Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Studie: Was bringt Carsharing?

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
  • Drucken

7000 Fahrten erledigen Wiener täglich mit Carsharing. Mehr als fünf Prozent geben das Privatauto auf, ein Drittel nutzt die U-Bahn weniger.

Wien. Was leistet Carsharing für den Verkehr in der Stadt Wien? Spart es tatsächlich Platz, Abgase und Lärm? Die Stadt Wien hat die Nutzer der vier kommerziellen Carsharing-Anbieter in Wien (Zipcar, Car2Go, DriveNow und Flinkster, das es nicht mehr in Wien gibt) per Fragebogen befragt. Das Ergebnis: Ein Carsharing-Auto ersetzt in Wien laut Stadt Wien fünf private Pkw. Jährlich werden durch Carsharing 44 Millionen Fahrkilometer und 7000 Tonnen CO2 eingespart.

Im Detail zeigt die Studie allerdings ein differenzierteres Bild. Die meisten Nutzer haben Freefloating-Systeme wie Car2Go und DriveNow. Das heißt, das Auto kann überall im Geschäftsbereich der Firmen in der Stadt abgeholt und abgestellt werden. Die Anbieter sind aber eher im innerstädtischen Bereich tätig (manche äußeren Bezirke fehlen, oder weite Teile davon) – dort, wo die Dichte der öffentlichen Verkehrsmittel ohnehin hoch ist. Dabei wird das Carsharing-Auto am häufigsten (44 Prozent bei Car2Go, 42 Prozent bei DriveNow) genutzt, um zu einem Lokal oder Restaurant zu gelangen, gefolgt vom Besuch bei Freunden (33 Prozent DriveNow, 31 Prozent Car2Go). Im Gegensatz zum stationären Carsharing-Anbieter (in Wien ist das Zipcar), bei dem die Autos einen fixen Parkplatz haben und von 69 Prozent der Nutzer für Fahrten außerhalb der Stadt verwendet werden. Ein Drittel der Befragten, die das Freefloating-System nützen, gab außerdem an, durch das Carsharing weniger häufig die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen. 64 Prozent, also fast Zwei Drittel aller Freefloating-System-Nutzer, haben auch privat ein Auto, während es bei den stationären Carsharing-Nutzern nur 20 Prozent sind. Für Deutschland gibt es bereits eine Studie von Stefan Weigele und Friedemann Brockmeyer, die besagt, dass das Freefloating-System den Verkehr eher ankurbelt als reduziert. In Wien sieht man das anders:

Das Freefloating-Modell sei keine Konkurrenz zum öffentlichen Verkehr. Freefloating werde im Speziellen genutzt, wenn die öffentlichen Verkehrsmittel einen großen Umweg zum Ziel fahren würden, heißt es in dem Bericht. Täglich werden 7000 Carsharing-Fahrten durchgeführt, insgesamt gibt es 100.000 Carsharing-Nutzer. Fünf Prozent der Freefloating-Nutzer würden durch das Carsharing ihr Auto abschaffen, bei den stationären Carsharing-Nutzern seien es sieben Prozent. Die Stadt unterstütze Carsharing, betonte Stadträtin Maria Vassilakou (Grüne), die die Studie am Montag präsentierte. In Zukunft wird daher die Höchstparkdauer in Kurzparkzonen für Freefloater-Autos abgeschafft. Die Gebühren können pauschal entrichtet werden. (win)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.05.2016)