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Marktanalyse

Corona bremst Immo-Investments

Symbolbild.
Symbolbild.(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Büros und Geschäfte sind jetzt weniger gefragt, Logistikflächen dafür umso mehr.

Wien. Das Coronavirus hat heuer, wie erwartet, die Nachfrage nach Gewerbeimmobilien gedämpft. Für Europa geht der Immobilienberater CBRE von einem Einbruch des Investitionsvolumens um rund 25 Prozent aus.

Im kommenden Jahr sei jedoch – angesichts der Hoffnung auf einen Corona-Impfstoff und weiterhin niedriger Zinsen – ein Zuwachs von fünf bis zehn Prozent zu erwarten, heißt es im aktuellen „Emea Real Estate Market Outlook 2021“. Bis die Investitionstätigkeit wieder auf Vorkrisenniveau ist, dürfte es dem Beratungsunternehmen zufolge aber mindestens bis ins zweite Halbjahr 2022 dauern. Trotz der schwerwiegenden Auswirkungen der Coronakrise auf die Wirtschaft sei der europäische Markt für Gewerbeimmobilien „für eine Erholung gut positioniert“, heißt es in dem Bericht.

In der Eurozone schrumpft das Bruttoinlandsprodukt (BIP) heuer laut CBRE um 7,3 Prozent, ehe es 2021 um 4,6 Prozent wachsen sollte – unter der Voraussetzung, dass eine flächendeckende Impfung zeitnah verfügbar ist. Die kurzfristigen Zinssätze würden voraussichtlich nicht vor 2023 steigen, und die Geldpolitik zumindest für die nächsten 18 Monate sehr locker bleiben. Das sollte sich positiv auf die Immobilienmärkte auswirken.

 

Chancen für Wohnbau, Logistik

Das Interesse an Immobilieninvestments sei nach wie vor hoch, insbesondere in den Bereichen Logistik, Mehrfamilienwohnbau und Prime Office in Top-Märkten, und das sollte auch im kommenden Jahr anhalten. Eine kurzfristig negative Entwicklung wird hingegen bei Hotels und im Bereich Handel erwartet.

Die Nachfrage nach Büroflächen ging in Europa heuer in den ersten drei Quartalen um 40 Prozent gegenüber der Vergleichsperiode 2019 zurück. Qualitativ hochwertige Büros in zentralen Lagen dürften 2021 weiterhin gefragt sein, erwartet CBRE. Insgesamt dürften aber die Leerstandsraten in ganz Europa weiter steigen, das werde den Druck auf die Mieten verstärken. Zwar wird künftig voraussichtlich ein höherer Raumbedarf pro Arbeitsplatz bestehen, einige Unternehmen wollen aber verstärkt auf Home-Office setzen und mittels „hybrider Office-Lösungen“ Büroflächen flexibel nützen. Die Auswirkungen dieser Konzepte sind laut CBRE noch nicht absehbar, aber sie werden den Büromarkt „vor neue Herausforderungen stellen“.

Immer stärker angekurbelt wird indes die Nachfrage nach Logistikflächen, vor allem wegen des durch die Pandemie beschleunigten Onlinehandels. CBRE rechnet für 2020 bis 2024 mit einem Plus von 1,9 Prozent pro Jahr, wobei vor allem urbane bzw. stadtnahe Lagen stark nachgefragt sein werden.

 

Einzelhandel unter Druck

Gefordert bleibt dagegen der Einzelhandel: „Mittelfristig wird die vollständige Erholung der Top-Lagen in den Städten von der Rückkehr in die Büros sowie von Tourismus und Geschäftsreisen abhängen“, heißt es in der CBRE-Analyse. Chancen bestünden im Lebensmittelsektor sowie in Fachmarktzentren. Top-Lagen bleiben gefragt, allerdings dürften auch dort die Preise fallen und Mieten sowie Immobilienwerte „angepasst werden“. Vorerst ebenfalls unter Druck bleiben Hotels sowie der Freizeit- und Unterhaltungssektor. (APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.12.2020)