"No" zur Unabhängigkeit: Schottland bleibt britisch

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Eine Mehrheit stimmte für den Verbleib in Großbritannien. Das Land wird
sich dennoch verändern: Premier Cameron verspricht Schotten mehr Rechte.

Die schottische Unabhängigkeitsbewegung hat das Referendum am Ende doch deutlich verloren. Laut dem Endergebnis haben beim Unabhängigkeits-Referendum in Schottland 55,3 Prozent der Wähler gegen und 44,7 Prozent für die Loslösung von Großbritannien gestimmt. Die Wahlbeteiligung betrug knapp 85 Prozent. Insgesamt wurden mehr als 3,6 Millionen Stimmen abgegeben.

"Jedes Mitglied der Yes-Kampagne ist tief enttäuscht. Aber Schottland hat sich für immer verändert", erklärte die schottische Vize-Regierungschefin Nicola Sturgeon.

Die Meinungsumfragen vor der Abstimmung hatten wochenlang ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen beider Lager vorhergesagt, auch wenn die Gegner der Unabhängigkeit bis zuletzt in Führung lagen.

Die Schottische Nationalpartei von Ministerpräsident Alex Salmond konnte in ihren Hochburgen nach ersten Analysen nicht genügend Wähler mobilisieren. "Gut gemacht, Glasgow, unsere Commonwealth-Stadt, und an die Menschen von Schottland für solch eine unglaubliche Unterstützung", schrieb Salmond auf Twitter.

Well done to Glasgow, our commonwealth city, and to the people of Scotland for such a incredible support

— Alex Salmond (@AlexSalmond) 19. September 2014

Die Metropole Glasgow und die Stadt Dundee stimmten zwar mehrheitlich für die Abspaltung von Großbritannien. Glasgow, die mit rund 600.000 Einwohnern größte Stadt Schottlands, hatte mit 53 Prozent für die Unabhängigkeit gestimmt. Die Wahlbeteiligung war aber hier nicht hoch genug, um das Ergebnis aus anderen Regionen umkehren zu können. Die Hauptstadt Edinburgh ging mit 61 zu 39 Prozent an die "Nein"-Wähler.

Schlangen vor Wahllokalen

Bei einer insgesamt sehr hohen Wahlbeteiligung hatten sich am Donnerstag in Stoßzeiten lange Schlangen vor den Wahllokalen in den 32 Wahlbezirken Schottlands gebildet. Das Thema hatte die Bevölkerung in dem Fünf-Millionen-Einwohner-Land im Norden Englands monatelang elektrisiert.

Großbritannien wird sich nach dem Referendum in Schottland dennoch verändern. Premierminister Cameron hatte dem ohnehin bereits teilautonomen Schottland bis Frühjahr 2015 weitere Befugnisse versprochen. Gleichzeitig wurden Rufe vor allem aus englischen Regionen laut, ebenfalls mehr föderale Macht zugesprochen zu bekommen.

>>Kommentar: Warum die Schotten kalte Füße bekamen

Eine neue Kommission solle bis November einen Vorschlag über zusätzliche Entscheidungsgewalt bei Steuern, Ausgaben und Sozialem vorlegen, sagte Cameron Freitag früh in London. Auch die anderen Landesteile - Wales, Nordirland und England - sollen "eine neue und faire Lösung" erhalten, sagte Cameron. England hat - im Gegensatz zu Schottland, Wales und Nordirland - keine eigene Regionalversammlung. Das britische Parlament in London stimmt bisher über englische Fragen ab, auch Abgeordnete aus den anderen Regionen dürfen dabei mitwählen.

We have heard the voice of Scotland and now the millions of voices of England must also be heard. #IndyRef

— David Cameron (@David_Cameron) 19. September 2014

>> Diskutieren Sie mit im Themenforum zum Schottland-Referendum

(APA)

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