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Michael Prüller: Mit acht Kindern

Michael Prueller acht Kindern
(c) Bilderbox
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Himalaya oder Amazonas ist für Amateure

Zermürbende Entscheidungsfindungen zwischen Disneyland, Himalaya oder Amazonasbecken gibt's mit acht Kindern nicht. Fliegen ist sowieso viel zu teuer. Bleibt das Auto. Bahnfahren haben wir zwar auch probiert, aber ein Zug hat eine fixe Abfahrtszeit und irgendwer findet sicher im letzten Moment seine Schuhe nicht.

Also das Auto. Besser: die Autos. Denn zu zehnt darf man nicht in einen VW-Bus. Weil man eine Familie ist, bleibt man trotzdem zusammen und fährt Konvoi. Das kann bei schneeglatter Fahrbahn schon krachen, wenn das erste Auto bremst (natürlich vom Vater gelenkt). Im Sommer muss man nur aufpassen, dass nicht beide gleichzeitig dieselbe Zapfsäule ansteuern.

Natürlich muss immer irgendwer aufs Klo. Das nervt dann schon. Und die Härte unserer Schwägerin, ihren Kleinen bloß wortlos den Nachttopf nach hinten zu reichen und diesen nach vollbrachter Tat aus dem Fenster zu leeren, alles bei 150 km/h – diese Härte hatten wir nie. Das Heranwachsen der Kinder und ihres Blasenvolumens hat unsere Reisezeit mehr verkürzt als alle Schengen-Verträge der EU.

Autofahren ist heute ohnehin weniger schlimm als vor 40 Jahren. Die Kindersitze schaffen klar abgegrenzte Hoheitsgebiete, und es gibt Hörbücher! Beim ersten Mal „Herr der Ringe“ (Hörspielfassung) hat auf der ganzen Heimfahrt von Bibione niemand eine Klopause verlangt (es geht ja wieder raus, wozu gibt es Waschmaschinen). Und ich habe vor lauter Aufregung die Autobahnabfahrt nach Hause verpasst.

Ein Sonderapplaus den Erfindern der Pizzeria und den McDonald's dieser Welt! Wo sonst lässt man mit freundlichem Lächeln acht kleine Kunden ihr Essen bestellen, umbestellen und wieder rückbestellen – eine Viertelstunde lang? Überhaupt: Der liebe Gott hat offenbar die Italiener extra als Gastvolk für kinderreiche Familien geschaffen und dafür großzügig emotional ausgestattet, Dank sei ihm.

Am Ende hat immer einer einen Sonnenstich, eine eine Magenverstimmung, einer eine Grippe und eine hat ihr Lieblingsstofftier verloren. Aber dafür ist es auch jedes Mal ein echtes Abenteuer. Der Himalaya oder das Amazonasbecken – das ist bloß was für Amateure.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.07.2010)