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Als ein Erdbeben einen See entleerte

NEPAL EARTHQUAKE AFTERMATH
KathmanduAPA/EPA/WILL OLIVER
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Einige interessante Fakten aus der reichen Geschichte des gebirgigen Landes.

Wer als Tourist am Flughafen von Nepals Hauptstadt Kathmandu aus dem Flieger steigt und über die weite Hochebene des Kathmandu-Tals blickt, weiß meist eines nicht: Dieses Tal, ein rundes Becken von etwa 950 km2 Fläche in gut 1400 Meter Seehöhe, war einst ein Gebirgssee.

Ein Erdbeben (der Sage nach ein buddhistisches Geistwesen) riss die Bergketten an der Südseite des Sees auf, so floss er hinfort und machte Platz für den Menschen. Wann das war, ist nicht klar bekannt. Am Nordrand des Beckens, bei Budhanilkantha, fand man 30.000 Jahre alte Siedlungsspuren, aber die Gegend dort geht schon ins Gebirge über, und so könnten es Reste einer Ufersiedlung sein. Weiter im Zentrum des Tals dürfte spätestens ab 700 bis 300 vor Christus gesiedelt worden sein; immerhin wird der buddhistische Tempel von Swayambhunath im Westen Kathmandus auf ein Alter von etwa 2500 Jahren geschätzt, er steht aber noch über der Ebene auf einem Hügel, allerdings nicht mehr ganz: Das jetzige Beben hat ihn schwer beschädigt.

Etwa 700 v. Chr. soll indischen Epen zufolge ein Fürst namens Elam im Tal das erste Königtum der Dynastie der Kiratas gegründet haben, auch im Rest des heutigen Nepals (147.000 km2) gab es Lokalfürsten. Die Menschen des Kirata-Reichs waren gute Handwerker und Baumeister, hier wurde die Pagode entwickelt, jene Form, die sich in weiten Teilen Südostasiens ausbreitete.

Weite Teile Nepals wurden lang, bis ins 14. Jahrhundert, von indischen Kriegerstämmen beherrscht. Dann bekriegten einander Lokalfürsten (bis zu 50), jener von Gorkha westlich Kathmandus setzte sich Mitte des 18. Jahrhunderts großräumig durch, noch bis etwa 1930 hieß Nepal offiziell Gorkha. Die Nachfahren dieses Königs Prithvi Narayan Shah, selbst indischer Abstammung, legten sich in ihrem Expansionskurs mit den von Süden andrängenden Briten an. 1814–16 gab es Krieg, den Letztere gewannen. Die Briten ließen die Lande der Bergvölker weitgehend intakt, das spätere Nepal bestand als Staat weiter; sie bedungen sich aber aus, dort Soldaten zu rekrutieren. Seither fochten diese Gurkhas in fast allen Kriegen der Briten in eigenen Einheiten auf deren Seite.

Lieber tot als feige. Die heutige Brigade of the Gurkhas zählt eine etwa 3600 Mann leichte Infanterie. Die Bergkrieger, deren Motto „Besser sterben als ein Feigling zu sein“ lautet, und die ein großes, geschwungenes Kampfmesser (Kukri) bei sich führen, sind ob ihrer Zähigkeit gefürchtet: In den letzten Tagen des Falklandkriegs im Juni 1982 ergriffen argentinische Fronteinheiten die Flucht oder ergaben sich, als sie erfuhren, dass Gurkhas anrückten.

Lexikon

Nepal ist mit etwa 147.000 km2 rund 1,8 Mal größer als Österreich und hat 27 Millionen Einwohner. Mehr als 40 Prozent der Landfläche liegen über 3000 Meter, es gibt im Süden an der Grenze zu Indien aber auch weite Tiefebenen. Zwar ist das buddhistische Erbe augenfällig, etwa in Form von Tempeln, 80 Prozent der Nepalesen sind allerdings Hindus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.05.2015)