen. Versteckt in einem offenen Kamin im Haus. Farbdosen, Skizzen, aber auch den Computer und das elektronische Tagebuch lagen darin. Genau diese Aufzeichnungen sind nun besonders wichtig: „Viele Sprayer halten in einem Tagebuch ihre Aktionen fest“, sagt Adina Mircioane, Sprecherin der Landespolizeidirektion Wien. Die Daten werden nun ausgewertet. Denn ob der Verdächtige die Taten auch begangen hat, ist unklar. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung. In den vergangenen Monaten hatte die Polizei vermutet, dass Puber nicht alleine agiere – die einzelnen Schriftzüge würden sich unterscheiden. Heute, Freitag, soll jedenfalls über eine mögliche U-Haft entschieden werden.

Bis zu fünf Jahre Haft

Puber, erzählen die Mitbewohner im „Vice“, hätte in den vergangenen Monaten sogar noch versucht, mit dem Sprayen aufzuhören. „Er machte wesentlich weniger als zuvor, aber ganz aufhören konnte er einfach nicht. Jeder neue Zeitungsbericht hat sein Ego gepusht.“
So oder so wird dem Mann nun schwere Sachbeschädigung vorgeworfen. Wird er deswegen verurteilt, drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft.

>> Bericht im "Vice"-Magazin