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Nach der Burgtheater-Operette setzt eine erfahrene Frau den Kurs

Karin Bergmann
Karin Bergmann(c) APA/EPA/ROBERT JAEGER (ROBERT JAEGER)
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Kulturminister Josef Ostermayer macht Interimslösung Karin Bergmann definitiv zur Direktorin bis 2019. Das ist eine vernünftige Entscheidung.

Sie persönlich brauche keinen Glanz, sagte Karin Bergmann, als sie am Dienstag im Burgtheater als neue Chefin für eine ganze Amtsperiode (und nicht nur für kurzes Krisenmanagement) vorgestellt wurde. Der Glamour gebühre den Künstlern. Ihr Auftritt mit dem Kulturminister aber war brillant inszeniert. Im eleganten schwarzen Kleid mit leichter Goldverzierung stand sie vor einer aus der Vogelperspektive geschossenen riesigen Fotografie des vollen Zuschauerraums ihres Theaters. Zuvor hatte der Kulturminister mit Bedacht die Entscheidung für die erfahrene Theaterfrau begründet – von 29 Interessenten schien sie ihm, der Findungskommission und dem Ensemble die beste zu sein. Tenor: Bergmann, wer sonst?

Es wäre zu wünschen, dass auch andere politische Entscheidungen in einer Krise so besonnen gefällt und durchgezogen würden. Man erinnere sich: Noch zu Jahresbeginn schienen maßlose Manager das Burgtheater in den Bankrott zu stürzen. Das Ensemble war in Aufruhr, etliche Fachleute wunderten sich, mit welchem Dilettantismus große Häuser, ja ganze Holdings geführt werden können. Seit Bergmann die Direktion leitet, scheint sich die Lage gebessert zu haben. Sie hat sich inzwischen vor allem stabilisiert.


Die neue alte Chefin erhält nun Gelegenheit, nicht nur die Aufräumarbeiten zu erledigen, sondern der Burg auch ihre eigene Handschrift zu geben. Was sie eloquent und gefasst an Programmatischem bei der Pressekonferenz von sich gegeben hat, lässt darauf hoffen, dass es dem Unternehmen bald wieder besser gehen wird. Bergmann versprach, tolle Regisseure wie Alvis Hermanis, Martin Kušej oder Andreas Kriegenburg wieder ans Haus zu holen, Talenten eine Chance zu geben und v.a. neben viel Klassischem unsere Dichter für Uraufführungen zu begeistern. Neue Autoren, neue Ästhetik? Her damit! Vielleicht sind auch Stars wie Jelinek oder Turrini am offenen Klima interessiert.

Bergmann ist von Geschichte beseelt, sie denkt an unsere Nachbarländer. Das ist politisch und wohl auch gut so. Wenn es selbst bei reduzierten Mitteln gelingt, mit solchen Namen, solchen Themen und dem immer noch hervorragenden Ensemble zu glänzen, dann hat sie ihre Aufgabe als Intendantin bereits erfüllt. Egotrips braucht sie nicht.

Die erste negative Reaktion kam aus dem Umfeld ihres glücklosen Vorgängers, Matthias Hartmann: Nur jemand, der tief im alten System verwurzelt sei wie Bergmann, könne bestmöglich das Interesse der Politik erfüllen, weitere Transparenz zu verhindern.

Ein kühnes Ablenkungsmanöver – Gerichte werden klären, welche Macher in den vergangenen Jahren in der Kontrolle versagt haben oder sogar Zudecker waren. Mit Frau Bergmann hat dieses System vermutlich wenig zu tun. Sie zeigt zudem seit gut einem halben Jahr, offenbar mit Geschick und Erfolg, wie man einen angeschlagenen Betrieb aus der Krise führt. Männer, die zuvor wesentlich mehr als sie an Gehältern und Gagen verdient haben, vermochten dies offenbar nicht. Die spielten stattdessen Operettenkapitäne auf der Titanic.


Die Neue muss es jetzt billiger geben– wegen der Altlasten des intransparenten Systems zuvor. Sie hofft darauf, dass die Zuseher den Sparkurs des Burgtheaters künstlerisch nicht merken werden. Das ist ein frommer Wunsch, der aber zum Teil auch deshalb in Erfüllung gehen könnte, weil das Ensemble engagiert hinter ihrem Kurs steht. Erleichtert, ja beinahe ausgelassen wirkten viele Burg-Schauspieler, die zuvor über die Entscheidung informiert wurden. Die Chefin wurde hochemotional begrüßt.

Für echten Erfolg braucht es etwas mehr. Der Kulturminister muss dafür sorgen, dass es auch bei den Bundestheatern zu einer budgetären Valorisierung kommt. Die Personalkosten sind nicht durch Wunschdenken in den Griff zu bekommen. Andeutungen dazu gab es bereits bei der Vorstellung gestern. Wenn für Ostermayer die Bundestheater nicht nur Zierrat sind, sondern ernste Anliegen, kann sich das auch für ihn letztendlich politisch auszahlen. Ein Kulturminister, der Kultur mag! So lautet tatsächlich die neue Bescheidenheit.

E-Mails an: norbert.mayer@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2014)