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Sänger und Chefs: Berühmte Sammler

Sänger und Chefs: Berühmte Sammler
Freddy MercuryEPA
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Was haben Freddy Mercury, John Lennon und Nicholas Sarkozy gemeinsam? Sie alle waren oder sind Briefmarkensammler. Porträt eines Hobbys abseits der Öffentlichkeit.

Wien. Einer der Bekanntesten ist in Frankreich zu Hause. Der ehemalige französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy ist Briefmarkensammler. Öffentlich wurde dies Tatsache, als Sarkozy einen eigenen Briefmarkensammelklub im Élysée-Palast gegründet hat. Den hatte es vorher nicht gegeben.

Zu seinen Lieblingsstücken sollen Marken über die Entente Cordiale (ein zwischen Frankreich und Großbritannien 1904 geschlossenes Bündnis) zählen, die er von Queen ElizabethII. bekommen hat. Außerdem soll ihm Arnold Schwarzenegger ein ganzes Lederalbum mit Marken geschenkt haben, als dieser noch Gouverneur von Kalifornien war. Für einen Philatelisten sei es von Vorteil, der Präsident zu sein. Sarkozys Sammlung werde durch all die interessanten Menschen, die er träfe, immer beeindruckender, zitierte 2009 die britische Zeitung „The Telegraph“ eine anonyme Quelle.

Sarkozy als Briefmarkensammler? Für viele mag diese Nachricht eine Überraschung sein. Und doch ist sie typisch für ein Hobby, das im 20.Jahrhundert weit verbreitet war, nun aber zunehmend in Vergessenheit gerät. Sammler gibt es viele, aber das Hobby wird abseits der Öffentlichkeit ausgetragen und meistens in Phasen. Man startet als junger Mensch, hört irgendwann damit auf und führt das Sammeln – im Idealfall – im Alter fort.

So hat etwa Sänger John Lennon von den Beatles in seiner Kindheit Briefmarken gesammelt. Inspiriert hat ihn dazu sein Cousin Stanley Parkes, der ihm ein Album geschenkt hat. Das Album gibt es heute noch. Lennon hat seinen Namen und die Zahl 800 hineingeschrieben, im Album selbst sollen aber nur 565 enthalten ein. Gesammelt hätte er Briefmarken von Briefen, die Verwandte aus Neuseeland geschickt haben, außerdem tauschte er mit Freunden, erzählte sein Cousin Stanley anlässlich einer Ausstellung des Albums im Jahr 2005 der „Washington Post“.

Besonders ernst dürfte Lennon sein Hobby aber nicht genommen haben. Zumindest hat er auf einer Marke die Köpfe von Queen Victoria and King George VI. mit Tinte verziert und den beiden einen Schnurrbart und einen Backenbart gemalt. Das Album gehört heute dem National Postal Museum in Washington.

Auch ein anderer Sänger hat in seiner Kindheit gesammelt. Freddie Mercury, seines Zeichens Sänger der Band Queen, ordnete Marken im Alter von neun bis zwölf Jahren Stück für Stück in sein Briefmarkenalbum ein. Inspiriert dazu dürfte ihn sein Vater haben. Das Album gehört seit 1993 dem British Postal Museum & Archive und enthält etwa Marken aus Osteuropa und seinem Geburtsort, Sansibar.

Präsidenten sammeln gern

Abgesehen vom französischen Ex-Präsidenten Sarkozy war übrigens auch der ehemalige US-Präsident Franklin D. Roosevelt begeisterter Briefmarkensammler. Ein berühmtes Foto zeigt ihn, wie er eine Briefmarke mit einer Lupe betrachtet. Dass Briefmarkensammeln mehr sein kann als ein Hobby, zeigt die Geschichte von Nazi-Jäger Simon Wiesenthal. Der bekennende Philatelist nutzte seine Kontakte zu Briefmarkensammlern, um Nazis auf der ganzen Welt aufzuspüren.

Abgesehen von bekannten Philatelisten gibt es heutzutage rund 300 Philatelistenvereine in der Alpenrepublik. Zusammen haben sie um die 13.000 Mitglieder. Briefmarken dürften freilich weitaus mehr Menschen sammeln. Nach wie vor sind es viele ältere Männer, die dem Hobby frönen – und Kinder. Der Verband Österreichischer Philatelistenvereine gibt aus diesem Grund immer wieder „Briefmarkenunterricht“ an heimischen Schulen. Zu den beliebtesten Sammelmotiven zählen laut Post übrigens Eisenbahnen und Schiffe.

Dachverband kam 1921

Geschichtlich gesehen hat sich das Briefmarkensammeln in Österreich Anfang des 20.Jahrhunderts zu einem Massenphänomen entwickelt. Der Dachverband, Verband Österreichischer Philatelistenvereine, wurde im März 1921 gegründet. 70 Jahre nachdem die erste Briefmarke in Österreich gedruckt worden war.

