Bodenverbrauch

Seit 2001 gesamte Ackerfläche des Burgenlands verbaut

DEU Deutschland Baden Wuerttemberg Ehingen 04 08 2019 Kraene im Liebherr Werk Ehingen *** DEU G
Österreich ist vom 2,5-Hektar-Zielwert noch weit entfernt.imago images / Arnulf Hettrich

Die Statistik Austria hat die Flächeninanspruchnahme in unserem Land untersucht. Deren kontinuierlicher Anstieg wird unsere Umwelt vor große Probleme stellen, lautet das Fazit.

Die Statistik Austria hat sich auch heuer wieder gefragt: „Wie geht’s Österreich?“ Die Antwort lautet: Wir haben uns Lebensqualität und Wohlstand auf Kosten der Umwelt erkauft. Der Schlüsselindikator für die Dimension Umwelt, die Flächeninanspruchnahme, zeigt, wie sich die Flächennutzung für Bau, Verkehr und sonstige Zwecke wie Freizeit entwickelt. Demnach habe die verbaute Fläche von 2001 bis 2018 um 26 Prozent zugenommen, so Statistik-Austria-Chef Konrad Pesendorfer. Das entspricht 1.170 km² oder umgerechnet rund 2,8 mal die Landesfläche Wiens oder beinahe der gesamten Ackerfläche des Burgenlands. Die österreichische Bevölkerung wuchs im gleichen Zeitraum um 9,9 Prozent.

Als folgenschweres Umweltproblem ortet Pesendorfer die fortschreitende Bodenversiegelung, also die Abdeckung des Bodens durch wasserundurchlässige Schichten. Der Anteil der versiegelten Flächen an den Siedlungs- und Verkehrsflächen in Österreich betrug 2018 41,2 Prozent. Der kontinuierliche Anstieg der Flächeninanspruchnahme werde von einem unabhängigen Bewertungsteam als deutlich negativ erachtet, so der Statistik-Austria-Chef.

Lebensmittelversorgung gefährdet

Auf offene Ohren stößt Pesendorfer mit der Warnung bei der Österreichische Hagelversicherung, die bereits seit Jahren vor den fatalen Auswirkungen des unkontrollierten Bodenverbrauchs in Österreich warnt. Durch den Verlust von Boden (im Schnitt der letzten 10 Jahre 20 Hektar oder 30 Fußballfelder pro Tag) gefährden wir die bereits jetzt sinkende heimische Lebensmittelversorgung und tausende Arbeitsplätze, erklärt Kurt Weinberger, Chef des heimischen Versicherers, in einer Aussendung. Durch den unkontrollierten Wildwuchs sieht er Österreich als attraktives Tourismusland. Weinberger weist auch auf das Risiko weiterer Wetterextreme, wie Hochwasser und Überschwemmung, hin. Ein  Horrorszenario malt er im Zusammenhang mit der Lebensmittelversorgung, wo Österreich laut einer AGES-Studie bis 2060 bei gegenwärtiger Entwicklung des Bodenverbrauchs eine Unterversorgung Getreide, Mais oder Kartoffeln droht.

Die Maßnahmen, die die Hagelversicherung vorschlägt, um den Bodenverbrauch auf den Zielwert von 2,5-Hektar einzudämmen  sind nicht neu, haben aber dennoch weiter uneingeschränkte Gültigkeit. 2002 hatte die Bundesregierung als durchschnittlich täglichen Verbrauchswert 2,5 Hektar definiert. Gegenwärtig werden täglich knapp zwölf Hektar verbraucht. Dazu gehören eine österreichweite Leerstands-Datenbank und eine Flächenmanagement-Datenbank, monetäre Anreizsysteme für eine Revitalisierungsoffensive leerstehender Industrie-, Gewerbe- und Wohnimmobilien, Schutz besonders wertvoller Flächen wie in der Schweiz, vermehrtes Bauen in die Höhe und in die Tiefe, den Ausbau des öffentlichen Verkehrs sowie last but not least die Einhebung der Kommunalsteuer als Landessteuer.

(red./herbas)