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Feuerpause in Syrien: Bei Damaskus wird dennoch gekämpft

In Syrien ist eine landesweite Waffenruhe in Kraft getreten
In Syrien ist eine landesweite Waffenruhe in Kraft getretenREUTERS
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Die syrische Regierung versucht, die Wasserversorgung der Hauptstadt Damaskus wiederherzustellen. In weiten Teilen das Landes hält die Feuerpause vorerst.

Nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus ist es trotz einer seit Mitternacht geltenden landesweiten Waffenruhe zu Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Aufständischen gekommen. In anderen Teilen des Bürgerkriegslandes schien die Feuerpause jedoch weiterhin zu halten. Dies bestätigten sowohl Rebellenvertreter als auch die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Letztere bezieht ihre Informationen aus einem weitverzweigten Netz innerhalb Syriens, ihre Angaben sind jedoch nicht unabhängig überprüfbar. Zunächst war auch unklar, wer die neuaufgeflammten Kämpfe begonnen hat.

Die Zusammenstöße, bei denen auch Kampfhelikopter eingesetzt worden seien, ereigneten sich demnach in einem von Rebellen kontrollierten Tal nordwestlich der syrischen Hauptstadt. Dort hatte die Armee kürzlich eine Offensive gestartet, um die seit einer Woche unterbrochene Wasserversorgung für Damaskus wiederherzustellen.

Die Feuerpause war unter Vermittlung Russlands und der Türkei zustande gekommen. Es gilt nicht für jihadistische Milizen. Auch in der Nähe einer christlich geprägten Stadt in Hama soll es zu Auseinandersetzungen gekommen sein. Hier sollen islamistischer Gruppen Regierungstruppen angegriffen haben. Beide Seiten lieferten sich heftige Kämpfe, die Soldaten mussten sich von einem Berg nahe Mahrada zurückziehen, wie die Beobachtungsstelle mitteilte. Demnach versuchten "kleine Rebellengruppen und bewaffnete Loyalisten", die Feuerpause zu stören.

In den meisten Landesteilen schien die Waffenruhe hingegen zu halten. Ein AFP-Korrespondent berichtete aus Ost-Ghouta, nach heftigen Luftangriffen und Schüssen am Donnerstag sei es später ruhig gewesen. Auch AFP-Reporter in Damaskus und Idlib berichteten, es gebe seit Mitternacht weder Gewehrfeuer noch Luftangriffe oder Zusammenstöße.

Bereit zur Aufnahme von Friedensverhandlungen

Die Einigung auf eine Feuerpause war am Donnerstag von Russland und Syrien verkündet worden, die syrische Opposition bestätigte die Maßnahme. Nach Angaben aus Moskau schlossen die syrische Regierung und die "wichtigsten Kräfte der bewaffneten Opposition" ein Abkommen. Demnach erklärten sich beide Seiten auch zur Aufnahme von Friedensverhandlungen bereit. Dem russischen Verteidigungsminister Sergej Schoigu zufolge unterzeichneten insgesamt sieben Oppositionsgruppen die Vereinbarung, darunter auch die mächtige Bewegung Ahrar al-Sham.

Von der Vereinbarung ausgenommen waren allerdings jihadistische Milizen wie die Organisation "Islamischer Staat" (IS) und die Kämpfer der früheren Al-Nusra-Front, die sich jetzt Fateh al-Sham-Front nennt. Der russische Präsident Wladimir Putin sagte dazu, sein Land werde den Kampf gegen den "Terrorismus" in Syrien fortsetzen. Zu Problemen könnte es allerdings in Gebieten wie Idlib kommen - dort sind die Kämpfer von Fateh al-Sham mit Rebellengruppen verbündet, die die Vereinbarung unterzeichnet haben.

USA und Türkei begrüßen Waffenruhe

Die USA und die Türkei begrüßten die vereinbarte Waffenruhe. Das US-Außenministerium nannte das Abkommen eine "positive Entwicklung". Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan bezeichnete die Feuerpause als "historische Gelegenheit und als Chance, die nicht verspielt werden" dürfe. Die syrische Führung selbst sprach von einer "wirklichen Gelegenheit" zur Lösung des bewaffneten Konflikts. Die in der Syrischen Nationalen Koalition (SNC) zusammengeschlossene Exilopposition mit Sitz in Istanbul rief alle Kräfte zur Einhaltung der Waffenruhe auf.

Ein Rebellenkommandant der Freien Syrischen Armee (FSA) zeigte sich zuversichtlich, dass der dritte Anlauf in diesem Jahr erfolgreich sein könnte. "Neu ist die internationale Beteiligung", sagte Fares al-Bayoush. Abmachungen im Februar und September waren nach wenigen Wochen gescheitert. Sie waren zwischen den USA und Russland ausgehandelt worden. Die neue Feuerpause geht dagegen insbesondere auf die Regierungen in Moskau und Ankara zurück. Die beiden Länder fungierten auch als Garantiemächte, teilte das Außenministerium in Ankara mit.

(APA/AFP/Reuters/dpa)