Auf ihr war der Doppeladler, das Wappen der Habsburger-Monarchie, abgedruckt. Erst 1860, also zehn Jahre später, gab es ein Motiv mit dem Kopf von Kaiser Franz Joseph. Vier Jahre davor, 1856, wurde die heute teuerste österreichische Briefmarke gedruckt. Die Zinnoberrote Merkur, eigentlich eine Marke, die zum Versand von Zeitungen benutzt wurde.

Auf ihr ist der Kopf des Götterboten Merkur abgebildet. Umrandet ist er von den Worten „k.k. Post – Zeitungsstämpel“. Die Zinoberrote Merkur ist vor allem deswegen so wertvoll, weil es von den ursprünglich 120.000 nur mehr 50 Stück gibt. Heutzutage ist sie 15.000 Euro wert. Kein Einzelfall. Es sind nicht die perfekten Marken, die zu den wertvollsten werden, sondern die fehlerhaften, raren Stücke.

Im Durchschnitt werden im Jahr rund 50 bis 60 neue Briefmarken von der Post ausgegeben. Sie werden vom Philatelie-Team in der Post entwickelt oder Ideen werden von extern herangetragen. Danach müssen die Motive von einer Kommission bestätigt werden. Was ein Motiv für eine Marke sein könnte oder welche Serien entwickelt werden, „das ist oft ein Geistesblitz“, sagt Claudia Lughammer vom Philatelie-Team der Post.

Serien seit 39 Jahren

Derzeit hat die Post 21 Serien laufen. Sie umfassen moderne Architektur in Österreich ebenso wie Österreicher in Hollywood oder Comicserien für Kinder. Die am längsten bestehende Serie ist „Moderne Kunst“, die seit 39 Jahren läuft. Begonnen hat sie 1975 mit Friedensreich Hundertwassers „Der Spiralbaum“. Pro Serie werden im Jahr ein bis zwei neue Marken herausgegeben. Sie unterscheiden sich nicht nur durch das Motiv, sondern auch durch ihre Produktion. „Wir haben etwa Stichtiefdrucke sowie Marken mit Silberfarbe“, sagt Lughammer. Es gebe aber auch welche mit Goldfarbprägung oder aus Porzellan. Wie jene der Wiener Porzellanmanufaktur Augarten, die heuer auf den Markt gebracht wurde (siehe Artikel rechts). Nächstes Jahr soll es außerdem eine Marke aus Leder geben. Je nach Produktionsart kosten die Marken im Schnitt 62 Cent bis vier Euro.

Wer die größte Briefmarkensammlung in Österreich hat (abgesehen von der eigenen Sammlung der Post AG), ist nicht bekannt, wohl aber, dass es ähnlich wie in Frankreich auch hierzulande Sammler gibt, die in der Öffentlichkeit stehen. So zählt etwa Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl zu den Philatelisten.

Auch zwei österreichische Kunstmäzene sind Briefmarkensammler. Der Welser Industrielle Heinz J. Angerlehner hat zu seinem 70.Geburtstag sein eigenes Museum in Thalheim bei Wels eröffnet. Angefangen hat seine Sammelleidenschaft mit Briefmarken, auf denen Werke von Miró oder van Gogh abgebildet waren.

Mittlerweile kann Angerlehner sich selbst sammeln. Die Marke „Museum Angerlehner“ in der Serie „Moderne Architektur in Österreich“ ist im September 2014 erschienen. Eine ähnliche Geschichte gibt es über das Museum Liaunig in Kärnten und seinen Gründer Herbert W. Liaunig, ebenfalls Industrieller und Kunstsammler. Auch er hat schon Briefmarken gesammelt (so wie übrigens auch Comics). Die Marke zum Museum Liaunig wird 2015 herausgebracht.

Ob der österreichische Bundespräsident, Heinz Fischer, Briefmarken sammelt, ist nicht überliefert. Anfangen könnte auch er. Zu seinem 70.Geburtstag bekam er eine Briefmarke mit seinem Konterfei von der Post geschenkt.

SAMMELKLUBS

In Österreich gibt es rund 300 Philatelistenvereine. Zusammen haben sie um die 13.000 Mitglieder. Briefmarken dürften freilich weitaus mehr Menschen sammeln. Es sind oft ältere Männer, die dem Hobby nachgehen – und Kinder. Der Dachverband ist der Verband Österreichischer Philatelistenvereine, er wurde 1921 gegründet. Zu den beliebtesten Sammelmotiven zählen übrigens Eisenbahnen und Schiffe.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.10.2014)