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Streaming bis E-Books: Urheberrechte im digitalen Zeitalter

Grafik: Katrin Nussmayr
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Wo wird am meisten Musik gestreamt? Ist die Zeit des Filesharing vorbei? Welche Länder blockieren YouTube-Videos? Ein Blick auf die Zahlen.

Im Vorjahr kamen 46 Prozent der weltweiten Umsätze der Musikindustrie aus dem Online-Musikmarkt - fünf Jahre zuvor waren es noch 27 Prozent. 2003 bezeichnete IFPI, der Weltverband der Phonoindustrie, die digitalen Umsätze noch als "vernachlässigbar".

Das Wachstum der digitalen Musik-Umsätze ist vor allem auf ein Phänomen zurückzuführen: Streaming. Noch werden knapp über die Hälfte der Online-Umsätze über Downloads erwirtschaftet, die Streaming-Umsätze stiegen im letzten Jahr allerdings um 39 Prozent. Was die Nutzung betrifft, hat das Streaming die Downloads in vielen Ländern bereits eingeholt.

Nicht jeder ist allerdings glücklich mit den Geschäftsmodellen der Streamingdienste wie Spotify: Während die Phonoindustrie erklärt, dass bezahlte Streamingdienste geholfen hätten, einen Abwärtstrend bei den Musikumsätzen umzukehren, beschweren sich viele Künstler darüber, dass die Dienste sie nicht fair vergüten würden. Im November 2014 hat "The Trichordist", eine Webseite, die für Künstlerrechte eintritt, errechnet, wie viel einzelne Streamingdienste pro angehörtem Lied ausschütten: Bei Spotify waren das etwa 0,48 Cent pro Stream. Wird ein Lied also 1000 Mal angehört, bezahlt der Dienst 4,76 Euro.

Die Streamingdienste selbst argumentieren, dass Streaming den illegalen Musikmarkt eindämmt. In Norwegen etwa fiel der Anteil der Leute, die zugeben, Files illegal heruntergeladen zu haben, zwischen 2009 und 2014 von 80 auf vier Prozent (laut einer Befragung von IFO Norge). Es wird vermutet, dass das auf die steigende Beliebtheit von Streamingdiensten zurückzuführen ist. In Norwegen macht Streaming schon 65 Prozent des Musikmarkts aus.

Während die monatliche Datenmenge, die über Filesharing-Seiten übertragen wird, in Europa stetig weniger wird, wuchs sie in Nordamerika aber zwischen 2008 und 2014 um 44 Prozent an (laut Cisco Visual Networking Index).

Im Buchmarkt schreitet die Digitalisierung langsamer voran. Laut dem Wirtschaftsmagazin "Forbes" machen E-Books rund 30 Prozent aller Buchverkäufe aus - und 65 Prozent aller E-Books verkauft Amazon. PricewaterhouseCoopers schätzt aber, dass in den USA ab 2017 mehr E-Books als gedruckte Bücher verkauft werden.

Eine Herausforderung, die noch zu bewältigen ist: Die Lizensierung von digitalen Inhalten läuft in jedem EU-Land anders ab. "Der EU-Binnenmarkt muss endlich fit für das digitale Zeitalter gemacht werden", heißt es auf der Website der EU-Kommission, die die Abschaffung des Geoblocking fordert.

Nicht in jedem EU-Land sind die selben Online-Inhalte verfügbar, In Deutschland befindet sich etwa die Verwertungsgesellschaft GEMA in einem langjährigen Rechtsstreit mit YouTube, viele Musikvideos erfolgreicher Musiker sind dort gesperrt. Eine Studie von OpenDataCity hat gezeigt, dass von den 1000 meistgesehenen YouTube-Videos in Deutschland 615 gesperrt sind - in Österreich nur 11.

 

(kanu)