Porträt

Die Leichtigkeit, in der IT zu arbeiten

(c) KLACZAK_BARBARA

Stefanie Kaiser ist 28 Jahre jung, hat einen Lehrabschluss und sagt von sich, Österreichs erste Frau als Chief Operating Officer der IT-Branche zu sein. Und dass der Job gar nicht so schwer sei.

Ihr Business-Porträt gleicht einem Instagram-Profil. Ihre Sprache ist entzückend bodenständig. „I mechat eana a wengerl wos herzagn“, sagt die Linzerin über ihre Kunden. Studium? Profunde IT-Erfahrung? Es geht viel leichter. Wenn man es sich nicht mit zu viel Herumhirnen schwer macht.

Genau darum geht es in diesem so einfachen wie richtungsgebenden Porträt. Frauen denken zu viel über Wenn und Aber nach. Suchen Hindernisse, wo keine sind. Es ist alles viel leichter.

Stefanie Kaisers (28) Arbeitgeber heißt Blue Shield Security. Kein Start-up, das betont sie, sondern ein vier Jahre altes („Aber geforscht wird schon viel länger!“) eigentümergeführtes KMU mit 36 Mitarbeitern. 26 davon sind Entwickler, vier Techniker, „leider“ alles Männer. Diese schützen die Organisationen ihrer Kunden mit Big Data, Machine Learning und künstlicher Intelligenz vor Malware, Phishing, Command and Control Traffic, Crypto Mining und Zero Day Malware. Man muss nicht im Detail wissen, was das ist. Es geht um IT-Sicherheit.

Werdegang einer COO

Die IT fand Kaiser schon mit 15 Jahren zukunftsträchtig, „weil wir sie immer mehr brauchen werden“. Sie wollte eine Lehre als Großhandelskauffrau machen, das stand fest, insistierte aber auf einem technischen Betrieb. Dort suchte sie etwa im Lager Serverteile für die Kunden zusammen. Was sie nicht wusste, las sie in Datenblättern nach, bis sie es eben wusste. Reichte das nicht, fragte sie die Techniker. Ihr Wissen wuchs mit jedem Tag. „Learning by doing“, übersetzt sie mit ihrem wundervollen Akzent. IT muss man nicht studieren. Man muss sie nur machen.

Eigeninitiative heißt: „Hinsetzn und sich mit dem Thema auseinandersetzn.“ Und Ehrgeiz, den sollte man haben. Der ist wichtig. Von Ehrgeiz redet sie oft, „oba den hobn Fraun jo“.

In der Lehrzeit lernte sie ihre beste Freundin kennen, eine IT-Technikerin. Noch fühlen sich die beiden ein wenig als Exotinnen in der Branche, aber das werde sich ändern, meint sie. Weil Frauen ehrgeizig seien (einmal mehr) und organisiert und man sich auf sie verlassen könne. Das sage jedenfalls ihr Chef über sie. Und das treffe auf die meisten Frauen zu. Mehr brauche es für den Job nicht.

„Des Gspräch suachn“

Vor zwei Jahren stieg Kaiser als Büroleiterin bei Blue Shields ein. Seit vier Monaten ist sie Chief Operating Officer, „operative Managerin sozusagen“, übersetzt sie. Sie ist weder IT-Technikerin noch Programmiererin, aber sie kennt sich in vielen Bereichen gut aus. Es werden täglich mehr. Geht doch.

Bittet man sie, ihren Job zu beschreiben, erzählt sie von sonnenklaren Abläufen. Ein Interessent ruft im Office an und wird zu ihr durchgestellt. Sie spricht mit ihm und verbindet ihn dann mit dem richtigen Vertriebler. Wer einmal Kontakt mit ihr hatte, will ohnehin nicht mehr weg. Sie findet den richtigen Tonfall. Man nennt es Empathie, aber dieser Begriff stammt nicht von ihr. Von ihr kommt, dass Kunden, mit denen man viel redet, sich gut betreut fühlen. „Bindung ist wichtig“, sagt sie. Schon wieder so eine weibliche Stärke.

So schaltet sie intern zwischen Vertrieb, Technik, Marketing, Auftragsabwicklung und Personalbereich und extern zwischen Partnern und Retailern hin und her. Frauen könnten das, sagt sie mit ihrer rauchigen Stimme. Einmal pro Woche sitzt sie mit ihren Technikern zusammen und bespricht jeden einzelnen Fall. Es gibt ein Ticketsystem mit Deadlines, da rutscht keiner durch. Man spricht auch darüber, wo es hakt, „des Gspräch suachn wehrt vüle Brösel ab“. Es verhindert auch „angfressene Kunden“. 712 Millionen Angriffe allein mit Schadsoftware dokumentierte das System im zweiten Halbjahr 2018, ganz schön viele. Aber passiert ist nichts. Die Kunden sind zufrieden, aber sie sagt ihnen auch, „100 Prozent, des kaun afoch kana garantieren“. So einfach, so klar.

Nur hineinspringen

Seit vier Monaten trägt sie also den prestigeträchtigen Titel COO, „als einzige Frau in Österreich“. Ob das stimmt oder nicht, ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass ihr die Rolle taugt und dass sie noch eine Weile dranbleiben will.

Da ist sie wieder, die Leichtigkeit der IT. Kein Zaudern, kein Zögern – nur hineinspringen. [PIWIU]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.06.2019)