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Wiener Opernball

Tod von Ministerin überschattet den 61. Opernball

Bundespräsident Van der Bellen blieb nur bis zur Eröffnung.
Bundespräsident Van der Bellen blieb nur bis zur Eröffnung.APA (HELMUT FOHRINGER)
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Kanzler Kern bat mit Tränen in den Augen um eine Trauerminute für Sabine Oberhauser. Auch Präsident Alexander Van der Bellen war sichtlich betroffen: "Mir geht der Tod sehr nahe."

Mit Tränen in den Augen wandte sich Bundeskanzler Christian Kern Donnerstag spätabends unmittelbar vor der opulenten Eröffnung des Opernballs an das Fernsehpublikum, danach an die versammelten Ballgäste. Dieser Tag sei „auch ein großer Tag der Trauer“, sagte der Regierungschef in Gedenken an die verstorbene Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (für Kern war es der erste Opernball als Kanzler). Österreich habe „einen großartigen Menschen voller Lebensfreude verloren“. Aber Sabine Oberhauser hätte es wohl „gerne gesehen, wenn Menschen ihrer Lebensfreude Ausdruck verleihen“, ergänzte Kern. Dann bat er um eine Trauerminute.

Bundespräsident Van der Bellen, erstmals als Staatsoberhaupt am Ball, erklärte: „Mir geht der Tod sehr nahe.“ Und: „Meine Gedanken sind bei Sabine Oberhauser.“ Danach startete der Opernball in dementsprechend gedrückter Stimmung mit der offiziellen Eröffnung. Mit dem Debüt von Organisatorin Maria Großbauer ist eine besonders „opernnahe“ Ära des Opernballs angebrochen: Durch einen von der „Zauberflöte“ inspirierten „Zauberwald“ hatten die Besucher das Haus betreten – ein Novum wie manch anderes Gestaltungselement im Jahr eins nach der Ära Treichl-Stürgkh.
Überhaupt geriet der Ball in seiner 61. Auflage wieder einmal zu einer Nacht der Debüts und Debütanten, und zwar unabhängig von den Jungdamen und -herren, die ihrem Auftritt entgegengefiebert hatten. Und dabei durchaus auf Verständnis stießen.

Er könne sich noch gut an seine eigene Tanzschulzeit erinnern, meinte Jonas Kaufmann, der Star der Eröffnung und einer der Debütanten (er war noch nie auf dem Opern- und auch sonst auf keinem Wiener Ball). In München, das als eine der wenigen deutschen Städte selbst noch eine Balltradition pflege, habe es nach jedem Tanzkurs einen Abschlussball im Bayrischen Hof gegeben. „Natürlich in viel kleinerem Rahmen, aber trotzdem: „Wir waren alle furchtbar aufgeregt. Das kann ich sehr gut nachvollziehen, dass man da steht und zittert.“

Nicht ganz selbstverständlich ist auch für ihn ein Auftritt unter solch ungewöhnlichen Bedingungen. Normalerweise stehe er ja neben dem Dirigenten, da spüre man gemeinsam, was passiert. Auf dem Opernball, wo er weit entfernt vom Orchester in der Mitte der Tanzfläche singen muss, höre ihn die Dirigentin nur durch eine kleine Lautsprecherbox. Ein „Blindflug“ für beide, so Kaufmann, und Grund für ein „Riesenkompliment“ an Speranza Scappucci dafür, „wie sie das schafft, den Laden zusammenzuhalten“. Auch die Italienerin, die für den erkrankten Semyon Bychkov eingesprungen ist, kann man quasi als Premiere verbuchen: Noch nie zuvor hat eine Frau das Ereignis dirigiert. Es sei „eine große Ehre“, versicherte sie. Sanft mit Rollenbildern spielte auch die Polonaise zu „Eugen Onegin“: Nicht die Damen, sondern die Herren trugen gemäß Choreografie die Blumen – ein versilbertes Röslein, das am Ende freilich doch die junge Dame überreicht bekam. Wer das Souvenir mit nach Hause nehmen durfte, blieb den Paaren überlassen – mitunter, so war zu hören, durfte es der Herr behalten, haben die Jungdamen des Jahres 2017 ohnehin eine von Karl Lagerfeld entworfene Tiara als Erinnerungsstück. Apropos: Kommt er – oder kommt er nicht? Diese Frage hatte sich im Vorfeld niemand zu beantworten getraut. Bis zuletzt war offen, ob Lagerfeld, der am Donnerstag plangemäß bei der Fendi-Schau in Mailand erwartet wurde, am Abend gen Wien steuern würde (wobei er bei der Wahl seines Transportmittels nicht auf Linienflüge angewiesen sein soll).

Ziemlich sicher galt dagegen der Besuch von Anna Netrebko – von ihr erfuhr man schon im Vorfeld, dass sie in Chopard-Schmuck und einem Oscar-de-la-Renta-Kleid kommen wird. Und so war es auch: „Gott sei Dank muss ich nicht singen“, meinte sie entspannt. Souverän gab sich im Rahmen ihres Besuchs Goldie Hawn. Ja, es gebe eine tiefe Kluft zwischen „Menschen, die viel haben, und denen, die nichts haben“, bestätigte sie, als zwei Aktivisten zuvor eine Pressekonferenz zu stören versuchten. 30 Jahre nach der ersten Opernball-Demo (1987 wurde gegen den bayrischen CSU-Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß protestiert, der damals den Bau der atomaren Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf betrieb) und nach vielen Jahren Pause wurde heuer wieder eine Demonstration angemeldet, zu der letztlich nur um die 200 Personen kamen. Das Motto der Demo war schon 1989 verwendet worden: „Eat the Rich“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.2.2017)