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Coronavirus

Erster Todesfall außerhalb Chinas und Sorge um die Wirtschaft

Das größte Klinikum in Wuhan wird wohl nicht alle Erkrankten stationär aufnehmen können.
Das größte Klinikum in Wuhan wird wohl nicht alle Erkrankten stationär aufnehmen können.APA/AFP/STR
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Chinas Zentralbank stützt die Wirtschaft mit umgerechnet 156 Milliarden Euro und appelliert an die Banken, vor allem Krankenhäusern ausreichend Kredite zu gewähren. Das größte Klinikum in Wuhan wird wohl nicht alle Erkrankten stationär aufnehmen können.

Peking/Manila. Jetzt gibt es den ersten Todesfall im Zusammenhang mit dem Coronavirus außerhalb Chinas: Auf den Philippinen ist am Samstag ein 44-Jähriger aus der Stadt Wuhan gestorben, nachdem er eine schwere Lungenentzündung bekommen habe. Das teilte das philippinische Gesundheitsministerium am Sonntag mit. Der Mann sei in einem Krankenhaus in Manila gestorben. Er sei mit einer Chinesin ins Land gekommen, die ebenfalls positiv auf das Virus getestet worden sei.

 

Zentralbank springt ein

Die Ausbreitung des Coronavirus hat auch starke Auswirkungen auf die bereits schwächelnde chinesische Wirtschaft. Die chinesische Zentralbank kündigte deshalb am Sonntag eine riesige Finanzspritze in Milliardenhöhe an, um das Bankensystem mit ausreichend Geld zu versorgen.

Die zunehmende internationale Isolierung Chinas und das deutlich schwächere Reiseaufkommen innerhalb des Landes während des chinesischen Neujahrsfests treffen die Tourismusbranche schwer. Zahlreiche ausländische Unternehmen, darunter der deutsche Autobauer Volkswagen oder der amerikanische IT-Gigant Apple, setzten ihre Produktion in China aus oder schlossen vorübergehend ihre Filialen.

Vor diesem Hintergrund kündigte die chinesische Zentralbank an, sie werde zur Öffnung der Finanzmärkte nach den verlängerten Neujahrsferien am Montag 1,2 Billionen Yuan (156 Milliarden Euro) bereitstellen. Ziel sei es, das Bankensystem liquide und den Devisenmarkt stabil zu halten. Die Zentralbank appellierte an die Finanzinstitute des Landes, unter anderem Krankenhäusern und anderen medizinischen Einrichtungen ausreichend Kredite zur Verfügung zu stellen.

Die Behörden haben zudem Importzölle auf Güter gelockert, die für den Kampf gegen die Krankheit wichtig sind. Betroffen davon sind auch Importe aus den USA, mit denen sich China einen erbitterten Zollstreit geliefert hat.

 

Tourismus leidet

Chinas Wirtschaft leidet also unter Produktionsausfällen. Die Probleme im Tourismus sind aber auch nicht zu unterschätzen. Etliche Fluggesellschaften, darunter Austrian Airlines, haben ihre Flüge in die Region vorerst einmal ausgesetzt. Vietnam hat am Sonntag zwar wieder sein China-Flugverbot gelockert – Hongkong, Taiwan und Macao werden wieder angeflogen. Man darf aber davon ausgehen, dass viele Reisende von sich aus von Flügen nach China Abstand nehmen und stornieren werden. Derweil bangt auch Venedig wegen des Ausbleibens chinesischer Touristen um das Geschäft im Karneval.

 

Emotionale Belastung

Im Tongji-Klinikum, dem größten Krankenhaus im chinesischen Wuhan, werden derzeit fast ausschließlich Coronavirus-Patienten behandelt. Dennoch laufe so weit alles in geregelten Bahnen, berichtet der Präsident des chinesisch-deutschen Freundschaftskrankenhauses, Eckhard Nagel. Der Mediziner steht mit seinen Kollegen in Wuhan in engem Kontakt.

„Es liegt sicher keine Panik vor“, sagt Nagel. Allerdings: „Den normalen Alltag gibt es jetzt nicht. Jeder ist ein potenzieller Notfallpatient, dementsprechend sind alle Abläufe anders als sonst.“ Das Tongji-Klinikum habe hohen europäischen Standard. Neben den nötigen Vorsichtsmaßnahmen sei vor allem die emotionale Seite belastend. Viele Patienten kämen in großer Sorge in die Notaufnahme, und die Stimmung in der unter Quarantäne gestellten Stadt sei per se niedergeschlagen. Da Prognosen zufolge bis zu 100.000 Menschen in Wuhan infiziert sein könnten, ist laut Nagel absehbar, dass nicht mehr alle erkrankten Patienten direkt stationär aufgenommen werden können. Dabei hat das Tongji-Klinikum, das im Jahr üblicherweise 6,5 Millionen Patienten behandelt, 6000 Betten. (ag./kor.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.02.2020)

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