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Spendenaktion hilft Bebenopfern in Haiti

(c) AP (Javier Galeano)
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„Presse“-Leser helfen mit ihren Spenden bei der ärztlichen Betreuung der Bebenopfer in den Camps. Bisher sind Gelder in die Erstversorgung der Opfer geflossen.

Wien/Port-au-Prince. Als die elfjährige Vanessa mit ihrer acht Monate alten Schwester auf dem Arm zur Krankenstation kam und Medizin verlangte, wollte die Ärztin ihre Mutter sprechen. Vanessa erklärte, dass sie allein für ihre kleine Schwester sorge, denn kein anderes Familienmitglied habe das Erdbeben überlebt.

Vier Wochen nach dem Beben der Stärke 7,0 auf Haiti geht in der zerstörten Hauptstadt Port-au-Prince das Leben weiter. Geschäfte und Banken haben wieder geöffnet, auf den Märkten wird Obst und Gemüse verkauft. Für viele Haitianer ist aber nichts mehr so wie früher. Vanessa und ihre kleine Schwester haben Unterschlupf in einem improvisierten Camp im Viertel La Saline gefunden. Dort kümmern sich die Frauen rührend um die Waisen, berichtet Fredy Rivera vom Hilfswerk Austria International. Er ist kurz nach dem Beben von Wien nach Haiti geflogen, um die Aktionen der Hilfsorganisation vor Ort zu koordinieren.

Schon vor dem Beben unterstützte das Hilfswerk Gesundheitszentren in Port-au-Prince. Daher konnten die Mitarbeiter der Partnerorganisation CDS auch sofort mit der Versorgung der Bebenopfer beginnen, als noch kaum andere Hilfsorganisationen im Karibikstaat waren. Teams von Ärzten und Krankenschwestern haben ihre Arbeit direkt in den Zeltstädten aufgenommen, die sich rund um die Gesundheitszentren gebildet haben.

„Die Menschen in den Camps haben sich binnen kurzer Zeit selbst organisiert“, berichtet Rivera von seiner Arbeit in Haiti. „Die Frauen schauen, dass das Leben weitergeht“, sagt Rivera. Sie kümmern sich um die Versorgung der Verletzten, um die Kinder und kochen im Camp. Die Jugendlichen versuchen, zerrissene Familien wieder zusammenzubringen, und durchkämmen dazu die Camps der Stadt. Sie beschaffen auch Nahrungsmittel und bauen aus Ästen und Leintüchern notdürftige Behausungen auf. In der bevorstehenden Regenzeit – die sich schon durch erste tropische Regenfälle angekündigt hat – werden diese aber nicht ausreichend Schutz bieten. „Was wir jetzt brauchen, sind Planen und Zelte“, erklärt Fredy Rivera.

 

Landwirtschaftliche Projekte

Bereits vier Tage nach dem Beben hat die „Presse“ gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Österreich, dem Wirtschaftsministerium sowie der Industriellenvereinigung eine Spendenaktion gestartet. „Presse“-Leser unterstützen das Hilfswerk Austria International beim langfristigen Wiederaufbau des zerstörten Landes.

Bisher sind Gelder in die Erstversorgung der Opfer geflossen. Die Gesundheitszentren in Port-au-Prince haben sich zu wichtigen Anlaufstellen für die Bevölkerung entwickelt.

In den nächsten Wochen will das Hilfswerk mit einem landwirtschaftlichen Projekt im Norden des Landes beginnen. Auch dafür kommen Gelder aus Österreich. Weitere Pläne umfassen den Wiederaufbau einer Schule im Armenviertel Cité Soleil in der Hauptstadt sowie den Ausbau der mobilen Gesundheitsteams zur Nachbetreuung der Bebenopfer.

„Außerdem wollen wir mit der Registrierung der Waisenkinder in den Camps beginnen“, erklärt Rivera. Nicht alle werden in Waisenhäusern betreut. „Viele wohnen bei ihren Verwandten oder auch allein.“ So wie Vanessa und ihre Schwester. Für diese Kinder werden spezielle Programme entwickelt, um ihnen auch zu Hause helfen zu können.

„Derzeit sieht man die Zerstörung auch in den Herzen der Menschen“, so Fredy Rivera. „Aber die Frauen in Haiti schauen schon vorwärts.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.02.2010)