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35-Stunden-Woche

Arbeitszeit­verkürzung: Österreicher arbeiten (fast) am längsten

Die bisher unerfüllte Forderung der Sozialwirtschaft nach einer 35-Stunden-Woche mündet am Mittwoch vielerorts in Warnstreiks.
Die bisher unerfüllte Forderung der Sozialwirtschaft nach einer 35-Stunden-Woche mündet am Mittwoch vielerorts in Warnstreiks.APA/GEORG HOCHMUTH
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Die Forderung der Sozialwirtschaft nach einer 35-Stunden-Woche ist nicht neu, aber nach wie vor umstritten. Tatsächlich arbeiten Österreicher länger als die meisten EU-Bürger. Experten erkennen dennoch auch hierzulande einen Trend zu kürzeren Arbeitszeiten.

Was revolutionär anmutet, ist es bei weitem nicht immer: Die Forderung der Gewerkschaft der Sozialwirtschaft nach einer 35-Stunden-Woche für ihre rund 125.000 Beschäftigten im privaten Gesundheits-, Pflege- und Sozialbereich, die am Mittwoch gar in Warnstreiks mündete, kommentieren manche Befürworter derzeit vielerorts als „richtungsweisend“ für andere Branchen, die Präsidentin der Arbeiterkammer richtete am Mittwoch in einer Aussendung aus: „Es ist höchste Zeit für die 35-Stunden-Woche!“ Gegner wiederum orten darin eine symbolische Entwertung des Pflegeberufs und ein „falsches Signal“. Neu oder gar revolutionär ist an der Forderung allerdings wenig, da sie die Gewerkschaft heuer bereits zum vierten Mal in Folge vorbringt.

Auf internationaler bzw. EU-Ebene ist die Idee einer verkürzten Arbeitswoche ebenfalls kein Novum. So wird Frankreich in der Diskussion um Arbeitszeitverkürzungen meist als Beispiel bemüht, das die 35-Stunden-Woche bereits 2000 einführte. Inzwischen wurde diese jedoch weitreichend abgeschwächt und durch unternehmerische Praxis gelockert, weshalb sie dort schon lange nicht mehr verpflichtend für alle Arbeitnehmer gilt. Durch wenige, kurzfristig positive Effekte, denen eine Reihe negativer folgten (wie etwa dem Anstieg der Arbeitslosigkeit und der Personalkosten) entwickelte sich diese inzwischen eher zum internationalen Negativbeispiel.