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Kommentar

"Parasite" hat den Oscar verdient gewonnen – mehr davon!

Gisaengchung (Englisch: Parasite; Bong Joon-ho)
Schmarotzer? In "Parasite" versucht eine verarmte Familie den Aufstieg in die bessere Gesellschaft: Eine schlaue Parabel.Barunson E&A
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Der Überraschungssieger aus Südkorea hebt sich auf vielerlei Art von typischen Gewinnerfilmen ab. Könnte das bitte öfter gewürdigt werden?

Ja, wir wissen mittlerweile, was Oscars bringt. Eine große Marketingkampagne, damit die Academy-Mitglieder, die über die Gewinner abstimmen, einen auch ja nicht übersehen. Stars in ungewöhnlichen, extremen, körperlich oder seelisch schlauchenden Rollen (man will sie leiden sehen!). Und natürlich gibt es inhaltliche Oscar-Faktoren: Traditionell preisträchtig sind historische Stoffe, aufwendig erzählt („12 Years a Slave“), Heldengeschichten, mit einem gerade verträglichen Maß an Pathos („Green Book“), und Einblicke in die glamouröse Welt des Showbusiness („Birdman“). Kurz: Je wuchtiger, desto Oscar!

Unter den heurigen Nominierten waren viele Favoriten, die in diese Kategorien passen. Viele von ihnen sind auch gute Filme. Aber: Dass sie nicht gewonnen haben, sondern die schlaue Gesellschaftssatire „Parasite“ aus Südkorea (der mit einem Bruchteil des Produktionsbudgets der „Großen“ auskam), ist ein Triumph für die kleineren, feinen Filme, die dafür sorgen, dass das Kinoprogramm interessant bleibt. Das gilt es zu feiern.